Wie sich unsere Zellen an die Kindheit erinnern

    7. Juli 2017, 07:00
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    Eine Studie zeigt, wie unser Körper die Lebensbedingungen der Kindheit speichert. Das hat Einfluss auf die Anfälligkeit für entzündungsbedingte Krankheiten im Erwachsenenalter

    Evanston/Illinois – Neue Untersuchungen der US-amerikanischen Northwestern University zeigen, auf welche Weise Umweltfaktoren und Lebensbedingungen in der Kindheit bei Erwachsen zu Entzündungen führen können. Diese sind ein wichtiger Risikofaktor für eine Vielzahl von Krankheiten im Alter, wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Autoimmunerkrankungen und Demenz.

    Die Untersuchung baut auf frühere Forschungsergebnisse auf, die ebenfalls Umweltbelastungen mit entzündlichen Biomarkern in Verbindung brachten. Den Forscherinnen und Forschern gelang mit ihrer aktuellen Studie aber ein wichtiger Schritt in Richtung einer Beantwortung der Frage, auf welche Weise sich der Körper genau an jene Bedingungen der frühen Kindheit erinnert, die für die Entstehung von Entzündungen im Erwachsenenleben relevant sind.

    Zellen vergessen nicht

    Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter verwendeten Daten aus einer großen Geburtskohortenstudie auf den Philippinen, deren Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Geburt an beobachtet wurden. Die Auswertung der Daten ergab, dass Ernährung, psychosoziale Faktoren und die Bakterienbelastung in den ersten Kindheitsjahren beeinflussen, wie sich unsere DNA verändert. Konkret konnte ein Einfluss auf neun Gene beobachtet werden, die bei der Regulierung von Entzündungen eine Rolle spielen.

    DNA nicht so starr wie gedacht

    "Diese Ergebnisse ermutigen uns dazu, die vorherrschende Meinung zu überdenken, dass unsere DNA eine Blaupause für den menschlichen Körper ist, die ab der Empfängnis festgeschrieben ist", so Studienautor Thomas McDade, Professor für Anthropologie an der Northwestern University. Metaphern wie "DNA als Schicksal" könnten damit obsolet werden.

    Ernährung, Bakterien und sozialer Status

    Die aktuellen Studienergebnisse deuten auch darauf hin, dass eine verbesserte Ernährung, eine geringere Bakterienbelastung und ein gesünderes psychosoziales Umfeld bei kleinen Kindern das Risiko, an chronischen Entzündungen zu erkranken, im Erwachsenenalter reduzieren können. So schütze beispielsweise längeres Stillen nachhaltig. Das psychosoziale Umfeld werde unter anderem durch den sozioökonomischen Status der Familie beeinflusst, aber auch durch die An- oder Abwesenheit der Eltern.

    Dass die Lebensbedingungen in der Kindheit das Risiko in Bezug auf bestimmte Erkrankungen nachhaltig steigern können, weiß man schon länger. So zeigte eine finnische Studie erst kürzlich einen Zusammenhang zwischen einem ungünstigen sozioökonomischen Status in der Kindheit und einem erhöhten Risiko einer vergrößerten linken Herzkammer und einer schlechteren diastolischen Funktion im Erwachsenenalter. (jvs, 7.7.2017)

    • Die Auswertung der Studiendaten ergab, dass Ernährung, psychosoziale Faktoren und die Bakterienbelastung in den ersten Kindheitsjahren beeinflussen, wie sich unsere DNA verändert.
      foto: getty images/istockphoto/nata_zhekova

      Die Auswertung der Studiendaten ergab, dass Ernährung, psychosoziale Faktoren und die Bakterienbelastung in den ersten Kindheitsjahren beeinflussen, wie sich unsere DNA verändert.

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