Rob Burman: "Power-Rangers-Kostüme durften nicht wie Pyjamas aussehen"

    3. Juli 2017, 11:40
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    Der Maskenbildner hat die Power Rangers angezogen und Tom Cruise eine Maske verpasst. Wir trafen ihn in Wien

    STANDARD: Dass Sie in Hollywood Maskenbildner geworden sind, ist kein Zufall. Sie sind in eine Maskenbildnerfamilie hineingeboren worden.

    Burman: Mein Großvater war eigentlich bildender Künstler, er ging in den später 1930er-Jahren nach L.A., um sich im Filmbusiness auszuprobieren. Dort hat er Gummischwerter und Fake-Torten als Filmrequisiten hergestellt. Anfang der 1940er hat er für den Film "Der Wolfsmann" einen Gummiknauf in Form eines Wolfskopfs gefertigt. Mein Vater Tom wiederum hat Mitte der 1960er mit dem Hollywood-Make-up-Artist John Chambers das Gorilla-Make-up für "Planet der Affen" entwickelt. Wenn meine Eltern Installateure gewesen wären, wäre ich heute wohl ein Installateur.

    STANDARD: Sie haben nie von einem anderen Job geträumt?

    Burman: Meine Eltern haben mich nie unter Druck gesetzt. Aber als ich Ende der 1970er die High School verlassen habe, habe ich nicht so recht gewusst, was ich tun soll. Ich habe also den Shop meines Vaters gereinigt und so die ganzen Arbeitsmaterialien kennengelernt. Nach kurzer Zeit war ich verantwortlich, weil ich der Einzige war, der sich wirklich ausgekannt hat. Wir haben dann Horrorfilme wie "Happy Birthday to Me" und die Verwandlungssequenzen in Paul Schraders "Cat People" gemacht. Als dann als nächster Auftrag John Carpenters "The Thing" kam, wusste ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

    STANDARD: Anfang der 1980er waren Sie mit "Ghostbusters" auch an einem echten Kassenschlager beteiligt. Was genau haben Sie für den Film gemacht?

    Burman: Ich war für alles, was aus Schaum und Latex gemacht wurde, verantwortlich. Also für die Figur Slimer, den Marshmallow Man, den Geist in der Bibliothek.

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    "Ghostbusters" von 1984

    STANDARD: Das ist jetzt über vierzig Jahre her. Wie hat sich das Business seither verändert?

    Burman: Enorm, dank der digitalen Effekte. Sie haben vieles einfacher gemacht.

    STANDARD: Aber machen sie aufwendige Handarbeit nicht hinfällig?

    Burman: Es ist wie in jedem Bereich: Das Radio hat nicht das Buch verdrängt, das Fernsehen hat nicht das Radio und Film nicht das Fernsehen ersetzt. Es ist Platz für alle: Im Film geht die Handarbeit mit dem Digitalen Hand in Hand.

    STANDARD: Wie haben sich die Materialien in den letzten Jahren verändert?

    Burman: Früher hat man mit Latex gearbeitet und Gummi mit undurchlässigen und flachen Farben angemalt, heute arbeitet man mit realistischer wirkenden, anpassungsfähigeren Materialien wie Silikon und weichem Gummi.

    STANDARD: Welcher Film war besonders herausfordernd?

    Burman: 1994 habe ich mit meiner Frau und unserer damals neu gegründeten Firma den Film "Power Rangers" betreut. Die "Power Ranger"-Kostüme nicht wie Pyjamas aus Elastan, sondern wie mechanische, hochglänzende Ferraris aussehen zu lassen war nicht so einfach.

    STANDARD: Welchen prominenten Schauspielern sind Sie nahegekommen?

    Burman: Für "Mission Impossible 3" habe ich mit meinem Bruder Barney zusammengearbeitet. Er war für die Maske von Philip Seymour Hoffman, die Tom Cruise übergezogen wurde, verantwortlich. Die Augenbraue von Hoffman fiel allerdings ständig runter, und ich musste eine Lösung finden. Da standen nun Tom Cruise, Regisseur J. J. Abrams und all die anderen in den Paramount Studios und schauten mich an. Ich wusste, dass die Produktion eines Cruise-Films einige tausend Dollar pro Minute kostet – und bat um fünf Minuten. Die Augenbraue war dann in drei Minuten dran.

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    Mission Impossible 3

    STANDARD: Was ist schwieriger: Make-up-Prothesen für realistische Charaktere, Tiere oder Monster?

    Burman: Je größer die Produktion, desto anstrengender wird’s. Wenn ich das Drehbuch lese, sehe ich die Charaktere in der Regel sofort vor mir. Wenn dann aber ein junger Regisseur ohne große Erfahrung vor mir steht und mir erzählen will, wie man es besser macht, dann wird es brenzlig. Deshalb mache ich so gut wie keine Filme mehr, sondern gebe mein Wissen lieber in Kursen weiter – so wie heute hier.

    STANDARD: Die Konkurrenz ist groß?

    Burman: Sie ist immens: Es gibt viel mehr Leute als Jobs. Als ich begann, gab es in einem Radius von fünf Kilometern zwei Maskenbildner. Heute sind es zehn – mindestens.

    foto: www.maske-wien.com
    Zeig mir deine Nase: Rob Burman mit seiner Lebensgefährtin Jennifer E. McManus während des Workshops bei "Maske-Wien".

    STANDARD: Sie verkaufen mit Ihrem Unternehmen auch künstliche Nasen, Ohren, Wunden. Was geht am besten?

    Burman: In Australien und Japan funktionieren Schweine-und Kaninchennasen sowie alle verrückten Sachen gut. In Hongkong verkaufen wir natürliche Nasen, Wangen und Kinnstücke an Schausteller, die in amerikanische Stunt-Doubles verwandelt werden müssen. In der Türkei werden viele Wunden gebraucht, dort werden am laufenden Band Kriegsfilme produziert.

    STANDARD: Können Sie noch entspannt Filme schauen?

    Burman: Kein Problem – solange der Film gut ist. (feld, 3.7.2017)


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