Vor dem Herzinfarkt: Schmerzen in den Beinen

6. Juli 2017, 08:58
1 Posting

Spezifische Schmerzen in Waden oder Zehen können auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko hinweisen, betonen Herzspezialisten

Frankfurt – Verschiedene Arten von Beinschmerzen können ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko anzeigen. Experten der Deutschen Herzstiftung raten insbesondere bei Wadenschmerzen, die beim Gehen auftreten und beim Stehenbleiben nachlassen, wachsam zu sein. Gleiches gilt für Schmerzen, die sich beim Hinlegen in der Zehenregion bemerkbar machen, vor allem wenn Aufstehen für Linderung sorgt.

"Beide Schmerzformen sind ein typisches Symptom einer Arteriosklerose, bei der es aufgrund von Ablagerungen in den Arterien an unterschiedlichen Stellen des Körpers zu Durchblutungsstörungen kommt", betont Eike Sebastian Debus vom Universitären Herzzentrum Hamburg.

Da die Beine bei einer Arteriosklerose, umgangssprachlich auch "Gefäßverkalkung" genannt, im Vergleich zum Herzen häufig erst relativ spät betroffen sind, ist bei solchen Beinschmerzen oft schon eine deutliche Verkalkung der Herzkranzgefäße vorhanden. "Betroffene sollten deshalb beim Arzt unbedingt darauf bestehen, dass nicht nur ihre Beine untersucht werden, sondern in regelmäßigen Abständen auch das Herz", betont Debus.

Ins Schaufenster starren

Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) werden Betroffene durch die Schmerzen dazu gezwungen, beim Gehen immer wieder stehen zu bleiben. Häufig wird die Erkrankung durch einen Stopp vor einem Schaufenstern "getarnt" – aus diesem Grund wird auch von der "Schaufensterkrankheit" gesprochen.

Das Tückische an der pAVK: Die Gefäßverkalkung kann nicht nur die Beine, sondern den gesamten Organismus betreffen, so dass es zu Gefäßverengungen in Hals (Carotis), Gehirn, Nieren und Herzen kommen kann. Bleibt eine stark vorangeschritte Arteriosklerose unbehandelt, drohen Infarkt, Fuß- und Beinamputation. (red, 6.7.2017)

Tipps für Betroffene:

  1. Der Arteriosklerose weglaufen: Zu den besten Möglichkeiten, sich vor einer Arteriosklerose zu schützen, zählt regelmäßige Bewegung. Mit Ausdauersport lässt sich die Entwicklung einer Arteriosklerose üblicherweise deutlich bremsen.
  2. Finger weg von Zigaretten: Rauchen zählt zu den größten Risikofaktoren für eine Arteriosklerose in den Beinen. Wer raucht und es schafft aufzuhören, kann sein Risiko für ein Fortschreiten der Gefäßverkalkung enorm senken. Studien haben gezeigt, dass sich 24 Monate nach der letzten Zigarette die Gefahr für weitere Gefäßverkalkungen nicht mehr von der gesunden Normalbevölkerung unterscheidet.
  3. Auch auf die Ernährung kommt es an: Ein zu hohes Körpergewicht ist eine häufige Ursache von Gefäßverkalkungen in den Beinen. Experten der Deutschen Herzstiftung empfehlen die "mediterrane Küche".
  4. Fehler bei Medikamenten-Einnahme vermeiden: Mittlerweile existieren zahlreiche Medikamente, mit denen sich wesentliche Risikofaktoren für eine Arteriosklerose abmildern lassen (z. B. ungünstige Blutfettwerte, Diabetes mellitus, Bluthochdruck). Allerdings kommt es bei der Einnahme immer wieder zu typischen Fehlern und die Medikamente verlieren an Wirkung. Oft werden die Tabletten nicht regelmäßig genug eingenommen, teilweise weil die Einnahme schlicht vergessen wird, teilweise aber auch aufgrund unangenehmer Nebenwirkungen. Die Empfehlung der Deutschen Herzstiftung: Falls bei einer Medikamenten-Einnahme Nebenwirkungen auftreten, sollten die Probleme unbedingt mit dem Arzt besprochen werden, statt die Tabletten ohne ärztliche Rücksprache wegzulassen oder die Dosierung eigenmächtig zu ändern. Oft lässt sich auf andere Wirkstoffe ausweichen, die ebenfalls für einen guten Arteriosklerose-Schutz sorgen.

Zum Weiterlesen:

Unter 50-jährige Raucher haben achtfach höheres Infarktrisiko

Schaufensterkrankheit: Kritik an hoher Amputationsrate

Was der Raucherpenis prognostiziert

Weitere Artikel zum Thema "Herzinfarkt"

  • Bewegung ist die beste Medizin gegen Arteriosklerose.
    foto: apa/dpa/julian stratenschulte

    Bewegung ist die beste Medizin gegen Arteriosklerose.

    Share if you care.