Österreichs Buchenwälder werden UNESCO-Weltnaturerbe

Video7. Juli 2017, 19:26
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Teile von Dürrenstein und Nationalpark Kalkalpen

Wien/Krakau – Österreichische Wälder gehören nun zum Weltnaturerbe. Dies teilte Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) mit. Das UNESCO-Welterbekomittee hätte in Krakau bekanntgegeben, dass der Urwald Rothwald (NÖ) und Teile des Nationalparks Kalkalpen (OÖ) mit anderen Wäldern Europas zum UNESCO-Weltnaturerbe "'Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas" erhoben werden.

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Das Wildnisgebiet Dürrenstein ist – gemeinsam mit Teilen des Nationalparks Kalkalpen – zum Weltnaturerbe ernannt worden. Es ist die erste Auszeichnung eines Weltnaturerbes in Österreich.

Der unter Federführung des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) abgewickelte Zertifizierungsprozess konnte positiv abgeschlossen werden. "Ein großer Erfolg für den österreichischen Naturschutz – das Prädikat Weltnaturerbe zeigt eindrucksvoll, welch einzigartige Naturschätze wir in unserem Land beheimaten", wurde der Minister in einer Aussendung zitiert.

Erstes Weltnaturerbe in Österreich

Mit der Entscheidung werden erstmals Schutzgebiete aus Österreich in die Liste der Weltnaturerbestätten aufgenommen, wie der Yellowstone National Park, die Galapagos-Inseln oder die Südtiroler Dolomiten. Der Erfolg in Krakau sei durch ein enges Zusammenwirken der österreichischen Delegierten des Bundes, der Österreichischen UNESCO-Kommission, der Behörden in den Bundesländern und von lokalen Fachexperten möglich geworden.

Die UNESCO World Heritage Nominierung "Primeval Beech Forests of the Carpathians and Other Regions in Europe" wurde im Jänner 2016 vom Umweltministerium offiziell eingereicht. Formal handelt es sich um eine Erweiterung eines bereits bestehenden Welterbes, das Flächen in Ukraine, Slowakei und Deutschland umfasst. Insgesamt sind elf europäische Staaten mit mehr als 60 nominierten Flächen vertreten. Es handelt sich dabei um die letzten Reste urwaldähnlicher oder zumindest sehr alter Buchenwaldbestände mit geringen Spuren menschlicher Eingriffe. Die ausgewählten Gebiete variieren stark in ihrer Größe, insgesamt sind es etwa 61.000 Hektar.

Wildnisgebiet Dürrenstein

Das Wildnisgebiet Dürrenstein erstreckt sich auf 3.500 Hektar im südlichen Teil des Bezirk Scheibbs, nahe des mächtigen Ötschers und an der Grenze zur Steiermark. Wegen seiner Ursprünglichkeit und Unberührtheit ist es das erste und einzige Wildnisgebiet Österreichs. Die Schutzkategorie "Wildnisgebiet" bezeichnet die höchste Schutzkategorie gemäß IUCN (Weltnaturschutzorganisation) und unterliegt damit noch höherem Schutz als beispielsweise Nationalparke.

Charakteristisch und einzigartig ist das hohe Alter der Bäume, die zwischen 400 bis 1.000 Jahre alt sind. Das Gebiet ist Heimat für seltene Arten wie den Habichtskauz, den Luchs und viele weitere besondere Tier- und Pflanzenarten. Den Grundstein für den Erhalt der Urwälder hat 1875 der damalige Besitzer Albert Rothschild gelegt, der verfügt hat, dass der sogenannte Rothwald nicht forstlich genutzt und sich selbst überlassen werden soll.

Wien auf der Roten Liste

Am Donnerstag hatte die UNESCO-Kommission bei ihrer Jahrestagung in Krakau das historische Zentrum Wiens auf die sogenannte Rote Liste der gefährdeten Kulturgüter gesetzt. Die UNESCO stößt sich am geplanten Hochhausbau am Heumarkt-Areal. Die Aberkennung des Prädikats Weltkulturerbe droht nun 2018. (APA, red, 7.7.2017)

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