El Salvador: Vergewaltigungsopfer muss ins Gefängnis

7. Juli 2017, 14:28
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Junge Frau wurde nach Entbindung zu 30 Jahren Haft verurteilt. Justiz wirft ihr Mord vor, da Fötus nach Geburt verstarb

El Salvador – Die heute 19-jährige Evelyn Beatriz Hernandez Cruz hat im April 2016 auf einer Toilette in der Region Cuscatlán in El Salvador ihr Kind zur Welt gebracht, nachdem sie starke Unterleibsschmerzen verspürt hatte. Der Säugling überlebte jedoch nicht. Da der Mutter vorgeworfen wurde, den Tod des Kindes vorsätzlich herbeigeführt zu haben und Abtreibung in El Salvador verboten ist, ist sie seitdem inhaftiert.

Die damals 18-Jährige wusste nach eigenen Angaben bis zur Geburt nicht, dass sie schwanger war. Wie der britische "Guardian" berichtet, wurde der Teenager schwanger, nachdem sie von einem Gangmitglied über mehrere Monate hinweg vergewaltigt worden war.

Laut Angaben von medizinischen ExpertInnen konnte nicht ermittelt werden, ob der Fötus bereits tot zur Welt kam oder kurz nach der Entbindung starb. Der Rechtsbeistand von Hernandez Cruz vermutet, dass der Säugling kurz nach der Entbindung gestorben ist, weil sein erster Stuhl in die Atemwege gelangt ist.

Richterin spricht von Mord

Ein Gericht in El Salvador entschied nun jedoch im Sinne der Anklage, dass die Frau bewusst auf die pränatale Vorsorge verzichtet und das Kind nach der Geburt in die Toilette geworfen habe, um es zu töten. Die Richterin deutete in ihrer Urteilsverkündung außerdem an, dass Hernandez Cruz nicht allein gehandelt habe und dass ihre Mutter womöglich auch etwas mit der Tat zu tun haben könnte.

Bertha Deleón, eine der Vertreterinnen der Verteidigung, ist davon überzeugt, dass das Urteil aufgrund von Vorurteilen gefällt worden ist. Außerdem wirft die Verteidigung der Polizei vor, den neugeborenen Säugling unsachgemäß gereinigt zu haben, wodurch es zu einer Verfälschung von Beweisen für die Todesursache gekommen sei. Das Team der Verteidigung hat daher vor, gegen das Urteil Berufung einzulegen.

Abtreibung unter allen Umständen illegal

Dieser Fall ist nur das jüngste Beispiel in einer Reihe von Vorfällen mit ähnlichem Verlauf: Seit 1997 ist Abtreibung in El Salvador illegal, egal aus welchem Grund. Manche Frauen werden deshalb sogar nach Fehlgeburten zu Haftstrafen verurteilt.

Viele Frauenrechtsgruppen in der Region setzen sich seit einiger Zeit verstärkt dafür ein, dass Abtreibung, zumindest in Fällen von Vergewaltigung oder bei Gefahr für die Mutter, wieder legalisiert wird, bisher jedoch ohne Erfolg. (jvs, 7.7.2017)

  • Eine Frau demonstriert für die Legalisierung von Abtreibung in El Salvador.
    foto: apa/marvin recinos

    Eine Frau demonstriert für die Legalisierung von Abtreibung in El Salvador.

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