Kontroverse um Sprachfähigkeit von Affen geht weiter

    10. Juli 2017, 06:00
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    Wiener Kognitionsbiologe Tecumseh Fitch verteidigt seine Studie gegen Kritik – Stellungnahme und Gegenstellungnahme in "Science Advances" veröffentlicht

    foto: twentieth century fox/ap/dapd
    Dass Affen anders als im Film nicht sprechen, ist Fakt. Über die Gründe dafür gehen die Meinungen allerdings auseinander.

    Wien – Als zum ersten Mal ein Affe zu einem Menschen "Nein!" sagte, war das ein Schlüsselmoment der "Planet der Affen"-Reihe. Und selbstverständlich reine Science Fiction – galt es doch lange Zeit als Lehrmeinung, dass Menschenaffen schon aus anatomischen Gründen nicht sprechen können: Ihr Vokaltrakt sei dafür einfach nicht geeignet.

    Wiener Studie

    Der Biologe Tecumseh Fitch vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien hat dies mittlerweile als "Mythos" bezeichnet. Er hat die stimmbildenden Organe wie Kehlkopf, Zunge und Lippen von lebenden Makaken genau untersucht und dabei herausgefunden, dass der Vokaltrakt der Tiere um einiges flexibler ist als bisher angenommen. In Simulationen beobachtete er mit Kollegen, dass die Affen fünf Selbstlaute perfekt verständlich artikulieren können. Nicht darunter war aber etwa der Laut "i". Trotzdem gebe es tausende Worte, die sie auf Englisch oder Deutsch bilden könnten, sagte der Forscher.

    Es liege also an den fehlenden kognitiven Fähigkeiten – und nicht an der falschen Anatomie, dass Affen nicht miteinander sprechen, folgerten Fitch und Kollegen. Sie waren der Meinung, die "nervigen Behauptungen" und "hartnäckigen Annahmen" vom sprachunfähigen Vokaltrakt der Affen, die auf Untersuchungen von toten Tieren fußten, seien nun "endgültig aufgeklärt" und würden aus den Lehrbüchern verschwinden.

    Kritik aus den USA

    Nun kommt aber Gegenwind: In der aktuellen Ausgabe von "Science Advances" kritisiert Philip Lieberman von der Brown University in Providence (USA) die Schlussfolgerungen von Fitch und Co heftig. Ohne "Quantenvokale" wie "i" sei eine Artikulation nicht "robust genug" für das tägliche Leben und ähnele nicht der Menschensprache. Bei den Menschen sei eine eigene Evolution des Sprachapparats nötig gewesen, damit sie so reden können wie heute.

    Weil die Sprache für Menschen extrem wichtig ist, hätte ihre Evolution sogar einen großen Nachteil in Kauf genommen: Nämlich, dass Essen oder Trinken auch in die Atemwege gelangen können, was immerhin die vierthäufigste Ursache für Unfalltod in den USA sei. Lieberman gehört zu jenen Forschern, die den Vokaltrakt von toten Affen untersucht haben.

    Postwendende Antwort

    Fitchs Replik auf diesen Einwand: Freilich hätten sich die Sprachorgane bei den Menschen weiterentwickelt. Außerdem hätte man nie behauptet, dass eine hypothetische Affensprache jener der modernen Menschen gleicht, entgegnen Fitch und Kollegen im selben Heft. Von Lieberman als Quantenvokale bezeichnete Selbstlaute mit "extremer Aussprache" wie "i" seien bei menschlichen Sprachen zwar verbreitet, aber nicht universell vorhanden.

    Die Affen hätten also auch ohne diese Töne genug anatomische Möglichkeiten für ein großes Vokabular an gut unterscheidbaren Wörtern. Ergo: Die Ergebnisse ihrer Studie seien weiterhin gültig. (APA, red, 10.7.2017)

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