Übergewicht und Adipositas: Viel gefährlicher als angenommen

2. Juli 2017, 07:00
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Die Menschen in westlichen Ländern werden immer dicker – damit verbunden ist ein massives Krankheitsrisiko, Experten fordern Strukturmaßnahmen zur Eindämmung

Ein hoher Body-Mass-Index (BMI) ist noch gefährlicher als bisher angenommen: Das Risiko, an Herzkreislauf-Leiden zu erkranken, steigt mit zunehmendem Gewicht. Bei übergewichtigen Menschen ist es im Vergleich zu Menschen mit einem normalen BMI doppelt so hoch, bei schwer übergewichtigen Menschen sogar mehr als zehnfach höher als bei Normalgewichtigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie aus Europa und den USA, die jetzt aktuell im Fachmagazin Lancet Public Health veröffentlicht worden ist.

"Die Untersuchung zeigt, wie wichtig weltweit die Bekämpfung von Übergewicht ist und unterstreicht umso mehr die Forderungen nach einer wirkungsvollen bevölkerungsweiten Prävention", betont Dietrich Garlichs, Sprecher der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK). "Unser Gesundheitswesen allein konnte der Herausforderung Adipositas bisher nicht erfolgreich begegnen", ergänzt Manfred James Müller, Vorstandssprecher des Kompetenznetzes Adipositas und Vertreter der Deutschen Adipositas-Gesellschaft.

Mehr oder weniger Übergewicht

In der Studie des Departments of Epidemiology and Public Health am University College London haben Wissenschaftler über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren die Daten von 120.813 Männern und Frauen ausgewertet. Im Verlauf der Untersuchung wurde deutlich, dass schon bei einer Adipositas Grad eins das Risiko für das Auftreten eines Typ-2-Diabetes, einer koronaren Herzerkrankung sowie eines Schlaganfalls deutlich steigt. Bei übergewichtigen Personen war es doppelt so hoch, bei Patienten mit einer Adipositas Grad eins bereits fünfmal höher und bei Auftreten einer schweren Adipositas des zweiten und dritten Grades sogar um das 15-fache gestiegen.

Die Ergebnisse der Studie betonen die medizinische Notwendigkeit, Patienten mit Übergewicht und Gefäßerkrankungen frühzeitig auf Diabetes zu untersuchen und die Aufmerksamkeit ebenso auf die Prävention von Gefäßerkrankungen bei übergewichtigen Personen mit Diabetes zu lenken", sagt Müller.

Dramatische Zunahme

Weltweit hat sich seit 1980 die Rate der Adipositas in mehr als 70 Ländern verdoppelt. "Diese dramatische Entwicklung zeigt die Dringlichkeit, mit Hilfe einer bevölkerungsweiten, präventiven Gesundheitsförderung und Regulierung, Lebensstile positiv zu beeinflussen und die Zunahme dieser Erkrankungen zu stoppen", so Müller. Das Forschungskonsortiu, schlägt eine Steuersenkung für gesunde Lebensmittel mit einer geringen Energiedichte und geringem Gehalt an Zucker, Fetten und Salz vor, gleichzeitig sollten für energiedichte Lebensmittel mit hohem Gehalt an Zucker, Fett und Salz die Steuern erhöht werden.

Experten halten auch ein Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel und Getränke für sinnvoll, ebenso wie eine klare Kennzeichnung aller Lebensmittel bezüglich ihres Zucker-, Fett- und Salzgehalts. Ein Ampelsystem könnte Konsumenten hier als Orientierung dienen(red/idw, 30.6.2017)

Originalpublikation:

Overweight, obesity, and risk of cardiometabolic multimorbidity: pooled analysis of individual-level data for 120 813 adults from 16 cohort studies from the USA and Europe

Health Effects of Overweight and Obesity in 195 Countries over 25 Years

Body Mass Index: Messwert für Übergewicht und Adipositas

Von Übergewicht sprechen die Ärzte bei einem BMI zwischen 25 und unter 30 kg/m2. Ist der Wert über 30 sprechen sie von einer Adipositas. Diese wird noch einmal in verschiedene Schweregrade eingeteilt: Bei einem BMI zwischen 30 und 35 liegt eine Adipositas Grad eins vor, zwischen BMI 35 und 40 handelt es sich um eine schwere Adipositas zweiten Grades. Ist der BMI über 40, liegt eine besonders schwere Adipositas dritten Grades vor.

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