Rätsel um weiße Hirsche von Hessen gelöst

6. Juli 2017, 10:19
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Genvariante ist in der normal gefärbten Rothirschpopulation weit genug verbreitet, um Nachschub an weißen Tieren zu gewährleisten

Gießen – Das Geheimnis der weißen Hirsche von Hessen und die Frage, ob diese eine Zukunft haben werden, sind geklärt: In der dortigen Rothirschpopulation hat sich eine besondere Genvariante ausgebreitet, die für die auffällige Fellfarbe sorgt. Es handelt sich nicht um Albinos.

"Wir haben es geschafft, das Gen zu finden, und können genau sagen, wie hoch der Prozentsatz der Träger ist", sagte Gerald Reiner von der Universität Gießen. Demnach tragen 16 Prozent der braunen Tiere im nordhessischen Reinhardswald das Erbgut für das weiße Fell in sich. Weiter nördlich, an der Grenze zu Niedersachsen, seien es sogar 26 Prozent. Damit sei der Bestand der mittlerweile zum Markenzeichen der Region gewordenen weißen Hirsche gesichert.

50 unter 1.000

Die Zahl der weißen Hirsche in Hessens Nordspitze beläuft sich Schätzungen zufolge auf insgesamt etwa 50. Für eine gesunde Fortpflanzung hätte das nicht gereicht, erklärte der Leiter der Klinik für Wiederkäuer und Schweine. Bleibe eine derart kleine Gruppe unter sich, leide die Genvielfalt – und damit sinke die Widerstandsfähigkeit gegen Umweltveränderungen.

Doch die weißen Hirsche müssen nicht unter sich bleiben: Aus den 1.000 Tieren des Rotwildbestands mit normaler Fellfarbe gingen jährlich zwei weiße Hirsche hervor. Damit das passieren könne, müssten beide Elterntiere das Gen für die weiße Fellfarbe in ihrem Erbgut tragen, erklärte Reiner.

Die üblichen Probleme bleiben aber bestehen

Nach Einschätzung des Deutschen Jagdverbands ist die Population in Hessens Norden wegen ihrer Größe "etwas ganz Besonderes". Die Tiere sind zwar nicht geschützt, werden aber im Landkreis Kassel nicht geschossen. Um sie rankt sich ein Aberglaube unter Jägern: Wer einen weißen Hirsch schießt, stirbt kurz darauf.

Um die weißen Hirsche macht sich Forscher Reiner zwar keine Sorgen, dafür um das Rotwild generell: "Die genetische Vielfalt in den Populationen hat gelitten", sagt er. Der Austausch fehle, Straßen behinderten die Paarung zwischen verschiedenen Populationen. Dabei seien mehr Genvarianten für das Überleben "ein Ass im Ärmel". Der Landesjagdverband Hessen teilt diese Einschätzung. Eine Lösung seien Grünbrücken über Straßen, erklärte Sprecher Markus Stifter. (APA, red, 6. 7. 2017)

  • Ein Exemplar der hessischen Population von "Weißhirschen".
    foto: apa/dpa/swen pförtner

    Ein Exemplar der hessischen Population von "Weißhirschen".

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