Industrie 4.0 zum Anfassen: Pilotfabrik an TU Graz

3. Juli 2017, 14:12
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Infrastrukturministerium, Industrie und TU Graz investieren 6,4 Mio. Euro in Errichtung, Ausstattung und Betrieb bis 2020

Am Gelände der TU Graz wird eine Pilotfabrik für die Industrie 4.0 eingerichtet. Dort können Unternehmen und Universitäten neue Produktionstechniken rund um die digitalisierte Industrie erproben und erforschen. Infrastrukturministerium, Industrie und TU Graz investieren rund 6,4 Mio. Euro. Der Fokus liegt auf Fertigungsmethoden, mit denen kleine Stückzahlen rentabel produziert werden können.

Smartfactory

Am Montag ist der Startschuss für die neue"smartfactory@tugraz" gefallen, die aktuell am Campus Inffeldgasse der TU Graz am Institut für Fertigungstechnik unter der Federführung von Rudolf Pichler und Franz Haas entsteht. In dieser Infrastruktureinrichtung werden auf rund 300 Quadratmetern modernste Fertigungstechnologien zur Verfügung stehen. Dazu gehören u.a. additive und lasergestützte Fertigung, Collaborative Robotik, Hybridtechnologien und die Vernetzung mit modernen Kommunikationstechnologien sowie Big Data Analytics für die Erprobung und Erforschung industrieller Produktionsanwendungen. Die Idee dahinter: Firmen sollen unter Laborrahmenbedingungen die Forschung an bzw. Herstellung von Innovationen im Bereich Industrie 4.0 testen können, bevor diese in die reguläre Produktionskette eingeflochten werden.

Das Infrastrukturministerium investiert zwei Mio. Euro in den Standort. Etwa die gleiche Summe kommt von Partnern aus der Wirtschaft. Die TU hat die Errichtungskosten für das Gebäude übernommen, wie Rektor Harald Kainz am Montag bei der Vorstellung des Projektes berichtete.

Die Sachgüterproduktion unterliegt einem tief greifenden Wandel: Neue Produkte müssen in immer kürzerer Zeit auf den Markt gebracht werden, zugleich sollen immer mehr Produkte ganz speziell nach Kundenwunsch gefertigt werden, schilderte Rudolf Pichler vom Institut für Fertigungstechnik der TU Graz und Projektleiter der im Aufbau befindlichen "smartfactor@tugraz" die Herausforderung. Die verstärkte Digitalisierung und Vernetzung der Produktionssysteme sei die Antwort, um eine noch effizientere und flexiblere Produktion zu ermöglichen.

Schwerpunkt neue Fertigungsmethoden

Die Vision: Wenn Menschen, intelligente Maschinen, Logistiksysteme und Betriebsmittel untereinander eigenständig Informationen austauschen, Aktionen auslösen und sich gegenseitig steuern können, können sich Prozesse in der Produktion grundlegend verbessern lassen und selbst Kleinserien hergestellt werden, die für die Unternehmen rentabel und für den Kunden leistbar sind. Ganz bewusst sei daher für den Grazer Standort der Schwerpunkt auf neue Fertigungsmethoden, mit denen kundenindividuelle Produkte rentabel hergestellt werden können, gelegt.

Aus Sicht von Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) biete die Industrie 4.0 die Chance, Arbeitsplätze, die abgewandert sind, wieder nach Österreich zu bekommen. "Hier haben wir bald eine Pilotfabrik, in der unsere heimischen Unternehmen die neuen Technologien testen können und sehen, wie die Industrie 4.0 funktioniert", betonte Leichtfried.

"Wir wollen gemeinsam mit jungen Menschen intelligente Produktionsformen der Zukunft erforschen und Forschungsfelder für die Industrie eröffnen", hob Kurt Hofstätter, Leiter der Division Digital Factory bei Siemens Österreich hervor. Das Unternehmen steuert den Großteil der IT-Infrastruktur von der Software für production Design, für Simulation, Cloudlösungen bis hin zu den Netzwerken und Vernetzungen mit anderen Pilotfabriken bei.

Insgesamt fördert das Infrastrukturministerium Forschung und Entwicklung im Bereich der Industrie 4.0 mit jährlich 185 Mio. Euro, schilderte Leichtfried am Montag im Pressegespräch. Mit dem neuen Grazer Testlabor entsteht – neben jener in Wien-Aspern – die zweite österreichische Pilotfabrik. Eine weitere ist in Linz geplant. Daneben werden u.a. Stiftungsprofessuren, Weiterbildung in Betrieben und Studien zu den Auswirkungen von Industrie 4.0 auf Ausbildung und Arbeitsmarkt in Österreich finanziert. (APA, 3.7.2017)

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