Vorarlberg: Moderne Religionspädagogik kontra Koranschulen

10. Juli 2017, 06:00
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Im Landhaus wurde über Extremismusprävention und Demokratiekultur im islamischen Religionsunterrricht diskutiert

Bregenz – Gleich drei Vorarlberger Regierungsmitglieder, die Landesrätinnen Katharina Wiesflecker (Soziales) und Bernadette Mennel (Bildung) sowie Landesrat Erich Schwärzler (Sicherheit), bilden die Steuerungsgruppe des grün-schwarzen Projekts "Extremismusprävention". Als wesentlichen Teil der Prävention sieht es Wiesflecker, "der überwiegenden Mehrheit der Muslime und Musliminnen, die gegen Terror und Gewalt sind, eine Stimme zu geben". Am Freitagabend war die Theologie am Wort, es ging im Landhaus um Einfluss der Religionspädagogik auf Prävention und Demokratiekultur.

Als Experten hatte sich die Landesregierung Zekirija Sejdini, den Vorstand des Instituts für Islamische Theologie an der Universität Innsbruck, geholt. Das erste Institut dieser Art in Österreich vermittelt einen "Islam europäischer Prägung" (Sejdini). Der Theologe versteht darunter eine Religion, die sich als eine von vielen sieht, als Basis Würde, Vernunft und Freiheit des Menschen hat, den Diskurs zulässt. Dem Zerrbild des Extremismus wolle man eine Theologie gegenüberstellen, die plurale Menschenbilder anerkennt. Sejdini: "Eine Theologie ohne Berücksichtigung der Menschenrechte ist undenkbar."

Orientierung statt Bevormundung

Gute Religionspädagogik biete Ortientierung, fern jeder Bevormundung und Indoktrination. "Demokratie und Säkularität muss Bestandteil des islamischen Religionsunterrichts sein.", sagt Sejdini, der bedauert, dass Extremismus und Terrorismus die Medien beherrsche: "Die Leisen hört man nicht." Die Ausbildung aufgeklärter Pädagogen sei ein mittelfristiges Projekt. In zehn Jahren werde man im deutschsprachigen Raum über gute Gelehrte verfügen

Die grüne Landesrätin Wiesflecker verweist auf die Gegenwart: "Junge Menschen auf der Suche nach Identität und Wahrheit suchen schnelle Antworten, die bekommen sie von Predigern via Internet." Sejdini plädierte für interreligiöse Begegnungsräume, Möglichkeiten, den Islam auch mit konkreten Personen zu verbinden.

Sorgen bereiten Wiesflecker die in Vorarlberg zunehmenden Koranschulen, wo Kinder und Jugendliche am Wochenende religiöse Unterweisungen bekommen. Kritiker vermuten Fundamentalisten wie Milli Görüs als Betreiber. Sejdini sprach sich für strikte Kontrolle dieser Einrichtungen aus. "Man muss sich sehr genau anschauen, was dort geschieht."

Fundamentalismus in Koranschulen

Man lerne doch nur den Koran zu lesen, beschwichtigte ein Religionslehrer in der Publikumsdiskussion. Kontrollieren müsse die IGGiÖ, Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich, fordert Sejdini. "Das ist ihre Pflicht und Verantwortung." Vertreter der IGGiÖ in Vorarlberg ist Abdi Tasdögen, der zugleich Fachinspektor für islamische Religionspädagogik ist und Vorsitzender der Österreichisch-Islamischen Föderation (AIF), die wiederum der umstrittenen Milli Görüs-Bewegung nahesteht. Beide Vereine betreiben Moscheen.

Die Projektgruppe der Landesregierung wird sich des Themas annehmen, sagt Wiesflecker. Diskussionen sind vorprogrammiert. Haben doch die AIF und Milli Görüs beste Verbindungen ins Sicherheitsressort.

Im Herbst will die Landesregierung Bürgerräte zum Thema Extremismusprävention und Demokratiekultur veranstalten. Besonders angesprochen werden Menschen mit Migrationshintergrund. Wiesflecker: "Ich bin schon sehr gespannt auf die Resonanz." (Jutta Berger, 9.7.2017)

  • Theologieprofessor Zekirija Sejdini: Kontrolle von Koranschulen ist nötig.
    foto: landespressestelle

    Theologieprofessor Zekirija Sejdini: Kontrolle von Koranschulen ist nötig.

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