Irakische Armee feiert Sieg über IS in Mossul

10. Juli 2017, 08:01
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Nach monatelangem erbittertem Kampf wurde die IS-Hochburg zurückerobert. Die EU ortet eine entscheidende Etappe im Kampf gegen die Jihadisten

Mossul – Während im Süden Syriens die von den USA und Russland ausgehandelte Waffenruhe in Kraft trat, feierten die Iraker in Mossul, der ehemaligen Hochburg der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), am Sonntag den Sieg über die Jihadisten. Ministerpräsident Haider al-Abadi reiste in die Stadt, um "die heldenhaften Kämpfer und die Iraker zum Erringen des großen Sieges" zu beglückwünschen. Das irakische Fernsehen zeigte feiernde und tanzende Soldaten.

Sie sollten die Extremisten weiter bekämpfen, bis ihre letzten Widerstandsnester beseitigt seien, sagte Abadi vor Offizieren. Nach dem Sieg habe der Wiederaufbau Mossuls oberste Priorität. Die Infrastruktur hatte unter der Herrschaft des IS, vor allem aber unter den heftigen Kämpfen der vergangenen Monate sehr gelitten.

Die EU sprach von einer "entscheidenden Etappe" im Kampf gegen den IS. Nun sei es "unerlässlich", das Vertrauen zwischen den verschiedenen Gemeinschaften im Irak wieder herzustellen, erklärten die EU-Außenbeauftragte Mogherini und der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides. Nur so könnten die Iraker "beginnen, eine gemeinsame Zukunft aufzubauen".

Vollständige Befreiung

Abadi hatte am Sonntag die vollständige Befreiung Mossuls erklärt. Er sei "in der befreiten Stadt Mossul eingetroffen und hat den heroischen Kämpfern und dem irakischen Volk zu diesem großen Sieg gratuliert", hieß es in einer Erklärung seines Büro.

Nach fast neun Monaten erbitterter Kämpfe um Mossul sind kurz davor irakische Eliteeinheiten bis ans Ufer des Tigris vorgedrungen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen kontrolliert der IS da noch immer einen Streifen von etwa 90 Metern, der aber in der Mitte geteilt ist. Obwohl die Einsatzkräfte der Staatspolizei ihre Aufgabe bereits für erfüllt erklärt hätten, gebe es noch immer Widerstandsnester der Extremisten hat es geheißen.

Die Soldaten haben dennoch die irakische Flagge gehisst, hieß es am Sonntag in einer Nachrichtensendung. IS-Kämpfer sprangen demnach in den Fluss und versuchten so zu entkommen. Dem Militär zufolge wurden allein dabei 30 Extremisten getötet. Der IS hatte angekündigt, Mossul "bis zum Tod" verteidigen zu wollen. In ihrem Rückzugsgefecht setzt die Miliz verstärkt Selbstmordattentäterinnen ein, die ihre Sprengsätze in der Menge Tausender notleidender Zivilisten zünden, die sich langsam wieder aus ihren Verstecken wagen.

Frage von Stunden

Bereits am Samstag hatte das Militär erklärt, es sei nur noch eine Frage von Stunden, bis der endgültige Sieg über den IS verkündet werden könne. Die irakische Armee versucht seit vergangenem Jahr mit internationaler Hilfe, die Miliz aus Mossul zu vertreiben. Die Elitetruppen, die nun den Tigris erreichten, wurden von den USA ausgebildet. Mossul diente dem IS als faktische Hauptstadt im Irak. In Syrien tobt unterdessen noch der Kampf um die dortige IS-Hochburg Raqqa, während im Südwesten des Landes eine von den USA und Russland vermittelte Waffenruhe in Kraft trat.

Mossul ist die letzte große Hochburg des IS im Irak. Die Extremisten hatten die frühere Millionenstadt vor rund drei Jahren überrannt. Im vergangenen Oktober begannen Regierungstruppen eine Offensive, die internationale Anti-IS-Koalition unterstützt den Angriff aus der Luft. (red, Reuters, 10.7.2017)

  • Der IS hatte angekündigt, Mossul "bis zum Tod" verteidigen zu wollen.
    foto: apa/afp/ahmad al-rubaye

    Der IS hatte angekündigt, Mossul "bis zum Tod" verteidigen zu wollen.

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