Nach Räumung am Fluss: Murcamp schlug Zelte auf Grazer Hauptplatz auf

4. Juli 2017, 13:48
136 Postings

Polizei forderte Kraftwerksgegner auf, Platz zu räumen. Aktivisten wollen Rechtmäßigkeit früherer Räumung prüfen lassen

Graz – "Wer einen großen Kanal baut, braucht sich nicht wundern, darin unterzugehen": So lautete einer der Sprüche in selbstgebackenen Glückskeksen, die Gegner des in Graz geplanten und heftig umstrittenen Murkraftwerks am Dienstagvormittag auf dem Hauptplatz verteilten.

Nur einen Tag nach der Räumung ihres Camps am Fluss kehrten die Murcamp-Aktivisten am Dienstag wieder zurück und errichteten eine kleine Zeltstadt im Herzen der Stadt: vor dem Rathaus auf dem Hauptplatz. Mit im Gepäck hatten sie Transparente und Infobroschüren, in denen sie ihre Kritik am Kraftwerk und dem dazugehörenden Speicherkanal, der rund 60 Millionen kosten soll, darlegen.

Kaffee und Kuchen in der Bannmeile

Kurz vor elf Uhr, nach weniger als zwei Stunden, trafen Polizeibeamte ein und forderten die Aktivisten auf, ihre Zelte samt Kaffee, Kuchen und Keksen wieder zusammenzupacken – bis zehn nach elf hatten sie dafür Zeit. Die Versammlung sei nicht nur verboten, weil nicht angemeldet, sie sei auch innerhalb der 300 Meter Bannmeile zum Landtag, wo gerade eine Landtagssitzung stattfand, erklärte der Einsatzleiter den Protestierenden. Letztere definierten ihre Aktion "Flashmob".

Die Plattform Rettet die Mur kündigte später via Aussendung an, die Räumung ihres Camps am Flussufer "juristisch prüfen" zu lassen und resümierte: "Der Widerstand lebt." Aufgeben wolle man nicht, schließlich stehe Graz mit weiteren Rodungen am Fluss "ein heißer Herbst bevor".

Der Einsatzleiter der Polizei sagte dem STANDARD, dass man "einstweilen von Anzeigen absehen" werde. (Colette M. Schmidt, 4.7.2017)

  • Weniger als zwei Stunden konnten die Aktivisten ihr Camp auf dem Hauptplatz aufrechterhalten.
    foto: elmar gubisch

    Weniger als zwei Stunden konnten die Aktivisten ihr Camp auf dem Hauptplatz aufrechterhalten.

  • Nach dem Ultimatum der Polizei beschloss man zusammenzupacken.
    foto: elmar gubisch

    Nach dem Ultimatum der Polizei beschloss man zusammenzupacken.

    Share if you care.