Roche übernimmt Wiener Diabetesfirma mySugr

30. Juni 2017, 12:33
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Der Übernahmepreis soll zwischen 70 und 200 Millionen Euro liegen. Der mySugr-Exit ist der drittgrößte Start-up-Deal der letzten Jahre

Zürich/Wien – Der Schweizer Pharmariese Roche übernimmt die Wiener-Diabetes App mySugr für einen kolportierten Kaufpreis zwischen 70 und 200 Millionen Euro. Das österreichische Digital-Portal "Trending Topics" verweist auf mehrere Brancheninsider, die eine derartige Kaufpreisspanne nannten. Der mySugr-Verkauf ist damit der drittgrößte heimische Start-up-Deal in den letzten Jahren.

Die beiden größten Exits in Österreich schafften im Jahr 2015 die Fitness-App Runtastic (220 Mio. Euro) und die Kleinanzeigen-App Shpock (rund 200 Mio. Euro). Der Sportartikelherstelle Adidas kaufte Runtastic und der norwegische Medienkonzern Schibsted übernahm Shpock.

Laut FirmenCompass hielten die vier mySugr-Gründer Fredrik Debong, Gerald Stangl, Michael Forisch und Frank Westermann zuletzt gemeinsam rund 45 Prozent der Anteile. Der Business Angel Hansi Hansmann (15,69 Prozent), iSeed aus den USA (12,33 Prozent), die Mediclass-Gründer Christoph Sauermann (0,6 Prozent) und die Familie Püspök (4 Prozent) waren bei MySugr auch an Bord. Die Schweizer Roche Finanz AG hielt bereits 12,34 Prozent der Anteile.

Eigenstänsiges Unternehmen

Als Teil der integrierten Diabetesmanagementstrategie von Roche soll mySugr ein juristisch unabhängiges Unternehmen bleiben. "Es ist der größte Deal im Digital-Health-Bereich bis dato", sagt Business Angel Hansi Hansmann, der direkt in die Verhandlungen involviert war, gegenüber "Trending Topics". Offizielle Angaben zum Kaufpreis gab es vorerst nicht.

"Wir freuen uns über diese Vereinbarung, weil wir mit der offenen Plattform eine einfache und zugängliche Lösung für Menschen mit Diabetes anbieten und so besser auf ihre Bedürfnisse eingehen können", sagte der Chef von Roche Diagnostics, Roland Diggelmann, in einer Aussendung am Freitag. Die seit 2014 bestehende Partnerschaft mit mySugr habe gezeigt, dass die beiden Unternehmenskulturen zusammenpassen würden.

Das Start-up mySugr sei gegründet worden, "um Alltagsprobleme zu lösen und die Diabetestherapie durch die Verwendung von Smartphones zu verbessern", so Frank Westermann, CEO und Mitgründer von mySugr.

Das 2012 gestartete Wiener Start-up hat derzeit rund eine Million App-Nutzer, die damit unter anderem ihre Blutzuckerwerte dokumentieren. Die Firma hat Niederlassungen in San Diego (Kalifornien/USA) sowie Wien und beschäftigt an den beiden Standorten 47 Mitarbeitende. Die mySugr App ist in 52 Ländern und 13 Sprachen verfügbar. Die Apps und Services von mySugar kombinieren Diabetesberatung, Therapiemanagement, Teststreifen, automatisierte Datenverfolgung und Integration mit einer wachsenden Zahl von medizinischen Geräten, um den Alltag mit Diabetes zu erleichtern. (APA, 30.6.2017)

  • Mysugr ermöglicht es Diabetespatienten, ihre Blutzuckerdaten über ein Smartphone an ihren Arzt zu übermitteln.
    foto: mysugr

    Mysugr ermöglicht es Diabetespatienten, ihre Blutzuckerdaten über ein Smartphone an ihren Arzt zu übermitteln.

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