Colombian Youth Philharmonic Orchestra: Rituelles Multi-Tasking

7. Juli 2017, 16:40
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Das kolumbische Ensemble gastierte in der Steiermark

Graz – Das Energieniveau im Saal steigt mit dem Auftritt: Das Colombian Youth Philharmonic Orchestra gastierte auf seiner ersten Europatournee zwischen Rheingau-Musik-Festival, Mecklenburg-Vorpommern oder der Young Euro Classic 2017 in Berlin bei der Styriarte in Graz. Andrés Orozco-Estrada, Mentor und Chefdirigent, hat seiner 120-köpfigen Truppe technisch hervorragender Enthusiasten ein reizvolles Programm maßgeschneidert.

Eröffnet wurde mit Escaramuza der kalifornischen Komponistin Gabriela Lena Frank für Streicher, Schlagzeug und Harfe, einem beinah friedvollen "Scharmützel" – angesichts der immer komplexeren rhythmischen Strukturen der weiteren Werke.

"Anden-Flair" durch Wasserpfeifchen

Sie hatten schon dem Foyer der List-Halle exotisches Flair verliehen – und im Stück América Salvaje des Peruaners Jimmy López fanden die Hundertschaften grellbunter Plastikvögelchen endlich Verwendung. Auf Einsatz des Dirigenten durfte das Publikum mit den Wasserpfeifchen "Anden-Flair" entwickeln. Ein reizvolles Stück, das ohne Folkloristik lateinamerikanische Geschichte erzählt.

Von welchem Kaliber die Mitglieder des Colombian Youth Philharmonic Orchestra tatsächlich sind, offenbarte sich dennoch erst in Alberto Ginasteras Suite Op. 8 aus dem Ballett Estancia. Plötzlich hörte man reizvoll changierende Holz- und Blechbläserfarben und hell aufglänzende Streicherklänge. Bei Igor Strawinskys Le Sacre du Printemps begnügte sich Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada nicht nur damit, die Seinen zu polyrhythmischen Veitstänzen und subtilem Klangfarbenzauber anzustacheln.

Er hat, gemeinsam mit Choreograf Gabriel Galindez Cruz, auch noch eine "Performance" für die Orchestermusiker entwickelt. Diese hatten auf dem Platz zu tanzen oder in Ekstase zu geraten, mit den Instrumenten rituelle Bewegungen auszuführen und dabei auf Schlag auch wieder zu spielen. Das war souverän gemacht, hat nicht genervt und allemal zum Staunen und Jubeln verführt. (Heidemarie Klabacher, 8.7.2017)

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