ORWL: "Selbstzerstörender" PC schützt sich gegen physischen Zugriff

8. Juli 2017, 09:56
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Zugriff nur mit Schlüssel und Passwort – löscht bei unautorisierter Öffnung den Verschlüsselungs-Key

Zur Sicherung unserer Kommunikation und anderer Daten raten Experten üblicherweise zu Verschlüsselungstools. Doch selbst die besten Lösungen sind möglicherweise wirkungslos, wenn sich jemand direkten Zugriff auf einen Computer verschafft.

Ein Szenario, für welches ORWL Abhilfe verspricht. Der Mini-PC schützt die Nutzerdaten mit einer Art Selbstzerstörungsmechanismus. Die dafür notwendige Technik lässt man sich allerdings nicht wenig kosten.

design shift

Anmeldung nur mit Bluetooth-Schlüssel

Schon softwareseitig legt ORWL strenge Maßnahmen an. Um das Gerät überhaupt booten zu können, muss man sich mit einem NFC-fähigen Bluetooth-Token und einem Passwort anmelden. Verliert der Rechner die Verbindung zum Token, so sperrt er sich automatisch und deaktiviert zudem alle USB-Ports. Der drahtlose Schlüssel läuft mit einem ST54D-Chip von STMicroelectronics, der verschiedene Sicherheitsmerkmale wie einen geschützten Speicher mitbringt.

Ein OLED-Display auf der Oberseite des flachen, runden Gehäuses informiert über den aktuellen Zustand des Rechners (Gesperrt, Entsperrt, Ausgeschalten). Im Computer selbst werkt ein Microcontroller von Maxim.

Gehäuse erkennt Manipulation

Ein feiner Schaltkreis im Gehäuse selber sowie Drucksensoren sollen dabei helfen, unautorisierten physischen Zugriff auf das Gerät zu vermeiden. Wird der Schaltkreis durch eine Durchlöcherung des Gehäuses unterbrochen oder eine Öffnung erkannt, so löscht der Rechner den Key für die Verschlüsselung (AES 256) der verbauten SSD. Ohne diesen Key ist eine Wiederherstellung der darauf befindlichen Daten ausgeschlossen.

Das Rechenherz von ORWL bildet je nach Modell entweder ein Core M3 oder M7 von Intel mit integrierter Grafikeinheit. Ihm stehen acht GB RAM zur Verfügung. Der Onboardspeicher wird mit 120 oder 480 GB angegeben. Es gibt zwei USB 3.0-Ports des Typs C sowie einen microHDMI-Ausgang. Dazu kommen 802.11ac-WLAN und Bluetooth 4.1.

foto: design shift

Das Gehäuse besteht entweder aus gehärtetem Glas oder Plastik und weist einen Durchmesser von 130 Millimeter bei 30 Millimeter Dicke auf. Das Gewicht wird mit 400 Gramm angegeben. Alternativ gibt es auch eine Variante mit Server-Rack. Man bietet die Vorinstallation von drei Betriebssystemen an: Windows 10 sowie die Linux-Distributionen Ubuntu und Qube OS.

Open Source

Eine Reihe von Projektbestandteilen soll in Form von Open Source-Material veröffentlicht werden. Beispielsweise alle erarbeiteten Dateien zum Hardwarelayout oder der Quellcode sämtlicher Software, die man selber umsetzt. Ein Teil davon soll unter eine Lizenz gestellt werden, die kommerzielle Weiterverwertung ermöglicht.

Erscheinen soll ORWL bereits im kommenden August. Das günstigere Modell mit Kunststoffgehäuse, Core M3-Prozessor und 120 GB Speicherplatz wird für 1.700 Dollar angeboten, die Glas-Variante mit M7-CPU und einer 480 GB SSD kostet 2.400 Dollar.

Das dahinter stehende Team von Design Shift hat bereits Erfahrung im Produktdesign. Zur Marktreife gebracht hat man etwa bereits die Digitalkamera DxO X1 und das Nextbit Robin-Smartphone. (gpi, 08.07.2017)

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