Jack Wolfskin wird an Hedgefonds weitergereicht

6. Juli 2017, 16:54
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Die neuen Investoren hoffen, den Outdoor-Ausrüster nach einigen Jahren mit Gewinn abstoßen zu können

Wien – Sie gleiten mit ihren Kanus über das eisige Meer, tasten sich durch Gletscherspalten, jagen auf Hundeschlitten durch Grönland, verharren über tiefen Abgründen, um ihr Zelt auf einsamen Gipfeln aufzuschlagen. Es ist der Ruf der Wildnis, der die bärtigen Männer in Werbespots von Jack Wolfskin ereilt. Doch die wahren Träger des Tatzen-Logos ereilt im schlimmsten Fall ein Regenschauer. Es sind vor allem Städter fernab allen Extremsports, die sich der einst größten deutschen Outdoormarke bedienen. Und diese steckt seit Jahren in unwegsamem Gelände fest. Die Profitabilität nimmt ab, Schulden in Höhe von mehr als 360 Millionen Euro sammelten sich an.

Der Ruf der Hedgefonds

Eine Zäsur war nur eine Frage der Zeit. Sie erfolgte am Donnerstag: Jack Wolfskin läuft ab sofort an der Leine von einem Dutzend Hedgefonds. Sie waren Gläubiger des Funktionswäscheanbieters, nachdem Banken ihre Forderungen an sie abgetreten hatten.

Nun sinken die Verbindlichkeiten im Rahmen eines Schuldenschnitts um 255 Millionen Euro. Zurückzuzahlen sind diese erst in fünf Jahren. Zusätzlich verschaffen die neuen Gesellschafter Jack Wolfskin mit einem Darlehen von 25 Millionen Euro Luft. Das Unternehmen verfüge damit über eine solide Basis und das notwendige Kapital, um das Geschäft auszubauen, ließ Konzernchefin Melody Harris-Jensbach wissen.

36 Jahre ist es her, dass Ulrich Dausien den Grundstein der Marke legte. 1991 später verkaufte sie der Deutsche an einen US-Konzern, was einen regen Wechsel unter den Besitzern einleitete. US-Finanzinvestor Bridgestone legte für die Marke vor fünf Jahren 700 Millionen Euro auf den Tisch. Doch diese hatte ihren Zenit schon die längste Zeit überschritten.

Gefundenes Fressen

Die Jahre, in denen sich die Outdoorbranche zweistelliger Wachstumsraten in Europa erfreute, sind vorbei. Abgesehen davon, dass sie gefundenes Fressen für Händler aller Art wurde, die sich mit günstigen Eigenmarken ihr Stück vom Kuchen holten. Platzhirsche wie Mammut und The North Face ließen die Wolfstatze ebenso verblassen wie innovative Newcomer. In Österreich etwa holten sich kleine Spezialisten wie Skinfit vermehrt Marktanteile unter Bergsteigern, Kletterern und Radlfahrern. Deuter und Vaude etwa mischen stark von Deutschland aus mit.

Über eine Holding in Luxemburger halten die Fonds Bain Capital Credit, CQS und H.I.G mehr als die Hälfte der Wolfskin-Anteile. Blackstone, der sich mit der internationalen Expansion überhob, steigt finanziell als Verlierer aus. (Verena Kainrath, 6.7.2017)

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    foto: apa/dpa/arne dedert
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