Faule Autokredite: USA droht nächste Subprime-Blase

3. Juli 2017, 12:35
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Der US-Autokonjunktur geht zunehmend die Luft aus, die Branche lockt mit Rabatten und Krediten

New York – Fahrlässige Kreditvergabe und Wachstum auf Pump brachten bereits den US-Häusermarkt zum Einsturz – mit verheerenden Folgen für die Weltwirtschaft. Droht bei der Autofinanzierung ein Déjà-vu?

"Autokredite für jeden – schnell und unkompliziert": So oder ähnlich verkünden es zahlreiche Werbeanzeigen in den USA. Nicht zuletzt dank laxer Darlehensvergabe, auch an bonitätsschwache Kunden, wurden beim US-Autoverkauf in den vergangenen Jahren neue Rekordmarken aufgestellt. Doch nun neigt sich der Boom dem Ende zu – und nach der auf Pump finanzierten Absatzparty könnte der Kater folgen. Angesichts steigender Ausfallraten bei Autokrediten warnen Experten vor dem erneuten Platzen einer dicken Finanzblase.

Erhöhte Unfallgefahr

"Die Situation der Automobilkredite in den Vereinigten Staaten ist bedenklich und erinnert auf vielfache Weise an die Subprime-Immobilienkrise", sagte die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel jüngst der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Finanzökonomin, die sich bestens mit Bankenpleiten auskennt, sieht erhöhte Unfallgefahr. Führen Zahlungsausfälle und sinkende Gebrauchtwagenpreise zu einer Massenkarambolage am Kreditmarkt?

Die Lage scheint durchaus prekär: Laut Daten der US-Notenbank Fed lag das Gesamtvolumen der US-Autokredite Ende des ersten Quartals bei schwindelerregenden 1,17 Billionen Dollar (rund eine Billion Euro). Das entspricht einem Anstieg um fast 70 Prozent seit 2010 und einem Anteil von fast zehn Prozent an den gesamten Schulden der US-Haushalte. Als ernsthaft ausfallbedroht stuft die Fed derzeit zwar nur gut zwei Prozent der Autokredite ein, was aber trotzdem ein Milliardenrisiko darstellt.

Sorgen bereitet vor allem der Subprime genannte Bereich des Marktes, der die Kreditvergabe an Kunden mit schlechter Bonität umfasst. Der Ratingagentur Standard & Poor's zufolge stiegen die Ausfallquoten hier im April verglichen mit dem Vorjahreswert von 5,33 auf 6,14 Prozent, auch wenn es im Monatsvergleich einen leichten Rückgang gab. Der Anteil neu vergebener Darlehen, die an Schuldner mit schwacher Kreditwürdigkeit gingen, lag zuletzt bei über 20 Milliarden Dollar.

Erschlichene Darlehen

Als besonders heikel gilt eine Nische, in der sich Betrüger mit Falschangaben Darlehen erschleichen. Solche Tricks waren bereits beim Kollaps des US-Häusermarktes ein großes Problem, der die Weltwirtschaft 2008 in eine tiefe Krise stürzte. Der Analysefirma Point Predictive zufolge macht der Anteil erschwindelter Darlehen an den Kreditanträgen zur Autofinanzierung inzwischen über ein Prozent aus. Die Verluste dadurch dürften sich in diesem Jahr auf sechs Milliarden Dollar erhöhen, was eine Verdopplung gegenüber dem Jahr 2015 wäre.

Allerdings gibt es etwas Hoffnung, dass die Wall Street doch etwas aus der Subprime-Krise am Hypothekenmarkt gelernt hat. So sind die großen Geschäftsbanken, die einen wesentlichen Teil des US-Markts für Autokredite unter Beschlag haben, bereits auf die Bremse gestiegen. Nach Angaben der für die Einlagensicherung zuständigen Behörde FDIC reduzierten sie ihr Engagement im Auftaktquartal um 1,6 auf 440 Milliarden Dollar – der erste spürbare Rückgang seit sechs Jahren.

Viele Ökonomen halten die Gefahren zudem für geringer als beim Crash des US-Häusermarkts. Denn die Autokredite sind trotz des starken Wachstums der vergangenen Jahre noch meilenweit von dem Volumen entfernt, dass der Immobilienmarkt damals hatte. Mit 8,63 Billionen Dollar waren die ausstehenden Hypothekenschulden in den USA Ende des ersten Quartals deutlich niedriger als vor zehn Jahren, aber immer noch mehr als siebenmal so hoch wie bei den Autofinanzierungen.

Rabatte und Angebote auf Pump

Dennoch sind die Risiken nicht von der Hand zu weisen. Zumal der florierenden US-Autokonjunktur zunehmend die Luft ausgeht, weshalb die Branche mit Rabatten und Angeboten auf Pump versucht, den Absatz zu stützen. "Die Kreditqualität bei US-Autofinanzierungen dürfte sich 2017 weiter verschlechtern", meint die Ratingagentur Fitch. Für die US-Wirtschaft ist das nicht das einzige Schuldenproblem – mit 12,7 Billionen Dollar stehen die Haushalte mittlerweile wieder tiefer in der Kreide als vor der Krise 2008. Bedrohlich hohe Schuldenberge türmen sich auch bei Studentendarlehen und Kreditkarten auf. (APA, 3.7.2017)

  • Billiger, billiger, billiger,  wer könnte da widerstehen. Viele Amerikaner können es nicht und kaufen ein neues Auto, auch wenn sie es sich gar nicht leisten können.
    foto: ap/david zalubowski

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