Land der dunklen Wälder und kristall'nen Seen

7. Juli 2017, 11:42
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Karpaten und Draculas Heimat, das stand 2016 auf dem Programm von Skodas Eurotrek. Heuer wurde daraus eine "Kodiaq Tour " durch Masuren, den südlichen Teil vom einstigen Ostpreußen. Über Stock und Stein von der Wolfsschanze bis zur Marienburg.

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit."

Immanuel Kant, Königsberg/Pr.

Masuren – Eine Reise führt durch den Raum, stets aber auch durch die Zeit, die ihn vielschichtig durchdringt. Habent sua fata – das gilt nicht nur für Bücher, auch Lande haben ihre eigenen Schicksale. Masuren etwa, dies "Land der dunklen Wälder und kristall'nen Seen", wie es treffend im Ostpreußenlied heißt, in dessen einst südlichem Teil diese Region sich befindet, verdankt seine atemberaubende Schönheit auch vergangenen Epochen – etwa den Eiszeiten und deren Endmoränen, die harten Eispanzer haben das Land so unvergleichlich sanft geformt.

foto: andreas stockinger
Für den Skoda-SUV blühen spontan die Rosen.

Noch älter, zwei, drei Dutzend Millionen Jahre, vom Harz weinender Wälder stammend, die keines Menschen Fuß durchstreift hat, ist das an der Ostsee geförderte Gold des Nordens, Bernstein, seit Urzeiten begehrtes Handelsgut bis runter nach Ägyptenland.

foto: andreas stockinger
n Masuren zeigt sich Nikolaiken seeseitig als Idyll.

In dieser heute so unendlich weit weg scheinenden Ecke Europas (viele Menschen aus unseren Breiten kennen ja die USA oder Türkei besser als diesen Winkel) hat einer der bedeutendsten Denker aller Zeiten gelebt und gewirkt, der Königsberger Immanuel Kant, und mit Königsberg sind wir aus reiner Vernunft bei Böhmen, Skodas Heimat – die 1283 gegründete Stadt am Pregel wurde zu Ehren Ottokars II. Königsberg genannt.

foto: andreas stockinger
Staubige Pisten und Schotterstraßen sind der Normalfall bei der Kodiaq Tour.

So sind wir denn nach mehrstündiger Anreise, 270 Kilometer, etliche davon über staubige Schotter- und Waldstraßen, von Warschau her und über die Johannisburger Heide kommend im Hauptquartier der Kodiaq Tour, in Mikolajki, gelandet, besser: gestrandet. Im einstigen Nikolaiken also, man nannte es "Venedig Ostpreußens". Zeit, gleich einmal unten am Strand des Spirdingsees zu lustwandeln. In einer Natur, in Farben schwelgend so satt, als stammten sie direkt von der Palette Lovis Corinths. Auch der ein "Hiesiger", aus Tapiau nahe Königsberg.

Fisch mit Krone

"Venedig"? Na ja, architektonisch gibt's das nicht ansatzweise her. Gut, war ja auch einst nur ein Fischerdorf, ein Zentrum des Maränenfangs, heute ein touristisches, die schöne Bausubstanz fiel dem Krieg zum Opfer; der See indes: ein Traum. Entzückend auch die Legende vom Stinthengst, dem König der Stinte (lokale Fischart). Abends am Lagerfeuer Lesung von Peter Ostendorf aus seinem Schelmenroman Der letzte masurische Bär, weil Kodiaq, Bär und so, nur zur Erinnerung.

foto: andreas stockinger
Im sanften Masuren-Hügelland leben glückliche Kühe.

Wahl der Waffen bei der Tour? Der Kodiaq mit 190-PS-Diesel und Allrad (siehe Test Seite 14), kernkompetent für das erwähnte Streckenprofil, das in Masuren noch durch teils erstaunlich gut intaktes Kopfsteinpflaster aus Kaisers Zeiten ergänzt wird. Als Fahrtmodus empfiehlt sich der komfortable. Da wird man zwar auch geschüttelt und gerührt, aber in erträglichem Maße. Was weiters bei all den staubigen Straßen auffällt, sind die exzellenten Filter – nichts davon dringt in den Innenraum. Die werden beim Säubern dann wohl zementsackweise Staub aus den Filtern klopfen. Verbrauch? Auf der Tour ergab sich ein Durchschnittswert von 6,9 l / 100 km.

foto: andreas stockinger
Ein richtiger Kodiaq hat auch mit Wald keine Berührungsängste,.

Und wenn wir schon beim Kodiaq sind: Der Wagen ist extrem gefragt, wer jetzt bestellt, kommt im April 2018 zu seinem Auto. Am bärigsten verkauft sich der 150-PS-Diesel, zum Siebensitzer greifen erstaunliche 26 Prozent – erheblich mehr als erwartet -, und 76 Prozent wählen einen Allradler.

Tags darauf führt die Tour grob gesagt nach Norden, gen Rastenburg (heute Ketrzyn), zum programmatischen Mittelpunkt der zweiten 24 Stunden. Wolfsschanze. Hm. Hatten die Tour-Organisatoren an ein Analogon zum Blutsäufer aus den Karpaten und seine Törzburg gedacht, die 2016 bereist ward? Oder etwa an verabreichte Elixiere des Teufels des Königsbergers E. T. A. Hoffmann?

Jedenfalls, die Anreise erfolgt über ein idyllisches Hügelland mit grasendem Fleckvieh auf saftigen Weiden, dann in dichten Staubwolken über immer holprigere Wege hinein in tiefsten Tann, und bevor die ersten Ruinen auftauchen, werben schon Wegweiser für einen Besuch dieses denkwürdigen Ortes, der heute ein touristischer Publikumsmagnet ist, wie später Führer Jerzy berichtet: Über 300.000 Besucher seien im Vorjahr hierher gekommen, über die Hälfte davon aus Polen, 35 Prozent aus den deutschsprachigen Ländern, der Rest aus aller Welt.

foto: andreas stockinger
Das war Hitlers Bunker in der Wolfsschanze bei Rastenburg.

Hitler hauste hier 837 Tage lang, Juni '41 bis November '44. Kaum fertiggestellt, rückte die Front so nah, dass die Wehrmacht alle Baulichkeiten des Führerhauptquartiers sprengte – vieles wurde dabei zerstört, so auch die Baracke des Stauffenberg-Attentats. Manche Bunker-Pyramiden aber, scheinbar buchstäblich für 1000 Jahre gebaut, trotzten der Gewalt.

Storch quert

Der Besuch eines solchen Ortes legt sich aufs Gemüt, es ruht das Gespräch an Bord, sinnend fährt man fort im Konvoi. Ein Gewitter zieht auf, dräut mit Gesaus und Gebraus, bleibt noch gnädig, regnet ab, der Mensch hat wieder Ruh', die Natur dazu. Adebar, ein Meister aus Masuren, kreuzt unsere Bahn, Kollege Gerhard K. grübelt, was der wohl bringen mag und wem ... Fehlt nur noch ein Elch, des Weges trottend.

foto: andreas stockinger
Kurzer Konvoi-Zwischenstopp

Die kopernikanische Wende in der Philosophie führte Kant herbei, die in der Himmelskunde Kopernikus selbst, indem er bewies, dass, wie die Räder des Kodiaq um die Achsen, so die Erde sich um die Sonne dreht. Draußen in Frauenburg, am Frischen Haff, hatte er diese Revolution (De revolutionibus orbium coelestium) fixiert, später verlegte er seinen Wohnsitz nach Allenstein (Olsztyn).

foto: andreas stockinger
Der Oberlandkanal

Ein paar Kilometer südlich liegen lassen wir diese Stadt nächsten Tages auf dem Weg nach Westen, Richtung Danzig. Auch nach Mohrungen (Morag) schicken wir einen Gruß, Johann Gottfried Herders Geburtsstadt – was für eine Dichte an Genies in diesem Land -, und stehen dann am Oberlandkanal. Gerade eben wird ein Ausflugsboot mit deutschen Gästen die schiefe Ebene hochgehievt; geniale Konstruktion aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit "Rollbergen", auf denen die Schiffe zur Bewältigung des Höhenunterschieds auf Schienenwagen transportiert werden. Einfach, effektiv und ein Trara beim Zusehen.

foto: andreas stockinger
Hier beim Transport eines Schiffes.

Unmerklich wechselt das Land den Charakter, Seen und sanfte Hügel weichen flacher Tiefebene. Dann stehen wir am Nogat. In (und vor der) Marienburg, dieser gewaltigen Backsteinfeste der Deutschordensritter, bis 1454 Sitz der Hochmeister im Deutschordensland. 1945 schwer zerstört, wurde 2016 mit der Marienkirche der letzte Teil restauriert der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

foto: andreas stockinger
Marienburg

Ehrerbietig stehen die Kodiaqs vor der Burg, und wir resümieren, nachdem wir halbwegs aufgeklärt sind über Kodiaq und Masuren, Räume und Zeiten: rundum gelungener geräumiger SUV. Noch beeindruckender aber ist dieses Land. Unbedingt eine Visite wert. Und jetzt ab nach Hause – 's ist Mittsommernacht! (Andreas Stockinger, 7.7.2017)

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Škoda

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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