Elementarpädagogik und die Qualitätsfrage

Userkommentar3. Juli 2017, 10:19
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Die Professionalisierung der Elementarpädagogik schreitet voran. Handlungsbedarf hat die Politik – das sieht man auch beim Diskurs um islamische Kindergärten

Studierende des Studiengangs "Sozialmanagement in der Elementarpädagogik" an der FH Campus in Wien haben im Juni zur pädagogischen Fachtagung "Elementarpädagogik im Aufbruch?! Theorie und Praxis im Dialog" geladen und die Akademisierung von Elementarpädagoginnen und -pädagogen im Sinne der Berufsfeldentwicklung und Qualitätssicherung thematisiert.

Vorgestellt wurden eigene Forschungsprojekte zur Professionalisierung, zur Entwicklung pädagogischer Handlungskonzepte, zu frühen Transitionsprozessen oder auch zu Vielfalts- und Diversitätsaspekten im Feld der Elementarpädagogik. Die Professionalisierung des pädagogischen Handelns schreitet voran, wobei die Bedeutung der tertiären Ausbildung für diesen Prozess hervorzustreichen ist. Handlungsbedarf ist vor allem auf der strukturellen und politischen Ebene zu sehen.

Bildungsverständnis im Wandel

Fest steht, dass sich das Bildungsverständnis verändert. Die steigende gesellschaftliche Bedeutsamkeit elementarpädagogischer Einrichtungen weist auf einen Paradigmenwechsel hin. Damit verbunden ist die Notwendigkeit einer bundesweit geregelten, einheitlichen Gesetzesgrundlage, etwa zur (tertiären) Aus- und Weiterbildung. Die politische Verantwortung müsste auch im schulischen Kontext im Bildungsministerium – und nicht im Familienministerium – liegen.

Mangelnder Diskurs

Im Rahmen der Tagung wurde auch ein mangelnder Diskurs in Bezug auf die Frage festgestellt, was unter Bildung in elementarpädagogischen Einrichtungen zu verstehen ist. Kritisch wurde in diesem Zusammenhang die zunehmende bildungsökonomische Konzeption früher Bildung betrachtet. Dies betrifft auch die Frage nach der "Bildungschancengleichheit".

Sozial- und bildungspolitische Überlegungen, wie sie etwa jüngst von Minister Sebastian Kurz vorgebracht wurden, sind nicht nur für den Bereich des Kindergartens, sondern auch in Hinsicht auf gesamtgesellschaftliche Belange bedenklich.

Wo bleibt die Qualitätsfrage?

Kurz' Forderung, alle islamischen Kindergärten und Kindergartengruppen in Wien zu schließen, ist aus zwei Gründen fragwürdig. Zum einen, da keine Klarheit darüber herrscht, was "islamische" Kindergärten beziehungsweise Kindergruppen sind. Zum anderen schließt diese Forderung wiederum die Auseinandersetzung mit der Qualitätsfrage aus.

Etwa auch die Frage, ob die derzeitige Aus- und Weiterbildung von Pädagoginnen und Pädagogen die Etablierung notwendiger "Pluralitätskompetenzen" ermöglicht. Auch hier wären politisch Verantwortliche gefordert, Ressourcen – auch finanzieller Art – zur Verfügung zu stellen, die in die Aus- und Weiterbildung und nicht bloß in die Entwicklung von Programmen fließen, die ohne entsprechende Qualifikation nicht umgesetzt werden können.

Kein Platz für Diskriminierung

Über die Maßnahme der willkürlichen Schließung von Kindergärten, die als integrationsfördernd gedacht ist, darf beziehungsweise muss jedenfalls diskutiert werden. Ethnische Diskriminierung und Stigmatisierung durch Benachteiligung von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen oder religiösen Wurzeln sollten jedoch innerhalb des Bildungssystems – und damit auch in elementarpädagogischen Einrichtungen – keinen Platz einnehmen.

Pluralität ist ein struktureller Bestandteil gegenwärtiger Gesellschaften und verlangt in elementaren Bildungseinrichtungen einen professionellen Umgang mit kultureller, religiöser oder auch sprachlicher Vielfalt, damit Kinder chancengleiche Möglichkeiten haben. Dafür bedarf es entsprechend qualitätsvoller Aus- und Weiterbildung. (Martina Krassnitzer, Maria Fürstaller, 3.7.2017)

Martina Krassnitzer, Kindergartenleitung und Studentin "Sozialmanagement in der Elementarpädagogik".

Maria Fürstaller, Lehre und Forschung am Studiengang "Sozialmanagement in der Elementarpädagogik" an der FH Campus Wien.

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Weiterer Userkommentar von Martina Krassnitzer

  • Elementarpädagogische Einrichtungen werden immer wichtiger. Die politische Verantwortung dafür müsste im Bildungs-, nicht im Familienministerium liegen.

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