Koka-Offensive: Bolivianischer Präsident will Anbau verdoppeln

4. Juli 2017, 06:09
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Auch Tee und Schokolade sollen nach Willen des Staatschefs zu Exportschlagern werden

La Paz – Der bolivianische Präsident Evo Morales will die legale Koka-Anbaufläche in seinem Land fast verdoppeln – bestreitet aber eine dadurch drohende höhere Kokainproduktion. "In der Zeit der Militärdiktaturen haben wir mehr als 50.000 Hektar Koka-Anbaufläche in Bolivien gehabt", sagte Morales der Deutschen Presse-Agentur. Die Blätter seien für den legalen Konsum gedacht.

Das Kauen dämpft Ermüdungserscheinungen und wird seit Jahrhunderten gerade von den indigenen Völkern praktiziert. Zudem will Morales nach eigenen Worten Kokatee und Kokaschokolade zum Exportschlager machen.

Lange Geschichte

Anfang der 1980er Jahre war das bolivianische Militärregime von Luis Garcia Meza tief in den Kokainhandel verstrickt. Kolumbiens Drogenbaron Pablo Escobar soll mit Lieferungen aus Bolivien den Aufbau seines Kartells begonnen haben. Laut UNO-Drogenbericht stieg zuletzt in Südamerika die Koka-Anbaufläche um 30 Prozent – vor allem in Kolumbien. Damit kann eine steigende Kokainproduktion drohen.

Künftig wird in Bolivien die Anbaufläche, die laut Regierung nur die Nachfrage für den traditionellen Blattkonsum bedienen soll, von 12.000 auf fast 22.000 Hektar ausgeweitet, davon sollen 14.300 Hektar auf das traditionelle Anbaugebiet in den Yungas und 7.300 Hektar auf das Chapare entfallen. Der Sozialist Morales war früher selbst als Koka-Bauer im tropischen Chapare tätig – wegen des hier höheren Alkaloid-Anteils der Blätter geht aber nach UNO-Schätzungen mehr als 90 Prozent der Produktion in die Herstellung der aufputschenden Droge Kokain, das unter Beimischung diverser Chemikalien entsteht.

Verdoppelte Produktion

Experten halten für den traditionellen Blattkonsum eine Anbaufläche von maximal 14.000 Hektar für vollkommen ausreichend. Nach US-Schätzungen hat sich die Kokainproduktion in Bolivien in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. "Die beste Koka ist die aus den Yungas, aber die armen Menschen kaufen mehr Koka aus dem Chapare, weil sie billiger ist", sagte Morales. Es gehe ausschließlich um die legale Verwendung, Koka sei nicht gleich Kokain, so der Präsident. (APA, 4.7.2017)

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    foto: apa/jorge bernal
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