Sozial benachteiligte Kinder nutzen Medien intensiver

    3. Juli 2017, 15:18
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    Universität Salzburg begleitet 20 Kinder über zwölf Jahre – Alltagsbewältigung und Frustabbau – Mehr Beratung und Förderung gefordert

    Wien – Kinder aus sozial schwachen Familien nutzen Medien häufiger und intensiver als jene aus bessergestellten Familien. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Uni Salzburg, die 20 Kinder für 12 Jahre beobachtet hat. Studienautorin Ingrid Paus-Hasebrink sieht nicht die Medien als Problem, sondern will ein Netzwerk aus Hilfs- und Fördereinrichtungen für Familien, hieß es am Montag in einer Aussendung.

    Paus-Hasebrink begleitete von 2005 bis 2017 Buben und Mädchen aus sozial schwachen Familien, die teilweise in betreuten Wohneinrichtungen lebten. Wichtig war der Studienautorin außerdem, neben der Erfassung der Mediennutzung auch Familienforschung zu betreiben. Dabei fiel ihr auf, dass bei sozial benachteiligten Familien oft Überforderung und Resignation vorherrschten, während Bessergestellte eher "kindorientiert" handelten.

    Flucht vor dem Alltag

    Betroffene Kinder versuchten dann, mit Medien ihren Alltag zu bewältigen und Frust abzubauen. "Manche vernichten in einem Gewaltcomputerspiel einen Feind und fühlen sich so wenigstens virtuell als Sieger, andere wählen Siegertypen zu ihren Helden und Vorbildern", so Paus-Hasenbrink. "Wieder andere orientieren sich an YouTube-Stars und erträumen sich eine ähnliche Zukunft." Die Lösung liege nicht im Wegsperren von Computer und Fernseher: Die Studienautorin fordert mehr sozialpädagogische Einrichtungen und Förderungen für Familien. Die Einführung des kostenlosen Kindergartenjahrs sieht sie als Schritt in die richtige Richtung.

    Gelingt es Familien, ihre wirtschaftliche Situation verbessern und ihre persönlichen Beziehungen stabilisieren, können sie laut Paus-Hasebrink auch zu "Aufsteigerfamilien" werden. So geschah es bei einem in der Studie begleiteten Kind, dessen Mutter einen neuen Partner fand – der die exzessive Mediennutzung durch gemeinsamen Sport ausglich. (APA, 3.7.2017)

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