Deutsches Bundesamt wappnet sich für Cyberattacken zu G20 und Wahl

30. Juni 2017, 15:44
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Cyber-Lagezentrum zu Gipfel rund um die Uhr im Einsatz

Die oberste deutsche Cybersicherheitsbehörde wappnet sich gegen Hackerangriffe im Umfeld des G20-Gipfels in der kommenden Woche. Es gebe Akteure und Gruppen wie Anonymous und Lulzsec, die gerne politischen Protest zum Ausdruck bringen wollten und Cyberattacken planten, sagte der Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, in einem am Freitag veröffentlichten Reuters-Interview. Es gehe aber etwa auch um die Gruppe APT28, die Russland zugeordnet und für Angriffe auf den Deutschen Bundestag verantwortlich gemacht wird. "Darauf bereiten wir uns vor", sagte Schönbohm.

Das BSI verfüge zum G20-Gipfel über ein rund um die Uhr besetztes Lagezentrum. Das Lagebild von dort werde der Polizei zur Verfügung gestellt. Zudem gebe es einen Verbindungsbeamten des BSI in Niedersachsen in einem der polizeilichen Lagezentren. Laut Schönbohm wurden auch die Betreiber von kritischen Infrastrukturen in Hamburg und dem Umland gewarnt, dass im Umfeld des G20-Gipfels mit Angriffen zu rechnen sei.

Private Accounts im Visier

Auch mit Blick auf die Bundestagswahl befindet sich Schönbohms Behörde im Alarmzustand. Befürchtung sei hier, dass private Accounts beispielsweise enger Mitarbeiter von Spitzenpolitikern gehackt würden, ähnlich wie dies beim Team von Emmanuel Macron kurz vor dessen Wahl zum französischen Präsidenten der Fall gewesen sei.

Das Bundesamt hatte erst vergangene Woche mitgeteilt, dass es Cyberangriffe auf private E-Mail-Postfächer von Funktionsträgern aus Wirtschaft und Verwaltung beobachte. Dabei werden täuschend echt erscheinende sogenannte Spearphishing-Mails an ausgewählte Personen gesandt. Die Angreifer geben etwa vor, Auffälligkeiten bei der Nutzung des Postfachs beobachtet zu haben oder neue Sicherheitsfunktionen anbieten zu wollen. Der Nutzer wird aufgefordert, einen Link anzuklicken und sein Passwort anzugeben. Die Kampagne richtete sich gegen Yahoo- und Gmail-Konten. Schönbohm sagte, es gehe bei solchen Attacken darum, "Informationen zu generieren, die man zu einem geeigneten Zeitpunkt veröffentlichen wird".

Angriffe gegen CDU

Der BSI-Chef verwies auf Angriffe im vergangenen Jahr gegen die CDU und die Bundestagsparteien sowie auf politische Stiftungen in diesem Jahr. "Es gibt eine Vielzahl von Aktivitäten und darauf stellen wir uns natürlich sehr intensiv ein", unterstrich Schönbohm.

Derweil geht der BSI-Präsident nicht davon aus, dass erbeutete Informationen aus dem massiven Cyberangriff auf den Bundestag im Jahr 2015 vor der Bundestagswahl für Kampagnen genutzt werden. Die Daten seien mittlerweile rund zwei Jahre alt. "Wenn da wirklich etwas Skandalhaftes drin gewesen wäre, dann ist meine These eigentlich eher die, dass man diese schon verwendet hätte, um etwas zu machen." Die besagten Angriffe etwa auf politische Stiftungen und die Attacken vergangene Woche zeigten aber, dass Täter auf mehr aus seien. "Das sind für mich alles Indikatoren, dass man wirklich versucht, hier nochmal andere weitergehende Daten zu bekommen."

Wahl-O-Mat soll geschützt werden

Auch bei der Bundeswahlleitung sei ab Juli ein Verbindungsbeamter des BSI vor Ort, kündigte Schönbohm an. Hier gehe es um den Schutz der IT. Anders als in den USA gebe es in Deutschland aber keine Wahlautomaten oder automatische Zählmaschinen, die Ziel von Angreifern werden könnten.

Auch die Parteien würden mit umfassenden Sicherheitsüberprüfungen unterstützt, denn auch bei diesen sei mit Angriffen und Störversuchen zu rechnen. Die Sensibilität der Parteien für das Thema sei deutlich gestiegen.

Schönbohm kündigte an, in den nächsten Wochen werde es auch darum gehen, wie der "Wahl-O-Mat" der Bundeszentrale für politische Bildung geschützt werden könne. Dazu habe in dieser Woche ein Gespräch stattgefunden. (Reuters, 30.6.2017)

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