Apple bereitet sich auf den Tod des iPhones vor

2. Juli 2017, 11:42
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Der Konzern arbeitet bereits an der Zeit nach dem erfolgreichen Smartphone – 2020 werden wohl erste Ergebnisse präsentiert

Das iPhone ist mit über einer Milliarde verkaufter Geräte wohl das bisher erfolgreichste IT-Produkt und machte Apple zum aktuell wertvollsten Unternehmen. Allerdings muss sich der Konzern langsam auf eine Zeit nach dem iPhone einstellen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es immer wieder Innovationen gibt, die bisherige Errungenschaften nichtig machen.

Apple dürfte sich dessen bewusst sein und investiert wie bereits Microsoft, Google und Facebook kräftig in Augmented Reality (AR). Die Konzerne gehen offenbar davon aus, dass dies die Zukunft ist. Statt vieler Bildschirme soll künftig nur mehr eine Datenbrille zum Einsatz kommen, die sämtliche Aufgaben von Smartphones, Tablets und PCs übernimmt.

Tim Cook ist großer Verfechter von Augmented Reality

Obwohl das iPhone nach wie vor hohe Gewinne in die Kassen von Apple spült, ist es nicht mehr der Wachstumsmotor, der das Gerät vor wenigen Jahren noch war. CEO Tim Cook hat sein Unternehmen bereits auf den Fokus auf AR eingeschworen. In Interviews betont Cook immer wieder, wie wichtig die Technologie in wenigen Jahren sein wird. "AR wird noch eine Weile dauern. Wenn sie dann aber da ist, werden wir uns wundern, wie wir bisher ohne leben konnten", sagt der Chef von Apple etwa.

Wie Apples eigener iPhone-Killer aussehen soll, ist bisher unklar. Der Konzern hält sich traditionsgemäß sehr bedeckt, wenn es um neue Produkte geht. In der Vergangenheit gab es allerdings immer wieder Berichte, dass das Unternehmen mit einer Datenbrille experimentiert. Einen kleinen Ausblick in die Zeit nach dem iPhone erhält man aber trotzdem durch Software-Weiterentwicklungen und Apples Akquisitionen.

ARKit zeigt auf, in welche Richtung es geht

Bei der hauseigenen Entwicklerkonferenz WWDC hat Apple ein Software-Developer-Kit für Augmented-Reality-Apps namens ARKit vorgestellt. Erste Ergebnisse sind beeindruckend, mit iOS 11 sollen dann die ersten Apps folgen. Dies könnten dann auch irgendwann auf einer möglichen Datenbrille von Apple landen, damit die Hardware nicht ganz ohne Software von Drittentwicklern auskommen muss.

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Apples ARKit in Action.

2015 übernahm Apple zudem mit Metaio ein deutsches AR-Unternehmen zum Preis von mehreren hunderten Millionen Dollar. Die Firma lieferte das Fundament für Apples ARKit, und einige Mitarbeiter der Firma sollen bei Apple an speziellen Projekten arbeiten. Vergangene Woche wurde ferner bekannt, dass der Konzern SensoMotoric gekauft hatte – ebenso ein deutsches Unternehmen, das bisher an Datenbrillen mit Fokus auf Eye-Tracking gearbeitet hatte.

Apple wohl weiter auf Einkaufstour

Apples Einkaufstrip soll allerdings noch nicht zu Ende sein. Offenbar plant der Konzern weitere Zukäufe. Bei einer AR-Fachmesse sollen einige Apple-Mitarbeiter gesichtet worden sein, obwohl es von der Firma keine offizielle Anmeldung bei dem Event gab. Damit konfrontiert gab der Konzern dazu keine Antwort.

Dass Apple sein höchst erfolgreiches iPhone irgendwann gegen ein anderes Produkt austauscht, ist somit gar nicht so unwahrscheinlich. Beim iPod, zur damaligen Zeit eine sehr gute Einnahmequelle für den Konzern, ging man ähnlich vor. Das iPhone wurde vorgestellt und der iPod mehr oder weniger nichtig gemacht. Analysten gehen davon aus, dass Apple bald ähnlich vorgehen wird. Sie sehen in den kommenden Jahren ein Abflauen der iPhone-Verkäufe.

Analyst: 2020 kommt Apples Datenbrille

Apple-Analyst Gene Munster glaubt etwa, dass Apple um 2020 eine eigene Datenbrille um circa 1300 Dollar vorstellen wird. Diese soll schließlich das iPhone ersetzen, wie Munster denkt. Bis 2021 soll der Smartphone-Markt laut dem Marktforschungsinstitut IDC jährlich nur mehr um drei Prozent wachsen. Gleichzeitig sieht IDC für AR und Virtual Reality ein Wachstum von fast 200 Prozent bis 2020. Somit ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass Apple das iPhone für "the next big thing" killen wird. (red, 02.07.2017)

  • Apple bereitet sich bereits jetzt auf die Zeit nach dem iPhone vor.
    foto: reuters/duvignau

    Apple bereitet sich bereits jetzt auf die Zeit nach dem iPhone vor.

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