Trump "stolz" auf Ende von Klimadeal, Studie warnt vor hohen Kosten

30. Juni 2017, 12:38
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US-Präsident verteidigt seinen Alleingang – Studie: Klimawandel könnte Wohlstandsgefälle in USA massiv verschärfen

Washington – Gut eine Woche vor dem G20-Gipfel hat US-Präsident Donald Trump seine Entscheidung für ein Ausscheren aus dem Pariser Klimaabkommen verteidigt. "Ich möchte Ihnen sagen, dass wir stolz darauf sind", sagte Trump am Donnerstag bei einer Rede über die Zukunft des US-Energiesektors.

"Um amerikanische Jobs, Unternehmen und Arbeiter zu schützen, haben wir die USA aus dem einseitigen Pariser Klimaabkommen herausgezogen", argumentierte Trump. Immer wieder würden sich Menschen bei ihm dafür bedanken. "Sie haben die Souveränität unseres Landes gerettet", bekomme er zu hören. "Und vielleicht werden wir eines Tages zurückkehren, aber es wird zu besseren Bedingungen sein."

Vorschlag zur Neuverhandlung abgelehnt

Trump hatte Anfang Juni den Ausstieg aus dem Abkommen angekündigt und erklärt, die USA würden die Vereinbarung "ab sofort" nicht mehr umsetzen. Zur Begründung sagte er, das Abkommen gehe einseitig zulasten der USA und vernichte dort Arbeitsplätze. Er zeigte sich aber bereit, die Ende 2015 geschlossene Vereinbarung neu zu verhandeln – was wiederum die EU und andere Unterzeichner des Abkommens ablehnen.

Das Ausscheren der USA lastet auch auf dem G20-Gipfel am 7. und 8. Juli in Hamburg. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel will als Gastgeberin ein klares gemeinsames Bekenntnis zum Kampf gegen die Erderwärmung erreichen. In ihrer Regierungserklärung zu dem Gipfel sagte sie am Donnerstag, das Pariser Abkommen sei "nicht verhandelbar".

Das Klima nagt am Bruttosozialprodukt

Derweil warnen die Autoren einer am Donnerstag im Fachmagazin "Science" veröffentlichten Untersuchung vor einer deutlichen Zunahme der sozialen Ungleichheit in den Vereinigten Staaten. Schätzungen zufolge geht demnach jeder globale Temperaturanstieg von 0,55 Grad Celsius mit einer Einbuße von 0,7 Prozent des US-Bruttosozialprodukts einher.

Die Studie, die auf wirtschaftlichen Modellrechnungen und 116 Projektionen der Auswirkungen des Klimawandels für die USA berechnet, nimmt dabei gesellschaftliche und ökonomische Felder in Augenschein: darunter Landwirtschaft, Gesundheit, Energie, Kriminalität, Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Lage in den Küstengebieten des Landes. Einkommensrückgänge von bis zu 20 Prozent drohten dem schon heute ärmsten Drittel der US-Bundesstaaten, folgern die Klimatologen und Ökonomen in ihrer interdisziplinären Arbeit.

Südstaaten und Mittlerer Westen am schlimmsten mitgenommen

Trump begründete den Schritt unter anderem damit, dass das Abkommen der US-Wirtschaft schade. Dagegen sagt die Studie weitreichende wirtschaftliche Verluste für die USA voraus und möglicherweise eine deutliche gigantische weitere Verschiebung im Wohlstandsgefälle, wie Autor Solomon Hsiang von der University of California in Berkeley schreibt. Die Südstaaten und die Bundesstaaten im unteren Mittleren Westen, die schon heute vergleichsweise arm seien, wären am stärksten betroffen.

Die Golf-Küstenregion mit ihrer Gefährdung durch steigende Meeresspiegel und Hurrikans sei ebenfalls bedroht, führt Co-Autor Robert Kopp von der Rutgers University-New Brunswick in New Jersey aus. Die Golfregion werde "massiv getroffen". Zudem werde starke Hitze, wie sie künftig häufiger zu erwarten sei, zu steigender Kriminalität führen. Laut Hsiang wird die US-Wirtschaft auf Jahrzehnte hinaus vom Klimawandel "ernsthaft betroffen". Profiteure seien klimatisch kühlere Regionen wie die Grenregion zu Kanada und die Rocky-Mountains-Regionen. (APA, red, 30.6.2017)

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