Amazon Echo Look: Smarte Kamera als wortkarger Outfitberater

    7. Juli 2017, 10:33
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    Technisch ausgereiftes System liefert nur spärliche Informationen und noch wenig Funktionsumfang

    Nach dem Echo, dem Echo Dot und dem Echo Show hat Amazon noch ein weiteres smartes Assistenzgerät in Vorbereitung: Den Echo Look. Ansprechen will man damit modebewusste Kundschaft.

    Das Gerät ist prinzipiell eine Webcam mit integrierter Alexa-Assistentin. Die Primärfunktion: Fotos von sich selbst in verschiedenen Outfits aufnehmen, diese vergleichen und Empfehlungen für neue Kleidung erhalten. Es beantwortet also die oft gestellte Frage: "Was ziehe ich heute an?". Die Antworten sind aber noch ausbaufähig, berichtet The Verge.

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    Gute Kamera, mäßiger Lautsprecher

    In technischer Hinsicht hat Amazon den Echo Look gut umgesetzt. Das Gerät kann entweder auf einem Standfuß oder einer Wandhalterung montiert werden. Die Kamera erzeugt ordentliche Bilder mit künstlich weichgezeichnetem Hintergrund und wird gegebenenfalls von einem vierfachen, weichen LED-Blitz unterstützt.

    Die Spracherkennung arbeitet ordentlich. Abseits von modischen Anliegen bearbeitet sie auch alle anderen Eingaben und Fragen, wie alle anderen Echo-Geräte auch. Die Audio-Ausgabe über den integrierten Lautsprecher ist jedoch etwas leise und qualitativ kein Wow-Erlebnis. Immerhin, die Vernetzung mit anderen Echos im Haushalt klappt reibungslos.

    foto: amazon
    Das Herzstück des Systems ist die Echo Look-App.

    Outfit-Vergleich

    Das für den Nutzer zentrale Element ist die App. Erstmals hat Amazon ein Programm spezifisch für ein einzelnes Echo-Modell entwickelt. An sie schickt die Kamera die Aufnahmen. Am Smartphone wird auch mittels "Style Check" errechnet, welche der beiden präsentierten Kleidungskombinationen die bessere ist. Diese wird mit einem gelben Häkchen markiert und mit einer Prozentwertung versehen.

    Die App erkennt dabei recht zuverlässig, wenn man sie hereinzulegen versucht, indem eine zweite Person das zweite Outfit trägt. Verwechslungen, in denen man selbst auf einem Bild für jemand anders gehalten wird, kommen nur selten vor.

    Wenig Informationen

    Nach welchen Kriterien Amazon ein Outfit für besser oder schlechter befindet, lässt sich aktuell nur erraten. Laut dem Unternehmen werden Passform, Farbe, Styling und aktuelle Trends herangezogen. Dazu sollen auch "Fashion-Spezialisten" am Style Check arbeiten und Alexa mit der Zeit auch vom Nutzer lernen. Einigermaßen verlässlich lässt sich laut The Verge-Autorin Lauren Goode nur sagen, dass enger anliegende Kleidung oft bevorzugt wird.

    Hierin liegt auch ein Problem mit dem System: Es liefert keinen Kontext. Die Echo Show-App liefert keinerlei Erklärung für ihre Bevorzugung von Outfit A oder B. Dazu lässt sie sich auch nicht mit potenziell wichtigen Informationen füttern – etwa ob man gerade ein Outfit für eine Ballveranstaltung oder doch nur ein Mittagessen im Café sucht.

    foto: amazon

    Wer seine Garderobe ergänzen will, kann sich von der Echo Look-App auch – etwas versteckt hinter zwei weiteren Bedienschritten – Kleidung vorschlagen lassen, die dem aktuell getragenen Gewand ähnelt. Auch hier mangelt es den Ergebnissen öfters an Nachvollziehbarkeit. Die Testerin bekam mitunter Produkte aus der Kinderabteilung vorgeschlagen. Was nicht überraschen sollte: Alle Empfehlungen führen zum Onlineshop von Amazon.

    Erst am Anfang

    Der Echo Look ist auf technischer Ebene gut umgesetzt, sieht man von den mäßigen Lautsprechern ab. Er ist allerdings derzeit limitiert auf eine besondere Funktion, die auch nur Kunden nutzt, die sich ob ihrer Kleidungswahl oft nicht ganz sicher sind.

    Jedoch fehlt es der zugehörigen App an Informationsgehalt und der Möglichkeit, einigen wichtigen Kontext einzubeziehen. Amazon freilich sagt, dass man beim Echo Look noch am Anfang steht und in Zukunft mehr Features folgen werden. Wie auch andere smarte Heimkameras dürften Datenschützer das Gerät zudem kritisch beäugen.

    Weit verbreitet ist die smarte Kamera aber ohnehin noch nicht. Im Moment kann das 200-Dollar-Gerät nur von US-Kunden auf Einladungsbasis erworben werden. (red, 07.07.2017)

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