Katar im Konflikt am Golf unnachgiebig

4. Juli 2017, 18:36
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Gabriel ruft Blockadestaaten vor Fristende zu Dialog mit Emirat auf

Doha – Katar bleibt im diplomatischen Konflikt am Golf hart. Die Forderungen der anderen Staaten an das Emirat seien unrealistisch, sagte der katarische Außenminister Mohammed bin Abdulrahman al Thani am Dienstag in Doha nach einem Treffen mit seinem deutschen Kollegen Sigmar Gabriel.

orf

Scheich Mohammed forderte Saudi-Arabien und dessen Verbündete auf, die "Lügen" gegen Katar und die Diffamierung des Landes zu beenden. Sie benutzten den Vorwurf, Katar fördere den Terror, nur als Vorwand, um international Sympathie für ihre Maßnahmen zu bekommen.

"Gewaltige Anstrengungen"

Im Kampf gegen den Terror seien in Katar "gewaltige Anstrengungen" unternommen worden, mehr als in anderen Ländern, erklärte er weiter. "Es ist in unserem Interesse, Terrorismus zu bekämpfen und gegen die Finanzierung von Terror vorzugehen."

Die Blockade gegen sein Land wies Al-Thani als Verstoß gegen internationales Recht zurück. "Eine Lösung für die Krise kann es nur am Verhandlungstisch geben", sagte er.

Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten hatten vor einem Monat alle diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen und eine Blockade über das Land verhängt. In einem Forderungskatalog verlangen sie unter anderem, dass das Emirat seinen TV-Kanal Al-Jazeera schließt und die Beziehungen zum Iran zurückfährt. Ein Ultimatum an Katar läuft am Mittwoch aus.

Gabriel rief die Golf-Staaten zum Dialog mit dem Emirat auf. "Es wäre gut, wenn jetzt die Auffordung zum Dialog, die die internationale Gemeinschaft an alle Beteiligten gerichtet hat, erwidert würde", sagte er. Gabriel stellte Deutschlands Hilfe in Aussicht, falls diese gewünscht werde. "Wir selbst sind nicht Teil irgendeines Vermittlungsauftrages", betonte er. Wenn aber europäische Unterstützung in internationalen Finanzinstitutionen zur Überwachung der Geldströme an Extremisten benötigt werde, dann werde Deutschland ganz sicher helfen. (APA, 4.7.2017)

WISSEN – Die wichtigsten Forderungen an Katar:

- Reduzierung der Beziehungen zum schiitischen Iran, insbesondere Beendigung der militärischen oder geheimdienstlichen Zusammenarbeit und Schließung der diplomatischen Vertretungen Katars in Teheran

- Schließung des türkischen Militärstützpunktes in Katar und die Beendigung der militärischen Zusammenarbeit mit türkischen Soldaten in Katar

- Schließung des Nachrichtensenders Al-Jazeera

- Schließung aller direkt und indirekt von Katar geförderten Medien wie "Arabi21", "Rassd" und "Sharq"

- Verzicht auf Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten

- Kappung aller Verbindungen zur Muslimbruderschaft, zur libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah, zum Islamischen Staat sowie zu anderen terroristischen und "sektiererischen" Organisationen

- Einbürgerungsverbot für Bürger Saudi-Arabiens, Ägyptens, der Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrains, nach denen diese Länder fahnden

- Entzug der Staatsbürgerschaft für Doppelstaatler, deren Herkunftsland eine doppelte Staatsbürgerschaft verbietet (red)

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