Virtuelles Einschlagen auf CNN: Trump geht wieder auf die Medien los

2. Juli 2017, 18:18
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Bizarrer Streit mit Moderatorenduo Mika Brzezinski und Joe Scarborough – Keine Fortschritte bei Gesundheitsreform

Es gibt eine Menge Themen, die Donald Trump in diesen Tagen beschäftigen müssten. In Hamburg steht der G20-Gipfel an, in Washington droht sein Gesundheitsgesetz zu scheitern, der Konflikt mit Nordkorea droht womöglich militärisch zu eskalieren. Man sollte meinen, dem US-Präsidenten fehlte die Zeit für Kleinigkeiten. Trotzdem verbiss er sich auch am Wochenende in eine seit drei Tagen ausgetragene Fehde mit zwei Moderatoren des Fernsehsenders NBC und mit dem TV-Sender CNN, bei der es um eine Schönheitsoperation, blutende Wunden und Erpressung geht.

"Der verrückte Joe Scarborough und die strohdumme Mika sind keine schlechten Leute, aber ihre kaum gesehene Show wird von ihren NBC-Bossen dominiert", twitterte er am Samstag aus seinem Golfclub in New Jersey. Zuvor hatte er Mika Brzezinski, Tochter des Sicherheitsberaters Jimmy Carters, Unterwürfigkeit unterstellt. Sie habe ihn einst in seinem Refugium Mar-a-Lago unbedingt sehen wollen, obwohl sie nach einer Schönheitsoperation stark im Gesicht geblutet habe. Worauf ihr Partner Scarborough, schilderte, wie Trump die beiden zu erpressen versuchte: Als die Boulevardzeitung National Enquirer eine Geschichte über das Privatleben der inzwischen verlobten Moderatoren plante, sollten Anrufer aus dem Umfeld des Präsidenten die beiden aufgefordert haben, Trump für ihre Berichte um Verzeihung zu bitten. Die Story werde dann nicht erscheinen.

Die Episode passt zum Image des Skandalblatts. Zwar hat der National Enquirer seit seiner Blütezeit in den Siebzigerjahren rund 90 Prozent an Auflage verloren, allerdings liegt er in US-Supermärkten in den Regalen vor den Kassen, sodass Millionen von Kunden zumindest sein Titelblatt lesen. David Pecker, der Besitzer, hatte im Wahlkampf Partei für seinen Freund Trump ergriffen.

Trump kann es nicht lassen

Über Hillary Clinton hieß es etwa bereits 2015, sie schaffe es schon deshalb nicht ins Weiße Haus, weil sie todkrank sei und in sechs Monaten sterbe. Die Sache mit dem Erpressungsversuch klingt in diesem_Licht nicht unplausibel. Was Trump nicht hinderte, das Gegenteil zu verbreiten: Scarborough habe ihn angerufen, damit er die Veröffentlichung des Textes stoppe.

In den Augen mancher Kritiker Trumps beruht der bizarre Streit nicht auf einem spontanen Einfall, vielmehr auf einem kühl kalkulierten Manöver, um davon abzulenken, dass dem Weißen Haus momentan kaum etwas gelingt. Das Gesetz, mit dem Barack Obamas Gesundheitsreform abgewickelt werden soll, steht im Kongress vor dem Scheitern, da nach aktuellem Stand mindestens neun republikanische Senatoren die Alternative ablehnen. Ohne die Gesundheitsnovelle wiederum ist an eine Steuerreform nicht zu denken, da diese ohne die Einsparungen des Trumpcare-Pakets nicht annähernd gegenfinanziert wäre. Von dem in der Nacht des Wahlsieges verkündeten Plan, die vielerorts veraltete Infrastruktur in einem Kraftakt zu modernisieren, ist kaum noch etwas zu hören.

Auch viele Republikaner raten ihm daher, mehr Zeit in die reale Welt ohne Twitter zu investieren. Bisher vergeblich: Sonntag blies Trump zur Gegenattacke. Die "betrügerischen Medien" gäben sich Mühe, Republikaner davon zu überzeugen, dass er sich der sozialen Medien nicht bedienen solle, schrieb er. Und doch habe er die Wahl damit gewonnen. Die Art, wie er soziale Medien nutze, sei nicht präsidentiell, sondern "zeitgemäß präsidentiell". Wenig später folgte der nächste Schlag. Trump postete ein Video, in dem er in einem Wrestlingring auf eine Figur einschlägt, der digital ein CNN-Logo auf den Kopf montiert wurde. (Frank Herrmann aus Washington, 2.7.2017)

  • Donald Trump bei einem Auftritt am Samstagabend: Zuvor hatte er die Moderatoren von "Morning Joe" beschimpft, wenig später schlug er virtuell auf CNN ein.
    foto: reuters / yuri gripas

    Donald Trump bei einem Auftritt am Samstagabend: Zuvor hatte er die Moderatoren von "Morning Joe" beschimpft, wenig später schlug er virtuell auf CNN ein.

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