"Motorisierte" Chlamydien im Meer entdeckt

    5. Juli 2017, 15:03
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    Überraschende Entdeckung: Marine Arten besitzen Flagellen

    Wien – Chlamydien sind ungewöhnliche Bakterien, die zur Vermehrung auf die Infektion von Einzellern, von tierischen oder menschlichen Zellen angewiesen sind. Die bakteriellen Krankheitserreger verursachen jedes Jahr weltweit mehr als 100 Millionen Infektionen, für den Menschen harmlose Arten sind jedoch auch in der Umwelt weit verbreitet.

    Im Verlauf der Evolution haben sie ihr Erbgut stark verkleinert und eine Vielzahl an Genen verloren. Aufgrund ihrer reduzierten Genome sind alle bekannten Chlamydien völlig unbeweglich. Nun hat ein internationales Forschungsteam um Astrid Collingro und Matthias Horn, Mikrobiologen an der Universität Wien, aber eine überraschende Entdeckung gemacht: Bestimmte marine Arten sind "motorisiert".

    universität wien
    Ein Forschungsteam um Astrid Collingro und Matthias Horn von der Universität Wien hat bei der Untersuchung mariner Chlamydien Überraschendes entdeckt.

    Untersuchung mariner Chlamydien

    Für die Studie sortierten die Forscher zehntausende Bakterienzellen aus Meerwasserproben. Am Ende konnten die Genome dreier Chlamydien vervielfältigt und sequenziert werden. Bei der Analyse stießen die Wissenschafter auf ein unerwartetes Merkmal: Die marinen Arten besitzen Flagellen.

    Flagellen sind komplexe Strukturen, die aus einem molekularen Motor bestehen, der eine Art Geißel so antreibt, dass die Zelle sich fortbewegen kann. "Wir haben das zunächst nicht für möglich gehalten. Erst nach einer Reihe weiterer Analysen waren wir uns sicher: Wir haben es mit beweglichen Chlamydien zu tun", so Astrid Collingro.

    Suche nach natürlichen Wirten

    Weitere Untersuchungen zeigten, dass Flagellen tatsächlich eine ursprüngliche Eigenschaft der Chlamydien sind, die allerdings im Laufe der Evolution in den meisten Entwicklungslinien, so auch den humanpathogenen Arten, verloren gegangen ist. Um die marinen Chlamydien auch im Labor untersuchen zu können, werden die Forscher als nächstes deren natürliche Wirte suchen.

    "Ich denke, diese Bakterien sind noch für einige Überraschungen gut", sagte Matthias Horn. "Die Untersuchung der Umweltchlamydien wird dazu beitragen, die Herkunft und Entwicklung bakterieller Krankheitserreger besser zu verstehen". (red, 5.7.2017)

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