USA und Seoul proben Kriegsbeginn gegen Nordkorea

    5. Juli 2017, 12:03
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    USA kündigten "härtere Maßnahmen" gegen Nordkorea nach Test einer Interkontinentalrakete an – Kim Jong-un spricht von "Geschenk" für die "amerikanischen Bastarde"

    Pjöngjang – Die USA und Südkorea haben den nordkoreanischen Test einer Langstreckenrakete mit einer gemeinsamen Militärübung beantwortet. Dabei seien vor der Küste der Halbinsel Präzisions-Lenkwaffen ins Meer geschossen worden, teilte die US-Armee mit. Nach Darstellung der Führung in Pjöngjang kann die neu entwickelte Interkontinentalrakete einen großen atomaren Sprengkopf tragen. Verhandlungen mit den USA über das strategische Waffenprogramm lehnte Machthaber Kim Jong Un der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA zufolge ab. Am Mittwoch wollte sich der UN-Sicherheitsrat mit der Krise befassen. China und Russland mahnten die USA und Nordkorea, eine friedliche Lösung zu suchen.

    Donald Trump wandte sich vor seiner Abreise via Twitter an China. Das Land habe entgegen seinen Zusagen in den ersten Monaten 2017 seinen Handel mit Nordkorea um 40 Prozent gesteigert. Das werde auch Einfluss auf die Handelsbeziehungen der USA zu Peking haben. Seine Bemühungen, mit China eine Lösung zu finden, seien nicht erfolgreich gewesen – "aber wir mussten es versuchen".

    Der Raketentest am amerikanischen Unabhängigkeitstag hatte weltweit Kritik ausgelöst. Das Geschoss vom Typ Hwasong-14 war nach Berichten nordkoreanischer Staatsmedien am Dienstag 933 Kilometer weit geflogen und hatte eine Höhe von 2802 Kilometern erreicht. Einige Experten sagten, die Flugdaten deuteten darauf hin, dass die Rakete eine Gesamtreichweite von über 8000 Kilometern haben könnte. Damit lägen zahlreiche US-Bundesstaaten in ihrer Reichweite.

    US-Außenminister Rex Tillerson sagte, der Raketentest bedeute eine weitere Eskalation der Bedrohung der USA und ihrer Verbündeter. Nun seien entschlossenere Antworten gefragt. KCNA zitierte Kim mit den Worten, die Langstreckenrakete komplettiere das strategische Waffenarsenal des Landes, einschließlich Atom- und Wasserstoffbomben: "Mit einem breiten Lachen im Gesicht sagte er (Kim) Regierungsvertretern, Wissenschaftlern und Technikern, dass die USA nicht erfreut sein würden über das Geschenkpaket an ihrem Unabhängigkeitstag." Kim habe angeordnet, regelmäßig "kleine und große Geschenkpakete an die Yankees zu schicken".

    foto: reuters
    Raketen sind laut Auskunft der USA und von Südkorea vor der südkoreanischen Ostküste ins Meer gefeuert worden.

    Das US-Verteidigungsministerium bestätigte, dass es sich um eine Langstreckenrakete gehandelt habe und nicht nur um ein Geschoss mittlerer Reichweite. "Alle Nationen sollten Nordkorea öffentlich klarmachen, dass es Konsequenzen für sein Streben nach Atomwaffen gibt", sagte Tillerson.

    Die Führung in Pjöngjang hat seit Anfang 2016 zahlreiche Raketen in bislang nie dagewesener rascher Folge getestet. Auch zwei Atomtests fanden in diesem Zeitraum statt. Südkoreas Verteidigungsminister Han Min Koo schätzte die Wahrscheinlichkeit als hoch ein, dass Nordkorea bald zum sechsten Mal eine Atombombe testet: "Wir wissen, dass sie immer auf einen Atomtest vorbereitet sind, aber wir haben bislang keine ungewöhnlichen Anzeichen bemerkt."

    Verzicht auf Manöver gegen Atomprogramm

    Die USA seien bereit, sich und ihre Verbündeten gegen eine Bedrohung aus Nordkorea zu verteidigen, sagte eine Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums. US-Präsident Donald Trump macht seit Wochen Druck vor allem auf China, stärker auf seinen Verbündeten Kim einzuwirken. Beim G20-Gipfel am Freitag und Samstag in Hamburg kommt Trump mit Staatspräsident Xi Jinping sowie seinem russischem Kollegen Wladimir Putin zusammen.

    Russland und China riefen Nordkorea auf, das Raketenprogramm auszusetzen. Im Gegenzug sollten die USA und Südkorea auf große Manöver verzichten. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte, die gemeinsame Erklärung der Regierungen in Peking und Moskau zeige, dass die internationale Gemeinschaft Dialog und nicht Konfrontation wolle.

    Atomrakete "in zwei Jahren"

    Der Zeitpunkt, ab dem Nordkorea eine Langstreckenrakete mit einem Atom-Sprengkopf bestücken kann, ist umstritten. John Schilling vom Institut 38 North in Washington sagte, eine grundlegende Einsatzfähigkeit könnte in ein bis zwei Jahren erreicht sein. (Reuters 5.7.2017)

    WISSEN: Nordkoreas Interkontinentalrakete Hwasong-14

    Nordkorea hat erstmals eine Rakete des Typs Hwasong-14 getestet. Die zweistufige Rakete hat eine Reichweite von mehr als 5.500 Kilometern und gilt daher als Interkontinentalrakete. Sie kann einen Atomsprengkopf tragen. Südkorea hält es für wahrscheinlich, dass die Rakete Ziele in 7.000 bis 8.000 Kilometern Entfernung erreichen kann.

    Die Hwasong-14 kann eine Nutzlast von schätzungsweise 300 bis 700 Kilogramm tragen. Sie ist gut 17 Meter lang, wovon 10,5 Meter auf die erste Stufe entfallen, und hat einen Durchmesser von knapp zwei Metern. Auf Lastwagen ist die Rakete mobil und nicht an Bunker gebunden. Sie wird mit Flüssigtreibstoff angetrieben.

    Interkontinentalraketen erreichen kurz nach dem Start Geschwindigkeiten bis zu 30.000 Kilometer pro Stunde. Sie verlassen die Erdatmosphäre und fliegen eine ballistische Flugbahn bis zum Wiedereintritt in die Atmosphäre. Die letzte Flugphase bis zum Ziel kann gelenkt oder ungelenkt erfolgen. (APA)

    • Die USA und Südkorea führten am Dienstag als Reaktion auf den nordkoreanischen Test eine gemeinsame Raketenübung durch.
      foto: reuters

      Die USA und Südkorea führten am Dienstag als Reaktion auf den nordkoreanischen Test eine gemeinsame Raketenübung durch.

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