Nationalrat: FPÖ hat die meisten Großverdiener

30. Juni 2017, 12:23
255 Postings

Vier von neun Spitzenverdienern mit über 10.000 Euro monatlich sind FPÖ-Abgeordnete

Wien – Zwei Drittel der Nationalratsabgeordneten haben bezahlte Nebenjobs. Das geht aus der vom Parlament veröffentlichten Transparenzliste hervor. Die meisten Spitzenverdiener mit Zusatzeinkommen über 10.000 Euro monatlich sitzen im FPÖ-Klub. Insgesamt üben Abgeordnete aktuell über 1.000 Nebenfunktionen aus – die meisten davon ehrenamtlich.

Für die Arbeit im Parlament erhalten die Abgeordneten 8.755,80 Euro monatlich. Wie viel sie nebenbei noch verdienen – sei es in politischen Funktionen, im öffentlichen Dienst oder privat – müssen sie seit 2013 jährlich melden. Allerdings müssen sie nicht ihre genauen Einkommen offenlegen, sondern nur die Bruttogesamtsumme pro Monat, eingeteilt in fünf Kategorien: bis 1.000 Euro, 1.001 bis 3.500 Euro, 3.501 bis 7.000 Euro, 7.001 bis 10.000 Euro und über 10.000 Euro monatlich (siehe Grafik).

Ergebnis für 2016: Ein gutes Drittel (62 der 181 meldepflichtigen Abgeordneten) ist hauptberuflich Parlamentarier und übt keine bezahlte Nebentätigkeit aus. Besonders viele sind es bei Grünen und Neos, wo mehr als die Hälfte kein Zusatzeinkommen gemeldet hat. Weitere 26 Mandatare verdienen nur minimal dazu und bleiben unter 1.000 Euro monatlich. Keine Angaben machen mussten die Grüne Barbara Neuroth und Karin Doppelbauer von den Neos, weil sie erst heuer ins Parlament eingezogen sind.

Kickl von Wiener Partei bezahlt

Am oberen Ende der Einkommensskala sitzen die neun Abgeordneten mit über 10.000 Euro Monatsbrutto zusätzlich. Gleich vier davon stammen aus der FPÖ, darunter auch Generalsekretär und Wahlkampfleiter Herbert Kickl. Er bekommt sein Gehalt übrigens nicht von der Bundespartei, sondern von der FPÖ Wien (für "Werbung, PR, Marketing, Kommunikation, Strategie"). Die anderen blauen Spitzenverdiener sind Freiberufler: der Notar Harald Stefan, der Zahnarzt Andreas Karlsböck und der Wirtschaftstreuhänder Hubert Fuchs.

Die ÖVP hat drei Spitzenverdiener in ihren Reihen: Michaela Steinacker (Aufsichtsrätin unter anderem bei EVN und BIG sowie Strabag-Mitarbeiterin), Andreas Zakostelsky, Chef der privaten Pensionskasse VBV, und der Arzt Erwin Rasinger, Ärztekammerfunktionär und Aufsichtsrat des Biotech-Unternehmens Apeiron Biologics. Bei der SPÖ fällt der Rechtsanwalt Hannes Jarolim unter die Topverdiener, und dazu kommt noch der klubfreie Arzt Marcus Franz (Ex-Team-Stronach- und Ex-ÖVP-Mandatar).

Dass ein Abgeordneter wirklich keinerlei Nebentätigkeiten ausübt, ist übrigens eine Seltenheit. Denn zumindest leitende ehrenamtliche Funktionen übernehmen (bis auf zehn Abgeordnete) alle. Insgesamt listet die Parlamentshomepage 1.049 aktuelle Funktionen der Abgeordneten auf – davon 80 Prozent unbezahlt. Spitzenreiter sind hier zwei ÖVP-Bauernbündler: Jakob Auer mit 22 Jobs und Funktionen (Einkommen bis 10.000 Euro) sowie Johann Höfinger (19 Funktionen, Einkommen unter 1.000 Euro). (APA, 30.6.2017)

Share if you care.