Putin und Trump unterhielten sich zweieinhalb Stunden

7. Juli 2017, 20:40
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US-Außenminister Rex Tillerson spricht von "sehr robustem Meinungsaustausch"

Es ist 16 Jahre her, da erklärte George W. Bush, er habe Wladimir Putin in die Augen geschaut und dessen Seele erkannt: Er halte ihn für sehr direkt und vertrauenswürdig. Als Barack Obama knapp sechs Monate im Amt war, reiste er nach Moskau, um den Neustart zu zelebrieren, nachdem Bush den Kreml wegen des Konflikts mit der Kaukasusrepublik Georgien scharf kritisiert hatte und das Klima eisig geworden war.

Zwar hieß der russische Präsident damals Dimitri Medwedjew, doch Amerikas Insider wussten natürlich, dass Putin auch als Regierungschef die Nummer eins geblieben war. Nun ist es Donald Trump, der seit knapp sechs Monaten im Oval Office sitzt. Und auch diesmal ging es darum, ein Verhältnis zu erwärmen, das im Zuge der Ukraine-Krise und der Annexion der Krim auf Kühlschranktemperatur abkühlte. So ungewöhnlich ist es also nicht, wenn der neue Mann im Weißen Haus in der Frühphase seiner Präsidentschaft auf Russland zugeht.

Manipulationsvorwürfe

Bei allen historischen Parallelen, was es weder 2001 noch 2009 gab, ist das, was Tony Blinken, unter Obama Vize-Außenminister, den "Elefanten im Raum" nennt. Dass russische Hacker den amerikanischen Wahlkampf zu manipulieren versuchten, nach Überzeugung der US-Geheimdienste auf Anweisung ihrer Regierung, für Blinken ist es das unsichtbare, gleichwohl alles dominierende Rüsseltier. Trump, hatte der Ex-Diplomat vor dem Treffen in Hamburg gesagt, müsse den Elefanten mit aller Deutlichkeit ansprechen, falls er Moskau nicht zu weiteren Cyberattacken auf den politischen Prozess westlicher Demokratien ermuntern wolle.

Keinesfalls dürfe er so vage bleiben wie tags zuvor in Warschau, wo er die Hackerangriffe sowohl Russland als auch "anderen Leuten in anderen Ländern" ("So genau weiß es keiner") zugeschrieben hatte. Rede Trump nicht Klartext, werde ihm der Kongress die Hände binden. Dann werde ihn das Parlament auf Capitol Hill nicht so mit Russland kooperieren lassen, wie er das vielleicht anstrebe und wie es in der Sache, etwa in Syrien, durchaus möglich sei. Als Blinken seine Prognose stellte, hatten sich die beiden Staatschefs an der Elbe bereits mehrfach die Hand gegeben. Da war ihre Körpersprache in den Studios von CNN, Fox News und MSNBC aufs Akribischste analysiert worden, ohne dass jemand etwas zur Substanz zu sagen wusste.

Langes Gespräch

Nach der Begegnung, die über zwei Stunden dauerte, rund 90 Minuten länger als geplant, sprach US-Außenminister Rex Tillerson vor Journalisten von einem "sehr robusten Meinungsaustausch" zu dem Thema. Trump habe die Initiative ergriffen und Putin mehr als einmal darauf angesprochen. Der habe wiederholt verneint, dass es seitens seines Landes eine solche Einmischung gegeben habe. Im Übrigen, so Tillerson, habe er eine "eindeutig positive Chemie" zwischen den beiden Präsidenten gespürt.

In Washington nahm Blinken den Faden auf und spann ihn weiter. Wenn stimme, was über den Tagesordnungspunkt Cyberattacken berichtet werde, dann sei dies eine willkommene Entwicklung. Nun müsse Trump in aller Öffentlichkeit bestätigen, was die amerikanischen Geheimdienste seit Längerem sagen. Er müsse klarmachen, dass er ihre Erkenntnisse teile – "Ich hoffe, wir hören es bald direkt aus seinem Mund". (Frank Herrmann aus Washington, 7.7.2017)

  • Ein historischer Händedruck
    foto: apa/afp/saul loeb

    Ein historischer Händedruck

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