Forscher entdecken in Ferkeln bisher unbekanntes Pestivirus

4. Juli 2017, 11:23
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Erreger greift Zentralnervensystem der Schweine an und führt zu unkontrollierbarem Zittern. Für den Menschen ist das Virus aber ungefährlich

Wien – Wissenschafter der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni) haben in neugeborenen Ferkeln ein bisher unbekanntes Pestivirus entdeckt. Der Erreger greift Hirn und Rückenmark der Tiere an und führt zum sogenannten "Ferkelzittern", bei dem die Tiere zu stark zittern, um Nahrung zu sich zu nehmen. Für Menschen ist das Virus ungefährlich, gab die Vetmeduni bekannt.

Erst Anfang des Jahres hatten die Wissenschafter der Vetmeduni sogenannte "atypische porzine Pestiviren" (APPV) als Ursache für das "Ferkelzittern" nachgewiesen. Diese Erreger waren auch die erste Vermutung, als es in einem österreichischen Zuchtbetrieb zu einem Ausbruch der Erkrankung kam. Doch weder APPV noch ein anderer bekannter Krankheitserreger konnte bei den Tieren nachgewiesen werden.

Verwandter der Schweinepest

Mithilfe eines neuartigen diagnostischen Tests konnten die Wissenschafter nun ein bisher unbekanntes Pestivirus aus der übergeordneten Familie der Flaviviridae als Ursache identifizieren. Das "LINDA-Virus" (Lateral shaking Inducing NeuroDegenerative Agent) ist entfernt mit dem Erreger der klassischen Schweinepest verwandt.

"Pestiviren haben die besondere Eigenschaft, Feten von Schwein, Schaf und Rind zu infizieren, wobei auch das zentrale Nervensystem betroffen ist. Pestivirusinfektionen sind aber nur bei Klauentieren verbreitet und stellen keine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar", erklärte Benjamin Lamp vom Institut für Virologie der Vetmeduni.

Verbreitung unklar

Der Erreger verbleibt in einmal infizierten Schweinen und wird über Speichel, Ausscheidungen oder sexuellen Kontakt auf andere Schweine übertragen. Wie weit das Virus in der Schweinepopulation verbreitet ist, ist bisher nicht bekannt. Die Wissenschafter, die über den neuen Erreger im Fachjournal "Emerging infectious diseases" berichten, arbeiten gerade an einem neuen serologischen Test, um mehr über die Häufigkeit an Krankheitsfällen durch das neue Virus in Österreich zu erfahren. (APA, red, 4.7.2017)

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