Neuer Fund von Nazi-Devotionalien in Argentinien

30. Juni 2017, 10:34
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Medaillen, Messer und Schutzhelme in militärischem Antiquitätenhandel in Buenos Aires aufgetaucht

Buenos Aires – Die argentinische Polizei hat erneut Nazi-Devotionalien in Buenos Aires entdeckt. Wie die Behörden am Freitag mitteilten, tauchten die Relikte in einem militärischen Antiquitätenhandel im touristischen Zentrum San Telmo in Buenos Aires auf. Bei den neun Objekten soll es sich unter anderem um Medaillen, Messer und Schutzhelme handeln, alle mit Symbolen wie dem Hakenkreuz und Reichsadler versehen.

Erst am 19. Juni hatte die Polizei in einem Vorort der Hauptstadt 75 Nazi-Relikte aus einer Privatsammlung beschlagnahmt. Dabei soll es sich nach Angaben der Behörden um die größte NS-Sammlung in der argentinischen Geschichte handeln. Bisher gibt es keine Hinweise auf eine Verbindung der beiden Funde.

Vergangene Woche war eine mysteriöse Sammlung mit Hitler-Büsten, Waffen und Reichsadlern aufgetaucht, weshalb die Polizei prüft, ob einige Relikte einer bekannten NS-Persönlichkeit gehört haben könnten. "Diese Objekte können nicht in Händen eines einfachen Soldaten gewesen sein", sagte der Chef der Kulturschutz-Abteilung der argentinischen Interpol-Einheit, Marcelo El Haibe.

Wilde Spekulationen

Eigentlich war die Polizei einem möglichen illegalen Handel mit chinesischen Kunstobjekten und Mumien auf der Spur und stieß dabei in Buenos Aires im Hinterzimmer eines Sammlers auf die bisher größte Nazi-Sammlung im Land mit rund 75 Exponaten.

Die Zeitung "Clarin" spekulierte unter Verweis auf die Behörden, dass eine große Lupe sogar Adolf Hitler persönlich gehört haben könnte. Auch wurde eine Verbindung zum nach Argentinien geflüchteten KZ-Arzt Josef Mengele gezogen, der 1979 in Brasilien starb. Dafür gibt es bisher keine konkreten Beweise, Nazi-Mythen sind weit verbreitet – bis heute hält sich die Legende, Hitler sei nicht im Führerbunker gestorben, sondern im Mai 1945 per U-Boot nach Patagonien entkommen.

Kontakte mit deutschen Kollegen

Unklar ist bisher, ob die Objekte von einer Person mit Bezug zum NS-Regime stammen, wie sie nach Argentinien gekommen sind oder ob sie vielleicht von mehreren Personen stammen. Der Händler gibt an, sie vor mehr als 25 Jahren bei einem Argentinier erworben zu haben – wo dieser sie her hat, ist noch unklar. El Haibe sagte, er habe bei einem Treffen in Lyon Kontakt mit einer deutschen Kollegin aufgenommen, die Interesse habe, an der Feststellung des Ursprungs der Nazi-Relikte mitzuarbeiten. Beim deutschen Bundeskriminalamt (BKA) gibt es zum Beispiel einen eigenen Sachbereich Kunst- und Kulturgutkriminalität.

Neben Exponaten wie einem Reichsadler, der den Firmenstempel des Solinger Unternehmens Carl Eickhorn trägt, wurden auch Sammlerstücke beschlagnahmt, die die Aufschrift "Amt für Rassenpolitik" tragen, darunter eine Schachtel mit einem Gerät zum Messen von Kopfgrößen. Ferner gibt es eine Skulptur, die dem Architekten Wilhelm Kreis gewidmet ist. Die Stücke sollen in das Holocaust-Museum in Buenos Aires kommen – unklar ist aber, ob die Beschlagnahmung überhaupt rechtens ist, da der reine Besitz solcher Nazi-Relikte normalerweise nicht strafbar ist. (APA, 30.6.2017)

  • Der Fund von vor rund einer Woche stellt die Ermittler vor Rätsel.
    foto: apa / afp / juan mabromata

    Der Fund von vor rund einer Woche stellt die Ermittler vor Rätsel.

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