Brač: Wie aus einem Ferienhaus ein kleines Luxushotel wurde

7. Juli 2017, 06:00
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Ein Fischerdörfchen auf Brač, mehrere alte Herrenhäuser und ein komplett zugewachsener Garten: wie aus einem Ferienhaus einer Wiener Hotelbesitzerin ein kleines Luxushotel wurde

Der Weg ins Hotel führt am besten über das Nachbarhaus. Verwaist liegt es da, die Fensterläden geschlossen. Ein paar Stufen führen hinauf zu der mit einem Vorhängeschloss gesicherten Eingangstür. Ein kahler, dunkler Flur, hierher hat schon lange niemand mehr einen Fuß gesetzt.

Kavanjinovi Dvori heißt das im Besitz der Gemeinde stehende Herrenhaus. Früher einmal war hier das lokale Tourismusbüro des Dörfchens Sutivan auf der kroatischen Insel Brac untergebracht. Heute gähnt in dem im Jahre 1705 erbauten Haus am Fischerhafen die Leere. Nichts erinnert mehr an den barocken Dichter Jerolim Kavanjin, der das Haus einst als Sommerresidenz errichten ließ.

Löwe auf der Fassade

Nur mit viel Fantasie kann man sich die ehemalige Pracht des aus weißen Steinquadern errichteten Hauses vorstellen. Den Salon im Erdgeschoss. Die Terrasse im venezianischen Stil. Und natürlich den riesigen Garten, der sich mittlerweile hinter dem Haus unter Teer und Beton versteckt. "Gärten wie diese gibt es nur in Sutivan", weiß Eti Ljubetic Steka, die einen an diesem heißen Morgen durch das kroatische Inseldörfchen führt.

Die Mittdreißigerin stammt von einer der anderen zwei Familien ab, die sich in dem Bračer Fischerdorf mit seinen gerade einmal 700 Einwohnern eine Residenz errichtet haben. Von den Definis. Das dazugehörige Gutshaus befindet sich einige Meter weiter, etwas nach hinten versetzt, am Hang. 1827 wurde es errichtet, als Hotel. An der Fassade ist ein Löwe zu sehen, als Verbeugung vor der hunderte Kilometer entfernten Lagunenstadt Venedig. Ein Hotel ist das prachtvolle Gebäude auch heute wieder – beziehungsweise ein Teil eines acht Gebäude umfassenden Luxushotels.

Die Frau hinter dem Hotel

"Das Schöne ist, dass sich in Sutivan nichts geändert hat", bemerkt Steka dazu trocken. Früher kamen die Gäste vor allem im Frühjahr und Herbst wegen des angenehmen Klimas, vor dem Haus legten die Fischerboote an, eine der Kirchen des Dorfes bimmelte immer. So viel anders ist es auch heute nicht. Oder um einen anderen Dichter zu zitieren, Giuseppe Tomasi di Lampedusa: "Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, dann ist nötig, dass alles sich ändert."

Die treibende Kraft dahinter heißt Helena Ramsbacher, Anfang fünfzig und mit viel Durchsetzungskraft gesegnet. In Wien betreibt sie das Boutiquehotel Das Tyrol, zuvor saß die Kärntnerin mehrere Jahre lang im österreichischen Nationalrat. Als Ramsbacher vor mittlerweile über 15 Jahren eine der anderen Residenzen kaufte, das Ilic Dvori direkt an der Hafenpromenade, war der dahinterliegende Garten ein Dschungel mit vier Palmen. Ein Ferienhaus für die Familie sollte das Herrenhaus werden, gut erreichbar von Wien aus. Gerade einmal ein halbes Stündchen braucht das Boot, um vom Flughafen von Split in das Dörfchen auf Brac überzusetzen.

Aufwendige Renovierung

Ein erweitertes Wohnzimmer ist Ilic Dvori immer noch. Mittlerweile gehen aber nicht mehr nur Freunde und Familie ein und aus, sondern ein paar Gäste mehr. Als ins Erdgeschoss des Nachbarhauses (Vesna) ein Supermarkt einziehen sollte, kaufte es Ramsbacher gleich dazu und beschloss aus dem Definis, dem Ilic und den dazugehörigen Gebäuden ein kleines Hotel mit 35 Zimmern zu machen. "Es ging nicht anders", sagt sie und erzählt von den aufwendigen, von lokalen Arbeitern durchgeführten Renovierungsarbeiten. "Nur sie wissen, wie man den Stein hier bearbeitet."

Statt eines Supermarkts befindet sich im Vesna heute ein Sternerestaurant, die Hafenpromenade wurde zur Fußgängerzone, aus dem Dschungel ist ein von Gemüsebeeten, Palmen und Zitronenbäumen gesäumter Prachtgarten samt Pool geworden. Drei Tonnen Zitrusfrüchte erntet Ramsbacher jedes Jahr, dazu kommen die Früchte vom nahe gelegenen Olivenhain. Ein Haus ist wieder zum Leben erwacht. Hoffentlich blüht das auch der Nachbarresidenz. (Stephan Hilpold, RONDO, 7.7.2017)

Info: DZ ab 252 Euro. www.lemongardenhotel.com

Die Reise erfolgte auf Einladung von Hotel Lemongarden.

  • Direkt an der Uferpromenade befindet sich das Hotel Lemongarden von Helena Ramsbacher.
    foto: www.christian-husar.com

    Direkt an der Uferpromenade befindet sich das Hotel Lemongarden von Helena Ramsbacher.

  • Segelboote und Yachten dürfen im Hafen des kleinen Sutivan nicht anlegen.
    foto: hotel lemongarden

    Segelboote und Yachten dürfen im Hafen des kleinen Sutivan nicht anlegen.

  • Artikelbild
    foto: stephan hilpold
  • Der bekannte Strand Zlatni rat
    foto: reuters/nikola solic

    Der bekannte Strand Zlatni rat

  • Der Garten des Hotels
    foto: hotel lemongarden

    Der Garten des Hotels

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