SPÖ und FPÖ feiern sich und zwei Jahre pannonische Koalition

7. Juli 2017, 15:10
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Die rot-blaue Regierung im Burgenland hält sich für ein wunderbares Modell – gerade auch für den Bund

Eisenstadt – Man war beinahe in Feierlaune. Gar eine feine Torte im schönen rot-blauen Zuckerguss war gebracht worden. Jeder bedankte sich – nicht bloß artig, sondern von Herzen – bei jedem ausdrücklich. Denn, so Landeshauptmann Hans Niessl: "Die Zusammenarbeit funktioniert wirklich sehr, sehr gut. Wir reden nicht nur davon, wir leben das."

Das rot-blaue Burgenland , im Amt seit dem 9. Juli 2015, sang am Freitag Lobeshymnen auf sich und hielt damit auch nicht hinterm dem Berg.

In die Hymnen mischte sich ein bundespolitischer Kehrreim. Niessl, der seine SPÖ vor zwei Jahren ja in eine bis heute anhaltende Sinnkrise gerempelt hat, betonte den Modellcharakter des damals als Tabubruch empfundenen Zusammengehens mit der FPÖ. "Es geht deutlich mehr weiter als in der früheren Proporzregierung." Damals habe man einander blockiert, heute "sagen wir nicht mehr, was wir tun wollen, wir tun es".

Eiserner Wille

Und das durchaus nicht im Alleingang, wie der rote Klubobmann Robert Hergovich ausdrücklich deponiert haben möchte. Nur sieben von insgesamt 68 Gesetzesbeschlüsse habe man allein mit rot-blauer Mehrheit gefasst. Bei allen anderen waren Oppositionsparteien dabei, die Neugestaltung der Gemeindeordnung geschah gar einstimmig. "Wir sind", singt Hergovich, "getragen vom eisernen Willen zur Zusammenarbeit!" und schließt mit dem Kehrreim: "Das ist das Gegenmodell zu Rot-Schwarz." Nicht bloß zum einstigen Burgenland, sondern "auch das Gegenmodell zur Koalition im Bund".

Wertschätzung

In diesen Refrain stimmen die blauen Partner gerne mit ein. Johann Tschürtz, Stellvertreter Niessls und Sicherheits-Chef des Landes, genoss nun seit zwei Jahren ungewohnte Wertschätzung. Auch oder gerade bei kontroversiellen Themen. Als Tschürtz vor einigen Monaten Berittene an der Grenze gefordert hat, "war der Koalitionspartner anderer Meinung". Der Landeshauptmann habe aber doch gemeint, "okay, schauen wir uns die berittene Polizei in Rosenheim einmal an".

Diese Strophe sang auch der blaue Klubchef Géza Molnár. Vor zwei Jahren sei man als Juniorpartner auch mit viel Respekt an die Arbeit gegangen. Aber er habe große Fairness erlebt, "Ich habe dabei gemerkt, wie wichtig das Zwischenmenschliche ist." Man wolle miteinander, also könne man auch. "Wir bohren die dicken Bretter." Refrain: "Hier ist die Antithese zu Wien am Werk."

Vergebene Chancen

Der ÖVP war‘s denn dann zuviel an Harmonie. Thomas Steiner, pannonischer Parteichef und Bürgermeister von Eisenstadt, klagte: "Ein Jubiläum zum Feiern ist das wahrlich nicht." Sein Klubchef Christian Sagartz singt den türkisen Kehrreim: "Zwei Jahre Rot-Blau sind zwei Jahre voll vergebener Chancen." (Wolfgang Weisgram, 7. 7. 2017)

  • So schmackhaft kann Rot-Blau sein, sagen Robert Hergovich, Hans Niessl, Johann Tschürtz und Géza Molnár (von links)
    foto: bgld. landesmeidenservice

    So schmackhaft kann Rot-Blau sein, sagen Robert Hergovich, Hans Niessl, Johann Tschürtz und Géza Molnár (von links)

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