Strabag: Revolution abgesagt

3. Juli 2017, 16:57
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Deripaska, Uniqa bleiben Aktionäre und im Syndikat

Wien – Die Kernaktionäre der Baugesellschaft Strabag SE haben sich doch zusammengerauft und ihren Syndikatsvertrag nicht aufgelöst. Familie Haselsteiner, Raiffeisen- und Uniqa-Gruppe sowie die Rasperia Gruppe des russischen Oligarchen Oleg Deripaska gaben am Montag bekannt, dass ihr Syndikatsvertrag weitere fünf Jahre gelte; er wurde also nicht am 30. Juni zum Jahresende gekündigt.

Versicherer Uniqa hatte in seiner jüngsten Hauptversammlung einen Ausstieg als Möglichkeit ins Auge gefasst und auch Deripaska soll heftig daran gearbeitet haben, Käufer für sein Paket zu finden. Er war bei einem Kurs von 44 Euro eingestiegen und hat sein Engagement im Baubereich in Russland beendet. Er soll chinesische Investoren an der Hand gehabt haben, sei aber an seinen Preisvorstellungen gescheitert. Zudem sagen ihm Strabag-Insider nach, er habe zwar "lang hin und her taktiert", trenne sich aber grundsätzlich nicht gern von seinen Besitztümern.

Bei der Uniqa soll sich die Stimmung bereits vor zwei, drei Monaten gedreht haben. Nicht nur, dass der erzielbare Preis bescheiden gewesen wäre, sei es derzeit schwierig, Veranlagungsmöglichkeiten zu finden, heißt es. Für den Raiffeisen-Anteil hatte laut Standard-Informationen die saudi-arabische Asyad-Holding Interesse gezeigt.

Ganz oder gar nicht

Auf dem Markt gibt es Gerüchte, wonach auch Private-Equity-Fonds angesprochen worden seien; sie sollen aber nur an einer Übernahme gemäß dem Motto "ganz oder gar nicht" Interesse gezeigt haben. Hans Peter Haselsteiner von der gleichnamigen Miteigentümerfamilie will aber weder aus der Strabag, noch aus dem Syndikatsvertrag aussteigen.

Er freut sich denn auch, dass das Syndikat nun für weitere fünf Jahre gilt. "Die Haselsteiner Familien-Privatstiftung sieht keine Notwendigkeit zu Veränderungen, wir haben da keine Wünsche", sagte er zum STANDARD.

Dass seine Syndikatspartner gefürchtet hätten, bei einer Beendigung des Syndikatsvertrags ein Übernahmeangebot auszulösen, bestreitet Haselsteiner.

Und er erklärt den jetzt geltenden Syndikatsvertrag so: Ausscheiden sei dem einzelnen Mitglied "verboten". Wer das Syndikat trotzdem verlässt, müsse ein Übernahmeangebot legen und seinen Expartnern Schadenersatz zahlen. "Und das", so der frühere Strabag-Chef, "würde sich jeder zehnmal überlegen." (Renate Graber, 3.7.2017)

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