Abgesägter Pilz, narrische Schwammerln und lange Gesichter im Herbst

    2. Juli 2017, 19:07
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    STANDARD-Leserbriefe zum Abgang des grünen Urgesteins Peter Pilz

    Intellektueller Aderlass

    Wenn Persönlichkeiten wie zum Beispiel Peter Pilz, Bruno Rossmann, Alexander Van der Bellen oder Johannes Voggenhuber von der "Basis" der Grünen eher misstrauisch als elitäre Außenseiter gesehen werden, die man "mit Bedauern" ziehen ließ, verliert man jene Wähler, die Grün wegen genau dieser Typen gewählt haben.

    Dieser intellektuelle Aderlass – es gibt bis heute keinen Ersatz für deren Kompetenz – ist jener Selbstzerstörungstrip, der bei der weltfremden Basis "charaktervoll" verdrängt wird. Das gibt ein böses Erwachen.

    Johann Ernst, 2384 Breitenfurt


    Zu Stolz für den vierten Platz

    Peter Pilz wird als sehr verdienstvoller Politiker zumindest in die grüne Geschichte eingehen. Aber warum war er zu stolz, für den sechsten Platz zu kandidieren?

    Aber es stimmt aber schon, dass es bei den Grünen eine gewisse "Stimmung gegen Ältere" gibt, besonders gegen ältere männliche Abgeordnete. Unabhängig von Leistung und Engagement, wie auch andere Beispiele zeigen.

    Wolfgang Himmler, 8010 Graz


    Eine Wählerin weniger

    Mit Fassungslosigkeit musste ich heute feststellen, dass die Grünen ihre guten kritischen und aktiven Aushängeschilder Peter Pilz, Wolfgang Zinggl und Gabriela Moser gehen lassen. Dieser strategisch schwerwiegende Fehler wird sich dann im Herbst als Aderlass von Stammwählenden auswirken – und das gerade jetzt, wo das Land ohnehin immer rechtskonservativer zu werden droht!

    Inhaltlich sehe ich das für die Demokratie in Österreich besorgniserregend gefährdend, da diese Leute ganz wesentliche U-Ausschüsse initiiert und geleitet haben.

    Auch der Umgang mit den Jungen Grünen sowie die innerparteilich nicht abgesicherte Entscheidung für das Bürohaus auf dem Heumarkt haben mein Vertrauen in die Demokratiefähigkeit der grünen Partei in Österreich schwer erschüttert.

    Ich bin Jahrgang 1973 und habe jahrzehntelang grün gewählt, ab Oktober 2017 werde ich das aber nicht mehr tun! Ab heute habt ihr eine Wählerin weniger! Schade, aber es braucht eine Reaktion.

    Dagmar Redl, per Mail


    Narrische Schwammerln

    Man könnte wirklich glauben, alle hätten narrische Pilze gegessen.

    Alle Journalisten, gleich ob Zeitungen oder ORF, fast alle Leserbriefschreiber und fast alle in den sozialen Medien: Pilz als Messias, als Retter der Nation, als unverzichtbar für das nächste Parlament darzustellen ist totaler Unsinn. Pilz ist ein eitler, in sich verliebter Selbstdarsteller, dem es primär nicht um Aufklärung, um charaktervolle Politik geht, sondern um möglichst viele Öffentlichkeitsauftritte. Und das hat er ja jetzt (vielleicht unfreiwillig) erreicht.

    Er hat sicherlich manches aufgedeckt, aber nicht um der Sache willen, sondern aus Eigeninteresse. Ich kenne Peter Pilz aus unserer gemeinsamen Zeit im Wiener Gemeinderat. Da kam er eine halbe Stunde zu spät (9.30), war zwei Stunden anwesend, provozierte irgendeinen Skandal (Aufdeckung!) und war vor zwölf Uhr verschwunden und den ganzen Tag nicht mehr gesehen.

    Ich verstehe seine Niederlage beim grünen Bundeskongress vollkommen, und das ist gut so (eine der wenigen vernünftigen grünen Entscheidungen!).

    Franz Karl, 1130 Wien


    Grüne Trolle

    Es ist nicht nur die Abwahl des Herrn Pilz. Zuerst wurde Herr Pilz von der (glücklicherweise) abgegangenen Bundessprecherin Glawischnig niedergemacht. Dann wurden die Jungen Grünen abserviert, auf Fördermittel wurde verzichtet. Verdiente Abgeordnete wie Frau Moser, Herr Zinggl, Herr Rossmann usw. haben keine Chance mehr. In Wien treten die Grünen rund um Frau Vassilakou und einem Herrn Chorherr vorwiegend für gierige Investoren ein. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, aber sie haben die Pflicht, Vorgaben an die Investoren zu machen bzw. auf die Einhaltung bestehender Vorgaben zu achten und nicht den Vorgaben von Investoren zu folgen.

    Diese Pflicht erfüllen sie nicht (genau so wie die Roten). Am Erhalt von Kulturstätten (Café Griensteidl!) haben sie kein Interesse, und auf dem Johann-Nepomuk-Berger-Platz werden bisher parallel verlaufende Straßenbahnlinien (2 und 44) über Kreuzungen verflochten. Kommendes Verkehrschaos hier und an anderen Orten (Getreidemarkt) ist abzusehen.

    Ich schließe mich Herrn Noll (Ausgabe vom 27. 6., Anm.) an: Diese derzeitigen Grünen sind nicht wählbar. Hier sind einige Willige und nicht Trolle, die Herrn Pilz auf einer eigenen Liste gerne wählen würden. Die Trolle sitzen bei den jetzigen Grünen.

    Peter Jürß, 1160 Wien


    Abgehobene Parallelwelt

    Ich las schon lange keinen so einseitig polemischen Kommentar der anderen (Ausgabe vom 27. 6., Anm.) im Standard. Alfred J. Noll meint, dass die Grünen völlig humorlos und abgehoben für sich in einer Scheinwelt lebten.

    Da frage ich mich, in welcher Welt lebt dieser Mensch? Allein in Oberösterreich kenne ich viele Mandatare in Gemeinden und Städten, Abgeordnete des Landtages und des Nationalrates, die sehr motiviert und nahe an den Menschen ihre engagierte politische Vertretungsarbeit leisten.

    Sind nicht Herr Noll und Herr Pilz diejenigen, die sich in einer abgehobenen Parallelwelt bewegen?

    Peter Pilz hat die Stichwahl um den vierten Listenplatz gegen einen jungen Nachwuchspolitiker knapp verloren und sich völlig beleidigt und gekränkt auf keinen weiteren demokratischen Wahlgang um den fünften oder sechsten Listenplatz eingelassen und wird nun als Opfer böser parteipolitischer Scharmützel stilisiert und als politischer Märtyrer für eine mögliche Heiligsprechung vorbereitet?!

    Karl Mair-Kastner

    Grüner Stadtrat in Eferding per Mail


    Traditionell abgesägt

    Pilz nicht zu nominieren entspricht der grünen Tradition, gute Leute abzusägen.

    Ernst Pitlik, per Mail

    (Leserforum, 2.7.2017)

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