Zugkellner werden Eisenbahner und verdienen mehr

    5. Juli 2017, 13:57
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    Nach dem Streit über Hungerlöhne beim Caterer Do & Co gibt es nun einen neuen Kollektivvertrag

    Wien – Die Sozialpartner, ÖBB und Co haben sich auf einen neuen Kollektivvertrag für die Bahn-Caterer geeinigt, der seit 1. Juli gilt. Aus den Zugkellnern werden damit Eisenbahner. "Die Sozialpartnerschaft funktioniert, vor allem auf Branchenebene", sagte Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft Vida, bei der Präsentation der Details. "Es war ein Musterbeispiel für Geben und Nehmen", wobei das Geben aufseiten der Gewerkschaft vor allem die Flexibilisierung der Arbeitszeit betreffe, so Hebenstreit. Für die Unternehmen bedeute der neue KV aber auch Planungs- und Rechtssicherheit, streute auch Thomas Schreiber, Obmann des Fachverbands Schienenbahnen in der WKÖ, der Sozialpartnerschaft Rosen.

    Steiniger Weg zur Einigung

    Dass der Weg zur Einigung kein einfacher war, zeigt schon der Umstand, dass sie nicht wie ursprünglich geplant Ende vergangenen Jahres, sondern erst jetzt zustande gekommen ist. Der neue KV gilt für alle Bahnunternehmen in Österreich und betrifft aktuell knapp 400 Zugkellner – rund 350 davon arbeiten für Do & Co in den ÖBB-Zügen –, aber auch für rund 500 Beschäftigte in Schlaf- und Liegewägen. Für Letztere gilt, dass der Tagverkehr ab sofort, der Nachtverkehr jedoch erst ab dem Jahr 2020 nach den neuen Regeln läuft.

    Für die Mitarbeiter gilt, dass mit der Gültigkeit der neuen Regeln bis zu zwölf Stunden gearbeitet werden darf. An der normalen Wochenarbeitszeit von 40 Stunden ändert sich aber nichts. Eine Besserstellung gibt es auch bei den Stehzeiten zwischen zwei Zugfahrten. Hier gibt es nach 180 Minuten Extrazuschläge. Diese sind auch im Kollektivvertrag verankert. Im Gegenzug dürfen die Mitarbeiter eingeschränkt auch abseits des Caterings eingesetzt werden – etwa durch die Übernahme von Tätigkeiten im Sicherheitsbereich, zum Beispiel bei der Evakuierung eines Zuges.

    Höhere Gehälter

    Das Einstiegsgehalt für gelernte Arbeitskräfte liegt mit dem neuen KV bei 1.761,48 brutto (und damit 25 Prozent über dem Gastro-KV), jenes bei ungelernten bei 1.642,65 (17 Prozent über dem Gastro-KV). Der Einsatz ungarischer Kräfte für einen Hungerlohn sei damit nicht mehr möglich, sagte Hebenstreit mit Blick auf die Vergangenheit. "Das gibt es schon jetzt nicht mehr", ergänzte ÖBB-Chef Andreas Matthä. Er gehe nicht davon aus, dass nun die Verpflegung an Bord für Bahnkunden teurer werde: "Durch die flexibleren Arbeitszeiten sollten die Mehrbelastungen für die Caterer abgefedert werden."

    Der Einigung war ein mehr als ein Jahr dauernder Streit vorausgegangen, der sich daran entzündet hatte, dass Catering-Betreiber Do & Co ("Henry am Zug") die ungarischen Kellner nach ungarischen Tarifen bezahlt hatte, obwohl die Züge in Österreich unterwegs gewesen waren. Als Strafen vonseiten des Arbeitsinspektorats von bis zu 1,3 Millionen Euro drohten, kündigte Do & Co seinen Rückzug an. "Wir sind in einem guten Einvernehmen", sagt Matthä heute. Der Vertrag mit Do & Co läuft bis ins Jahr 2018. Dem Vernehmen nach wird sich auch Do & Co wieder bewerben. Die ÖBB haben ihren Caterer bereits ausgeschrieben, im Juni 2018 soll dann der Zuschlag fallen. (rebu, 5.7.2017)

    • Essen an Bord soll trotz der höheren Gehälter nicht teurer werden.
      foto: öbb

      Essen an Bord soll trotz der höheren Gehälter nicht teurer werden.

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