Tour für Porte und Thomas nach Stürzen vorbei

Video9. Juli 2017, 17:27
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Besonders den ernsthaftesten Herausforderer des Führenden Froome erwischte es bei einer Abfahrt schlimm – Harte neunte Etappe an Kolumbianer Uran

Chambéry – Schwere Stürze überschatteten am Sonntag die neunte Etappe der Tour de France: Der Australier Richie Porte und der Brite Geraint Thomas kamen auf der Fahrt nach Chambéry zu Fall und mussten aus dem Rennen ausscheiden. Der Tagessieg ging an den Kolumbianer Rigoberto Uran.

Porte, der als ernsthaftester Herausforderer des Gesamtführenden Christopher Froome galt, erwischte es besonders schlimm. Er stürzte bei der Abfahrt auf enger Straße vom Mont Du Chat bei hoher Geschwindigkeit, schlitterte über den Asphalt und prallte gegen den felsigen Abhang, der das Kurveninnere begrenzte. Der 32-Jährige konnte zunächst nicht aufstehen, Helfer stabilisierten umgehend eine Halswirbelsäule. Porte war nach Angabe seines Teams BMC aber bei Bewusstsein und wurde ins Krankenhaus gebracht.

Porte hatte auf dem als Königsetappe titulierten Teilstück zuvor einen guten Eindruck hinterlassen. Der Kapitän des BMC-Teams belegte im Gesamtklassement den fünften Platz mit 39 Sekunden Rückstand auf Froome (Sky).

Dessen Teamkollege Thomas, der das Auftaktzeitfahren in Düsseldorf gewonnen und das Gelbe Trikot einschließlich bis zur fünften Etappe getragen hatte, kam stürzte bei der rutschigen Abfahrt vom Col de la Biche. Vorläufige Diagnose: Schlüsselbeinbruch.

Das Aus für Thomas ist auch ein Dämpfer für Titelverteidiger Froome. Der Waliser war der vielleicht wichtigste Helfer des dreimaligen Gesamtsiegers der Frankreich-Rundfahrt. In den Vorfall involviert war auch Rafal Majka (Bora-hansgrohe). Der Pole konnte das Rennen trotz Schmerzen aber fortsetzen.

Auf dem 181,5 km lange Teilstück von Nantua nach Chambéry, das als Königsetappe der Tour 2017 gilt, hatten darüber hinaus noch weitere Profis Pech. Bereits kurz nach dem Start schieden der Italiener Manuele Mori (UAE Team Emirates) und der niederländische LottoNL-Jumbo-Kapitän Robert Gesink nach einem Crash aus. Die Hitze der Vortage war kühlerem Wetter und teilweise Regen gewichen. Die Straßen waren feucht, die ohnehin schon waghalsigen Abfahrten noch gefährlicher.

Ein Fotofinish am Ende eines harten Tages

Froome unterstrich am Sonntag seine Rolle als Topfavorit, nur der Vorjahreszweite Romain Bardet (Frankreich) setzte ihn im Finale unter Druck, wurde aber wieder gestellt. Den erkämpfte sich dann im Sprint der Spitzengruppe Uran im Fotofinish vor dem Franzosen Warren Barguil, der zu früh jubelte. Froome behauptete seine Führung in der Gesamtwertung mit 18 Sekunden Vorsprung auf den Italiener Fabio Aru.

Aru sorgte mit einer unfairen Aktion im letzten Anstieg zum Mont du Chat für Erregung. Als ein Defekt Froome in Bedrängnis brachte, attackierte der Astana-Kapitän – doch die anderen Konkurrenten übten Solidarität mit dem Engländer und verweigerten jede Mitarbeit. "Ich habe den Angriff nicht wahrgenommen und erst im Ziel davon erfahren", sagte Froome über die Szene. "Richie scheint den anderen gesagt zu haben: 'Leute, das ist nicht der Moment, um den Gesamtführenden zu attackieren.' Ich kann ihm und den anderen nur danken." Aru wies böse Absichten von sich, er habe überhaupt nicht mitbekommen, dass Froome Probleme habe, so der Meister seines Landes.

Knapp 27 km vor dem Ziel nahm der Leader dann selbst die Initiative und dünnte den Kreis seiner Rivalen aus. Der Kolumbianer Nairo Quintana fiel ebenso zurück wie Alberto Contador, der einen heftigen Einbruch erlebte. Die Anstrengung war den Top-Fahrern ins Gesicht geschrieben, jeder Einzelne, auch Froome, bewegte sich am Limit.

le tour de france
Am Ende entschieden Millimeter zwischen Rigobertu Uran und Warren Barguil, der sich zunächst selbst vorne wähnte.

4600 Höhenmeter

Zermürbende Anstiege, riskante Abfahrten und eine erbarmungslose Tempohatz: Das womöglich schwierigste Teilstück der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt hielt, was es versprach. Und dazu waren keine Pyrenäen- oder Alpenriesen nötig. 4600 Höhenmeter mussten zwischen Nantua und Chambéry bewältigt werden, drei Berge der Sonderkategorie im französischen Jura, härter geht es kaum. Bereits 90 km vor dem Ziel am Grand Colombier, der Rampen mit bis zu 22 Prozent Steigung bereithielt, hatte sich die Gruppe um das Gelbe Trikot auf knapp 20 Fahrer reduziert.

Am Montag dürfen sich die Profis in der Dordogne auf dem erste Ruhetag etwas von den bisherigen Strapazen erholen, bevor auf den folgenden Abschnitten wahrscheinlich die Sprinter wieder in den Vordergrund treten. (sid, red – 9.7.2017)

Ergebnisse von der Tour de France am Sonntag:

9. Etappe, Nantua – Chambery (181,5 km):

1. Rigoberto Uran (COL) Cannondale-Drapac 5:07:22 Stunden – 2. Warren Barguil (FRA) Sunweb – 3. Christopher Froome (GBR) Sky – 4. Romain Bardet (FRA) AG2R La Mondiale – 5. Fabio Aru (ITA) Astana – 6. Jakob Fuglsang (DEN) Astana alle gl. Zeit – 7. George Bennett (NZL) Lotto NL – 8. Mikel Landa (ESP) Sky – 9. Daniel Martin (IRE) Quickstep – 10. Nairo Quintana (COL) Movistar alle +1:15 Sek.

Weiter: 125. Marco Haller (AUT) Katjuscha – 128. Michael Gogl (AUT) Trek beide 33:12 Min. – 156. Bernhard Eisel (AUT) Dimension Data 37:26. Ausgeschieden (u.a.): Geraint Thomas (GBR) Sky, Richie Porte (AUS) BMC

Gesamtwertung:

1. Froome 38:26:28 Std. – 2. Aru +18 Sek. – 3. Bardet 51 – 4. Uran 55 – 5. Fuglsang 1:37 Min. – 6. Martin 1:44 – 7. Simon Yates (GBR) Orica-Scott 2:02 – 8. Nairo Quintana (COL) Movistar 2:13 – 9. Landa 3:06 – 10. Bennett 3:53.

Weiter: 125. Gogl 1:14:49 Std. – 161. Haller 1:29:51 – 163. Eisel 1:30:55

  • Ärzte kümmern sich um den schwer verunfallten Richie Porte.
    foto: afp/lopez

    Ärzte kümmern sich um den schwer verunfallten Richie Porte.

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