Emotionale Mimik ist offenbar doch angeboren

9. Juli 2017, 14:47
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Zumindest in der spontanen Variante, wie eine aktuelle Metastudie ergab

Genf – Angst, Freude oder Wut lassen sich meist im Gesicht ablesen. Ob diese spontane Mimik anerzogen oder von Geburt an vorhanden ist, war bisher umstritten. Nun haben Wissenschafter der Uni Genf Hinweise gefunden, die stark darauf hindeuten, dass das emotionale Mienenspiel angeboren ist. Die Forscher schließen dies aus zahlreichen vorangegangenen Studien über die Gesichtsausdrücke blind geborener Menschen.

Das Forscherteam um Edouard Gentaz von der Universität Genf hat 21 Studien über die Mimik von Blinden aus den Jahren 1932 bis 2015 ausgewertet. In ihrer Übersichtsarbeit im Fachblatt "Psychonomic Bulletin & Review" halten sie fest: Es spricht vieles dafür, dass spontane Mimik tatsächlich angeboren und universell ist. Sie aktiviert nämlich die gleichen Gesichtsmuskeln bei Blinden und Sehenden.

Sehen spielt dennoch wichtige Rolle

Eine der untersuchten Studien verglich beispielsweise freudige und enttäuschte Gesichtsausdrücke von sehenden und nichtsehenden Athleten bei den Paralympischen Spielen 2004. Andererseits spielt das Lernen durch Beobachtung dennoch eine wichtige Rolle, wie andere Studienresultate zeigten: Wenn Blinde absichtlich eine bestimmte Emotion ausdrücken sollen, fällt das Resultat anders aus als erwartet.

"Die Tatsache, dass die gleichen Muskeln arbeiten, wenn Emotionen spontan ausgedrückt werden, könnte Beweis dafür sein, dass dies angeboren und universell ist und nicht nur von sozialem Lernen durch Nachahmung abhängt", sagte Gentaz. Andererseits zeigten die Resultate beim absichtlichen Aufsetzen eines bestimmten Gesichtsausdrucks, wie wichtig soziale Konventionen beim Erlernen der Ausdrucksstärke seien.

Sehende Kinder könnten beispielsweise vor dem Spiegel üben und ihre Mimik verfeinern. Eine Übungsmöglichkeit, die blinde Kinder in dieser Form nicht hätten – was das richtige Proportionieren der ausgedrückten Emotionen erschwert. Die Forschenden untersuchen daher auch Möglichkeiten, diesen Lernprozess auf Basis der anderen Sinne zu erleichtern, beispielsweise durch Ertasten. (APA, red, 9.7.2017)

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