Wie Katz und Kuh vor Asthma schützen

    6. Juli 2017, 11:16
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    Mikroben auf dem Bauernhof schützen Kinder vor Asthma und Allergien. Aber auch nicht-mikrobielle Moleküle scheinen einen schützenden Effekt zu haben, sagen Immunologen

    Zürich – Allergien sind auf dem Vormarsch. Experten schätzen, dass mittlerweile etwa ein Drittel der Kinder in westlichen Ländern von mindestens einer Allergie betroffen sind. Die große Ausnahme sind Bauernkindern. Bei ihnen verläuft die Zunahme der Erkrankungen weniger dramatisch als bei Gleichaltrigen, die zwar im gleichen Dorf, aber nicht auf einem Bauernhof leben.

    Sicher ist: Mikroben, die auf Bauernhöfen in größerer Menge und höherer Diversität vorkommen, schützen Bauernkinder vor Allergien und Asthma. Das heißt, eine Umgebung, die nicht hoch hygienisch ist, wirkt sich positiv auf die Entwicklung des Immunsystems aus – es lernt, auf an sich harmlose Stoffe nicht zu reagieren, wie das bei einer Allergie der Fall ist.

    Auch Sialinsäure schützt

    Offenbar haben aber nicht nur Mikroben einen schützenden Effekt vor Asthma, sondern auch die Tiere auf dem Bauernhof: Das Streicheln von Katz und Kuh sowie der Schluck Milch direkt ab Hof können ebenfalls Asthma vorbeugen, wie nun Forscher der Uni Zürich herausgefunden haben. "Der frühkindliche Kontakt zu Tieren und auch der Verzehr von tierischen Nahrungsmitteln scheint die Entzündungsreaktionen des Immunsystems zu regulieren", sagt Studienleiter Remo Frei.

    Verantwortlich dafür sei ein nicht-mikrobieller Stoff, eine Sialinsäure, die in Wirbeltieren – also in vielen Bauernhoftieren – verbreitet vorkommt, im menschlichen Organismus jedoch fehlt: die N-Glykolylneuraminsäure (Neu5Gc). Menschen produzieren aufgrund einer genetischen Mutation kein Neu5Gc. Sie können die Sialinsäure aber über Tierkontakt oder auch über das Essen von tierischen Lebensmitteln aufnehmen und in ihre Glykoproteine einbauen. Der Kontakt mit Neu5Gc löst im Menschen eine Antikörperreaktion aus.

    In der Studie konnte die Konzentrationen von Neu5Gc-Antikörpern in Serum-Proben von Kindern gemessen werden. Demnach wiesen Bauernkinder hochsignifikant mehr Antikörper gegen Neu5Gc im Blut auf als die restlichen Kinder. Je mehr Antikörper vorhanden waren, desto seltener trat auch Asthma auf. Die positive Wirkung der Sialinsäure Neu5Gc auf die Atemwege konnte zudem am Mausmodell bestätigt werden: Über die Nahrung aufgenommene Neu5Gc-Moleküle verbesserten die Lungenfunktion der Mäuse und reduzierten somit die Symptome von Asthma.

    Antientzündliche Reaktion

    Um den Mechanismus zu verstehen, wie Neu5Gc auf das menschliche Immunsystem wirkt, analysierten die Forscher verschiedene Zellen des Immunsystems, die bei einer entzündlichen Reaktion eine Rolle spielen. Das Ergebnis – sowohl bei den untersuchten Kindern als auch am Tiermodell: Der Kontakt mit Neu5Gc reduziert nicht die Immunglobuline E, also die Antikörper, die bei allergischen Reaktionen verstärkt auftreten, sondern stoßen vielmehr eine antientzündliche Reaktion des Immunsystems an. "Das geschieht über sogenannte regulatorische T-Zellen, die stärker präsent sind. Diese T-Zellen dämpfen Fehlreaktionen des Immunsystems und wirken stark anti-entzündlich", erklärt Frei. (red, 6.7.2017)

    • Kann nicht nur lieb sein, sondern auch vor Asthma schützen.
      foto: apa/dpa/martin schutt/

      Kann nicht nur lieb sein, sondern auch vor Asthma schützen.

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