Schlechtes Gewissen: Ständiger Begleiter von Eltern

User-Diskussion5. Juli 2017, 09:00
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Kind, Arbeit und Haushalt unter einen Hut zu bringen ist nicht immer leicht. Wie meistern Sie Ihr unvollkommenes Leben?

Ein Tag hat nur 24 Stunden – auch für Eltern und auch wenn die Wohnung ausschaut, als hätte eine Schlacht zwischen Matchboxautos, Marmeladebrot und Schmutzwäschehaufen stattgefunden. Und schon ist es da – das schlechte Gewissen, weil man es nicht schafft, die Wohnung aufgeräumt zu halten.

Nächster Tag, neues Glück: Vielleicht schafft man es morgen, alles unter einen Hut zu bringen. Arbeit, Meetings, Abgabetermine, Kind abholen, mit dem Kind spielen, einkaufen, kochen, putzen, ach ja: Und da war auch noch die Beziehung, die gepflegt werden sollte, von Freundschaften ganz zu schweigen. Und auch an diesem Tag kommt man drauf, dass wohl wieder etwas liegenbleiben wird. Ein Blick in soziale Medien und diverse Mama- und Familienblogs, die immer alles schaffen, spülen dann noch dieses Meme in die Timeline, und – schwupp – meldet sich das schlechte Gewissen wieder:

Schlechtes Gewissen als Routine

Auf den ersten Blick mag der Spruch ja gut klingen, mahnend, dass man sich seiner Verantwortung bewusst sein soll. Auf den zweiten Blick aber bleiben ganz viele Fragezeichen. Sollen Arbeit und Haushalt eingestellt werden, damit das Kind nicht mit diesen lästigen Dingen des Lebens konfrontiert wird? Soll jeder Tag ein Abenteuer bieten mit Abwechslung und durchorganisierter Bespaßung? Reicht der – nicht ohnehin bei vielen Eltern – ständige Begleiter schlechtes Gewissen? Muss hier noch ein Schäufelchen nachgelegt werden? Offenbar – denn die Mütter- und Elternkampfzone ist noch zu harmonisch. Das ist der Eindruck von User "Märzkalb" bei Mama-Blogs:

Prioritäten, Kreativität und Langeweile

Das Gefühl, keinem und nichts gerecht zu werden, schleicht sich bei vielen Mamas und Papas ein. Prioritäten müssen gesetzt werden – und diese soll jede Familie für sich bestimmen! Vielleicht hat der Nachwuchs ja sogar Spaß, beim täglichen Kochen zu helfen, beim Einkaufen den Einkaufswagen zu schieben oder einfach mal selbst für sich zu spielen und in die eigene Fantasiewelt einzutauchen ohne Zutun von außen. Denn immerhin: Langeweile ist der Weg zur Kreativität, schreibt Jesper Juul in der STANDARD-Kolumne.

Wie gehen Sie mit dem schlechten Gewissen um?

Oder kennen Sie das gar nicht? Wie schaffen Sie es, dem gesellschaftliche Druck, alles schaffen zu müssen, standzuhalten? Was bereitet Ihnen schlechtes Gewissen? Und wie viel tragen Mama- und Familienblogs dazu bei? (Judith Handlbauer, 5.7.2017)

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