"Festessen" für muslimische Häftlinge: "Krone" spalte die Gesellschaft

30. Juni 2017, 12:56
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Von "kulinarischen Leckerbissen" auf Kosten der Steuerzahler mutmaßte die "Krone" – Islamischer Gefängnisseelsorger Demir wendet sich an den Presserat

Wien – Mit Journalismus habe das nichts zu tun, sagt Ramazan Demir, Leiter der Islamischen Gefängnisseelsorge in Österreich: "Das ist abfällig und verletzend." Und falsch. Worüber sich Demir echauffiert, ist ein Artikel, der am Mittwoch in der "Kronen Zeitung" und auf krone.at erschienen ist.

Unter dem Titel "Aufregung im Jugend-Häfen: Caterer brachte Festessen" ist davon die Rede, dass muslimische Häftlinge "kulinarische Leckerbissen" serviert bekommen hätten: "Insider berichten davon, dass in den Morgenstunden ein großer Cateringbus vor dem Häfen vorgefahren sei. Voll beladen mit kulinarischen Köstlichkeiten nur für muslimische Häftlinge."

Laut dem "Insider" werde dafür "Steuergeld verwendet". Im letzten Satz heißt es dann: "Ob das so ist, konnte oder wollte bis dato niemand beantworten. Immerhin könnte es sich in diesem Fall auch um eine 'Spende' von religiösen Gleichgesinnten außerhalb der Gefängnismauern für ihre Mitbrüder gehandelt haben." In der Ausgabe am Donnerstag erfolgte eine "Klarstellung", in viel kürzerer Form und laut Demir noch dazu faktisch falsch. In dem Artikel "Keine Unkosten für Festessen in Jugendhäfen" steht, dass nur ein Jugendlicher ein Frühstück bekommen habe, das von der islamischen Glaubensgemeinschaft finanziert wurde.

Demir: Auch Nichtmuslime eingeladen

Tatsächlich seien bis zu 50 Personen in den Genuss des Frühstücks gekommen, sagt Demir im Gespräch mit dem STANDARD. Eingeladen waren laut dem Seelsorger auch Andersgläubige. Die Kosten dafür hätten muslimische Spender getragen. Die Berichterstattung der "Kronen Zeitung" hält er für "journalistisch unethisch". Die Schilderung eines Beamten sei anscheinend ohne Nachfrage einfach übernommen worden.

Was Demir auch erzürnt, ist neben der seiner Ansicht nach faktisch falschen Darstellung, dass der zweite "Krone"-Artikel den Weg nicht auf krone.at gefunden habe. Unter dem ersten Artikel ist in Postings etwa zu lesen, dass "Wir Steuerzahler" den Gefangenen ein "Festmahl" spendiert hätten: "Hoffentlich alles mit Schweineschmalz zubereitet", schreibt ein User. "Das ist traurig", sagt Demir, "gerade in diesen aufgeheizten Zeiten" betreibe die "Kronen Zeitung" eine "Spaltung der Gesellschaft". Man spiele hier mit den Gefühlen der Menschen.

"Wut und Hass" werde geschürt

Solche Artikel könnten dazu führen, dass mit "Wut und Hass auf die österreichischen Muslime" geblickt werde, schrieb er bereits am Donnerstag in einer Aussendung, das erschwere die Integration enorm. Von krone.at verlangt Demir eine Klarstellung. Er hat sich mit einer Beschwerde auch an den Österreichischen Presserat gewandt. Anfragen vom STANDARD an die "Kronen Zeitung" mit der Bitte um eine Stellungnahme blieben bis jetzt unbeantwortet.

Der Presserat wird sich auch in einer weiteren Causa mit der "Kronen Zeitung" beziehungsweise krone.at befassen. Laut "Presse" veröffentlichte die "Krone" Bilder, die angeblich einen Kindergarten in Liesing zeigen, in Wahrheit aber von einer Feier des Islamischen Zentrums in Floridsdorf stammen. Als Beleg, was in "Islam-Kindergärten" falsch laufe. (omark, 30.6.2017)

  • Der "Krone"-Artikel vom Mittwoch.
    foto: faksimile/kronen zeitung

    Der "Krone"-Artikel vom Mittwoch.

  • Der Folgeartikel am Donnerstag.
    foto: faksimile/kronen zeitung

    Der Folgeartikel am Donnerstag.

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