Junge DFB-Elf triumphiert erstmals bei Confed-Cup

2. Juli 2017, 22:42
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Das Experiment von Bundestrainer Joachim Löw, der ohne viele Stammkräfte zum Turnier nach Russland gereist war, ging vollständig auf: sein Team schlägt im Finale Chile 1:0

St. Petersburg – Das Experiment von Deutschlands Fußball-Teamchef Joachim Löw ist gelungen, sein Perspektivteam sicherte sich den Titel beim Confederations Cup. Der mit einer stark verjüngten Elf angetretene Weltmeister behielt am Sonntag in St. Petersburg im Finale gegen Südamerika-Meister Chile mit 1:0 die Oberhand und triumphierte damit zum ersten Mal überhaupt bei dem als WM-Generalprobe titulierten Turnier.

Im Gegensatz zum 1:1 in der Gruppenphase musste es diesmal einen Sieger geben. Zum Matchwinner wurde Lars Stindl (20.), der auch schon im ersten Duell mit den Chilenen – da zum 1:1 in der 41. Minute – getroffen hatte. Der Offensivmann von Borussia Mönchengladbach ist einer von vielen Deutschen, die sich nun für einen Kaderplatz bei der WM 2018 in Russland beworben haben.

Chile dominiert, Deutschland trifft

Die im Halbfinale gegen Mexiko klar mit 4:1 erfolgreich gebliebenen Deutschen, hatten zu Beginn der Partie alle Hände voll zu tun, sich der wie erwartet mit Verve startenden Chilenen zu erwehren. Charles Aranguiz und Arturo Vidal ließen eine frühe Doppelchance ungenutzt (4.), Goalie Marc-Andre ter Stegen war bei einem Vargas-Schuss auf dem Posten (13.) und wehrte auch einen Fernschuss Vidals (20.) ab. Den Abpraller konnte Alexis Sanchez nicht im Tor unterbringen.

Im Gegenzug gelang den Deutschen aus dem Nichts die Führung: Marcelo Diaz verlor am eigenen Sechzehner leichtfertig den Ball und Stindl musste nach einem Querpass Timo Werners den Ball nur noch ins leere Tor schieben (20.). Die Südamerikaner wirkten geschockt, die Deutschen waren ab sofort deutlich gefährlicher. Goretzka (36., 45.) und Julian Draxler (40.) hätten die Führung deutlicher gestalten können.

Hitzige zweite Halbzeit

Nach dem Seitenwechsel wurde die Partie deutlich hektischer, standen einige unschöne Aktionen im Mittelpunkt. Die beiden Münchner Joshua Kimmich und Vidal gerieten aneinander und sahen beide Gelb. Ebenfalls verwarnt wurde kurz darauf Gonzalo Jara. Der hatte allerdings Glück, hätte es für seinen Ellbogencheck gegen Werner doch Rot geben müssen. Schiedsrichter Milorad Mazic entschied sich nach Videostudium aber anders.

Die Chilenen gaben sich nicht auf, hatten deutlich mehr Ballbesitz, kamen dem Ausgleich aber erst im Finish nahe. Vidal kam im Strafraum zum Abschluss, Ter Stegen wehrte den Ball über das Tor ab (75.). Neun Minuten später drosch der kurz zuvor eingewechselte Angelo Sagal den Ball aus sechs Metern in die Wolken. Die letzte Chance vergab Sanchez, bei seinem Freistoß reagierte Ter Stegen einmal mehr glänzend (95.).

Auszeichnungen

DFB-Kapitän Julian Draxler wurde im Zuge der Siegerehrung als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet. Er erhielt den Goldenen Ball aus den Händen von Diego Maradona. Mit drei Toren sicherte sich Werner zudem den Titel des besten Torschützen. Wie der 21-jährige Leipziger hatten auch seine Teamkollegen Leon Goretzka und Stindl drei Mal getroffen. Werner aber gab mehr Torvorlagen. Er erhielt seine Trophäe aus den Händen von Brasiliens Ikone Ronaldo.

Chiles Kapitän Claudio Bravo wurde von FIFA-Präsident Gianni Infantino der Goldene Handschuh für den besten Torhüter der Mini-WM verehrt. (APA, red – 2.7. 2017)

Finale des Confederations-Cup in Russland vom Sonntag:

Chile – Deutschland 0:1 (0:1). St. Petersburg, 57.268, Referee: Milorad Mazic (Serbien)

Tor: Stindl (20.)

Chile: Bravo – Isla, Medel, Jara, Beausejour – C. Aranguiz (81. Sagal), M. Diaz (53. Valencia), P. Hernandez, A. Vidal – E. Vargas (81. Puch), Sanchez

Deutschland: Ter Stegen – Ginter, Mustafi, Rüdiger – Kimmich, Rudy, Goretzka (92. Süle), Hector – Stindl, Draxler – Werner (79. Can)

Gelbe Karten: Vidal, Jara, Vargas, Bravo bzw. Kimmich, Can, Rudy

Erweiterte Statistik (Quelle: deltatre):

Torschüsse: 20:7
Corner: 9:4
Ballbesitz: 60:40 %
Zweikämpfe: 85:88

Stimmen:

Joachim Löw (Deutscher Bundestrainer, im ZDF): "Das ist eine absolute Freude. Wir haben drei Wochen lang eine unglaubliche Leistung gezeigt und auch heute um jeden Meter gekämpft. Jeder Spieler, der hier war, hat auf jeden Fall eine bessere Position, als er es vor dem Confed-Cup hatte. Davon werden wir profitieren. Wir haben zu Hause noch einige sehr gute Spieler."

Juan Antonio Pizzi (Trainer Chile): "Wir haben hervorragend gespielt, sehr viel gegeben. Es sah eine Weile so aus, als könnten wir dem Gegner unseren Plan aufzwingen, wir hatten die Intiative. Aber so ist der Fußball, wir haben verloren und sind traurig. Aber wir sind auch zufrieden, weil wir jetzt wissen, dass wir mit den besten Mannschaften auf Augenhöhe spielen können."

Julian Draxler (DFB-Kapitän im ZDF): "Wir haben super gefightet und diesen Sieg auch verdient. Schließlich haben wir so noch nie zusammengespielt, deshalb ist es umso höher zu bewerten. Jeder Titel ist besonders, aber die Konstellation macht es wirklich besonders."

Claudio Bravo (Torwart Chiles im ZDF): "Wir haben viel gelernt. Wir haben alles gegeben. Wir haben gegen eine Mannschaft von Weltniveau verloren. Wir sind sehr traurig, können aber trotzdem stolz auf uns sein. Wir haben nie nachgelassen."

  • Deutschlands Perspektiv-Team hat alle Ziele übererfüllt, Bundestrainer Löw hat nun die Qual der Wahl.
    foto: ap/sekretarev

    Deutschlands Perspektiv-Team hat alle Ziele übererfüllt, Bundestrainer Löw hat nun die Qual der Wahl.

  • Lars Stindl hatte bei seinem letztlich entscheidenden Treffer leichtes Spiel, Chiles Diaz davor schwer gepatzt.
    foto: imago/itar-tass/kovalev

    Lars Stindl hatte bei seinem letztlich entscheidenden Treffer leichtes Spiel, Chiles Diaz davor schwer gepatzt.

  • In der zweiten Halbzeit wurde das Finale so richtig emotional.
    foto: ap/sekretarev

    In der zweiten Halbzeit wurde das Finale so richtig emotional.

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