Neugierige Vögel zeigen am Touchscreen individuelle Unterschiede

10. Juli 2017, 07:00
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Wiener Forscher führten Experimente mit Papageien und Rabenvögeln durch

foto: messerli forschungsinstitut/vetmeduni vienna
Ein Kea am Touchscreen.

Wien – Misstrauische Vögel sind nicht automatisch weniger erkundungsfreudig: Die Skepsis gegenüber Unbekanntem verzögert nur den Zeitpunkt des Erkundens, wie ein internationales Team um Wissenschafter des Messerli Forschungsinstitutes der Veterinärmedizinischen Universität (Vetmed) Wien herausfanden.

Bisher wurden jene Vögel, die neuartigen Dingen mit Misstrauen begegnen, automatisch als weniger erkundungsfreudig angesehen als solche, die offen für Neues sind. Zugleich wurden dabei ganze Spezies über einen Federkamm geschoren und in ihrer Gesamtheit als wenig oder sehr neugierig eingestuft – Letzteres gilt beispielsweise für die neuseeländischen Keas.

Reihe von Experimenten

In ihrer im Fachjournal "Scientific Reports" veröffentlichten Studie konnten die Forscher nun aber zeigen, dass misstrauisches Verhalten erstens nicht artspezifisch, sondern von Individuum zu Individuum verschieden ausgeprägt ist. Und dass zweitens dieses Misstrauen das Erkunden nicht behindert, sondern nur verzögert.

Mittels eines Touchscreen-Tests an vier Krähen- und fünf Papageienarten (Arten mit einem sogenannten "Technikverständnis") untersuchten die Wissenschafter, wovon Abenteuergeist und Erkundungsfreudigkeit der Vögel beeinflusst werden. Den Tieren wurden dabei 16 Formen wiederholt vorgelegt und zusätzlich unbekannte Formen eingeführt. Die Forscher analysierten die Zeitpunkte, ab denen die Tiere die neuen Muster akzeptierten und sie näher untersuchten.

Individuelle Unterschiede

Dabei kam heraus, dass Vögel, die sich gegenüber neuen Formen zunächst misstrauisch verhielten, diese einfach zu einem späteren Zeitpunkt untersuchten. Sie brauchten eine bestimmte Gewöhnungsphase, bevor sie bereit waren, sich mit den unbekannten Formen zu beschäftigen.

Was die individuellen Unterschiede betrifft, spielten sowohl der Rang in der Gruppe als auch das Alter eine Rolle. "Zwischen den Arten gab es kaum Unterschiede, bis auf die jugendlichen Aaskrähen", so Erstautor Marc O’Hara. "Die Jungkrähen interessierten sich schneller für die unbekannten Formen als alle anderen Vögel." Bei den übrigen Vogelarten konnten die Forscher hingegen einen deutlichen Unterschied zwischen den einzelnen Tieren erkennen. (APA, red, 10. 7. 2017)

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