Cholesterin senken: Muskelschmerzen durch Statine

3. Juli 2017, 11:09
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Die unabhängige Arzneimittelinformationsplattform "Gute Pillen – schlechte Pillen" klärt über die Nebenwirkung von blutfettsenkenden Medikamenten auf

Wer ein Statin-Medikament zur Cholesterinsenkung einnehmen muss, klagt manchmal über Muskelbeschwerden. Meist lästig, aber harmlos, können sie selten auch Anzeichen einer lebensgefährlichen Nebenwirkung sein. Das kann nur durch eine Laboruntersuchung ausgeschlossen werden, weshalb man mit dem Arztbesuch nicht warten darf. Gute Pillen – Schlechte Pillen klärt über diese Nebenwirkung von Statinen auf und berichtet, wie man damit umgehen sollte.

Menschen mit einer Arterienverkalkung oder solche, die bereits einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erlitten haben, bekommen Statine verordnet, zum Beispiel Simvastatin oder Pravastatin. Damit wird die Gefahr erneuter Herz-Kreislauf-Ereignisse deutlich verringert.

Doch Statine können bei all ihren Vorteilen auch Nebenwirkungen haben, etwa Muskelbeschwerden. Viele Patienten fühlen sich dann schlapp oder verspüren Schmerzen, die einem Muskelkrampf oder Muskelkater gleichen. Selten verbirgt sich dahinter eine lebensgefährliche Nebenwirkung, bei der Muskelfasern zerstört werden.

Wie diese Muskelschmerzen zustande kommen

Viele Mechanismen tragen zu dieser Nebenwirkung der Statine bei, insgesamt wird der Stoffwechsel in der Muskelzelle beeinflusst. Dies passiert vor allem, wenn die Statine in sehr hoher Dosierung eingenommen werden. Aber auch bei normaler Dosierung können die Blutspiegel ansteigen, wenn nämlich andere Medikamente den Abbau von Statinen in der Leber durch Enzyme stören. Dies betrifft unter anderem Antibiotika und Antimykotika (Pilzmedikamente). Sogar Grapefruitsaft kann diese Enzymfunktion ausbremsen. Das Risiko für Muskelprobleme unter Statinen ist auch erhöht in höherem Lebensalter (über 65 Jahre), bei Nierenfunktionsschwäche, Schilddrüsenerkrankung und erhöhtem Alkoholkonsum.

Was tun? Wer Muskelschmerzen verspürt, muss unverzüglich ärztlich klären lassen, ob das verordnete Statin-Präparat die Ursache der Beschwerden ist und ob es sich um eine harmlose oder gefährliche Form dieser Nebenwirkung handelt. Im Labor wird geprüft, ob im Blut ungewöhnlich viel Creatinkinase (CK) als Zeichen eines Abbaus von Muskelmasse vorhanden ist. Dann dürfen keine Statine mehr eingenommen werden. Ist dies ausgeschlossen, hilft es meist, die tägliche Statin-Dosis zu verringern oder auf ein anderes Statin-Präparat zu wechseln. Oder aber nach einer Einnahmepause dasselbe Medikament erneut zu versuchen.

Genetische Veranlagung

Es gibt wissenschaftliche Hinweise, dass die genetische Veranlagung die Statin-Verstoffwechselung beeinflusst. Geschäftstüchtige Firmen bieten einen teuren Gentest an, der das klären soll. Er wird von den meisten Krankenkassen nicht übernommen. Aus gutem Grund, denn es lässt sich damit nicht sicher ausschließen, dass man unter Statin-Gabe mit Muskelbeschwerden oder Rhabdomyolyse reagiert.

Insofern sollten Statin-Präparate nie eigenmächtig abgesetzt werden, vielmerh sollte ein Arzt diesen Vorgang begleiten. Hilfreich ist das Führen eines Tagebuchs.

Die Informationsplattform warnt vor Nahrungsergänzungsmittel bei Statin-verursachten Muskelbeschwerden wie etwa Roter Reis-, Vitamin C- oder Q10-Produkte. Insbesondere warnt GPSP vor Roter Reis-Produkten, die sogar lebensgefährlich werden können. (red, 3.7.2017)

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