Denifl gewinnt Österreich-Radrundfahrt

8. Juli 2017, 15:50
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Tiroler verteidigt Gelb auf letzter Etappe und feiert größten Karriereerfolg

Wels – Stefan Denifl hat den Gesamtsieg bei der Österreich-Rundfahrt errungen. Der Tiroler musste auf der Schlussetappe am Samstag auf dem Weg von St. Johann nach Wels einige Attacken abwehren, kam schließlich aber mit den Konkurrenten im Hauptfeld ins Ziel.

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Die sechste Etappe gewann im Sprint der Franzose Clement Venturini, bester Österreicher war Denifl als 21. Damit ging das Rennen wie schon jenes im Vorjahr ohne rot-weiß-roten Etappenerfolg zu Ende. Denifls Gesamttriumph überstrahlte aber alles. "Das ist mein größter Sieg, das hat einen Riesenstellenwert", sagte er.

Der Schlussabschnitt über 204 Kilometer sei aber sehr hart gewesen. "Ich habe mich gefühlt, als ob alle gegen mich fahren würden, aber das ist das Gelbe Trikot, das macht es nicht leicht und der Rennverlauf war auch nicht ideal. Es war immer schnell und am Ende auch noch windig. Aber meine Teamkollegen haben alles gegeben und ich hatte noch sehr gute Beine."

Großschartner verpasst Podium knapp

Sein Vorsprung auf den zweitplatzierten Spanier Delio Fernandez (Delko Marseille) betrug 37 Sekunden. Dritter wurde der im Vorfeld als Topfavorit gehandelte Kolumbianer Miguel Angel Lopez (Astana/+59 Sekunden), der die Horn-Etappe gewonnen hatte. Nur eine Sekunde hinter Lopez gab Felix Großschartner (CCC)) als Vierter ein weiteres Zukunftsversprechen ab.

Der 23-jährige Oberösterreicher machte am Schlusstag bei Zwischensprints noch einmal fünf Sekunden gut, für Platz drei reichte es aber hauchdünn nicht mehr. "Es ist schade, dass sich das Podium um eine Sekunde nicht ausgegangen ist, aber ich habe alles probiert."

Stephan Rabitsch (Felbermayr) verlor auf dem Weg in die Heimatstadt seines Teams das Bergtrikot noch an "Glocknerkönig" Pieter Weening (NED/Rompoot). Sein Mannschaftskollege Riccardo Zoidl kam nicht in die Top Ten.

Erst Gesamtsieg, dann das Baby

Denifl ist der erste österreichische Rundfahrtsieger seit Riccardo Zoidl. Dieser hatte 2013 den Gesamtsieg errungen. "Ich bin in den letzten Jahren schon oft drangewesen, habe mehrmals nur knapp einen Sieg verpasst. Diesmal hat alles gepasst", sagte Denifl, der in den nächsten Tagen Vater wird.

Bei der Tour de Suisse hatte ihn sein Team nicht aufgestellt. Denifl: "Ich weiß bis heute nicht genau warum." Dies habe ihn zusätzlich für die Ö-Tour motiviert. "Ich habe mich top vorbereitet, wegen der Tour de Suisse war auch ein bisschen Frust dabei und ich habe noch härter trainiert." Einigermaßen überraschend kommt sein Triumph aber schon, denn seine vorherigen Saisonleistungen hatten nicht unbedingt Titelhoffnungen geweckt.

Denifl blieb cool

Dem 1,79 m großen und 65 kg leichten Bergspezialisten spielte der Rennverlauf ein wenig in die Karten. Im Gegensatz zu etlichen Topfahrern ließ er sich auf der ersten Etappe von einem Sturz im Feld und viel Gegenwind nicht überraschen und kletterte später als Zweiter am Kitzbüheler Horn ins Gelbe Trikot. Diese Führung verteidigte er auf der folgenden Königsetappe mit einer Husarenritt in der Großglockner-Abfahrt. Auch im welligen Schlussabschnitt nach Wels ließ er es sich den Sieg nicht mehr nehmen.

"Klar ist es auch gut gelaufen mit der ersten Etappe. Aber das Horn war schon eine super Leitung. Man muss schon ein kompletter Rennfahrer sein, um die Rundfahrt zu gewinnen", sagte Denifl. Die Hitzebedingen erwiesen sich ebenfalls als Vorteil. "Ich mag es gerne, wenn es warm und sonnig ist."

Sein nächstes Renn-Highlight ist die Vuelta a Espana im Frühherbst. Die WM in Norwegen sei hingegen kein Thema. Sehr wohl aber jene 2018 in seiner Tiroler Heimat. Ob er dann auch noch für den Zweitliga-Rennstall Aqua Blue fährt, bleibt abzuwarten. (APA, red, 8.7.2017)

Ergebnisse der 69. Österreich-Radrundfahrt:

6. Etappe, St. Johann/Alpendorf – Wels (203,9 km):

1. Clement Venturini (FRA) Cofidis 4:29:21 Std. – 2. Sep Vanmarcke (BEL) Cannondale Drapac – 3. Ryan Gibbons (RSA) Dimenson Data – 4. Pim Ligthart (NED) Roompot – 5. Ivan Sawizkij (RUS) Gazprom – 6. Davide Ballerini (ITA) Nationalteam Italien – 7. Oscar Gatto (ITA) Astana – 8. Gian Friesecke (SUI) Team Vorarlberg – 9. Guillaume Boivin (CAN) Israel Cycling Academy – 10. Sven Erik Byström (NOR) Katjuscha.

Weiter: 18. Miguel Angel Lopez (COL) Astana – 20. Delio Fernandez (ESP) Delko Marseille – 21. Stefan Denifl (AUT) Aqua Blue – 22. Felix Großschartner (AUT) CCC – 27. Hermann Pernsteiner (AUT) Amplatz-BMC – 29. Daniel Geismayr (AUT) Vorarlberg – 35. Clemens Fankhauser (AUT) Tirol Cycling alle gleiche Zeit – 40. Riccardo Zoidl (AUT) Felbermayr Wels +20 Sek.

Gesamtwertung, Endstand:

1. Denifl 27:10:07 – 2. Fernandez +37 Sek. – 3. Lopez 59 – 4. Großschartner 1:00 Min – 5. Ben O'Connor (AUS) Dimension Data 1:08 – 6. Giulio Ciccone (ITA) Italien 2:06 – 7. Daniel Teklehaimanot (ERI) Dimension Data 2:21 – 8. Alexej Rybalkin (RUS) Gazprom 2:32 – 9. Angel Madrazo (ESP) Delko Marseille 2:46 – 10. Martijn Tusveld (NED) Roompot 2:50.

Weiter: 12. Pernsteiner 3:43 – 15. Zoidl 4:43 – 16. Geismayr 5:31 – 26. Rabitsch 14:23

Endstand Bergwertung:

1. Pieter Weening (NED) 38 Pkt. – 2. Rabitsch 32 – 3. Lopez 28 – 4. Zoidl 28.

Weiter: 6. Denifl 18

Endstand Punktewertung:

1. Vanmarcke 41 – 2. Elia Viviani (ITA) 38 – 3. Venturini 33.

Weiter: 11. Großschartner 15 – 12. Denifl 14

Endstand Mannschaftswertung:

1. Dimension Data 81:36:53 – 2. Gazprom +5:42 – 3. Roompot 10:07.

Weiter: 6. Team Vorarlberg 15:27 – 10. Felbermayr Wels 44:42

  • Stefan Denifl feierte den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere.
    foto: apa/expa/reinhard eisenbauer

    Stefan Denifl feierte den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere.

  • Auf der letzten Etappe geriet Denifl nicht mehr in Gefahr.
    foto: apa/expa/reinhard eisenbauer

    Auf der letzten Etappe geriet Denifl nicht mehr in Gefahr.

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