Land unter in Berlin: Heftiger Regen in Deutschland

Video30. Juni 2017, 17:16
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Straßen in deutscher Hauptstadt teilweise knöcheltief unter Wasser – Ausnahmezustand wurde wieder aufgehoben

Berlin –Starker Regen hat Teile Deutschlands auch in der Nacht in Atem gehalten. Vor allem in Berlin war Land unter, in der Früh beruhigte sich die Lage wieder. Die Berliner Feuerwehr hat den Ausnahmezustand nach den sintflutartigen Regenfällen wieder aufgehoben. Dieser war Donnerstagmittag ausgerufen worden. "Wir gehen wieder in den Normalbetrieb über", twitterte die Behörde am Freitagnachmittag.

Im Norden und Osten Deutschlands waren die Schäden weniger heftig als befürchtet, der Westen und Süden blieben weitgehend verschont.

Ein Wolkenbruch bescherte Berlin binnen weniger als 24 Stunden stellenweise mehr als doppelt so viel Niederschlag wie sonst im ganzen Juni.

Die materiellen Schäden waren noch nicht errechnet. Nach Angaben der Berliner Wasserbetriebe fielen seit Donnerstagmittag in Spandau 153 Liter Regen pro Quadratmeter, in Wilmersdorf 150 Liter, wie Sprecher Stephan Natz sagte. "Durchschnittlich für Berlin sind rund 580 Liter im Jahr. Es ist also die Menge eines Vierteljahres innerhalb von 18 Stunden gefallen." Solche Ereignisse wiederholten sich statistisch gesehen nur alle 100 Jahre.

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Am Freitag war die Berliner Feuerwehr weiter im gesamten Stadtgebiet unterwegs, um vollgelaufene Keller und überflutete Straßen abzupumpen, teilte ein Sprecher mit. Mit mehr als 600 Berufsfeuerwehrleuten kämpften die Einsatzkräfte in der Früh gegen die Wassermassen. Insgesamt wurde die Feuerwehr zu rund 1.750 Einsätzen gerufen. Rund 1.300 professionelle Helfer, auch von der Freiwilligen Feuerwehr und vom Technischen Hilfswerk, waren im Einsatz. Sie arbeiteten teils in 24-Stunden-Schichten.

Schon am Donnerstag hatte stundenlanger Starkregen die deutsche Hauptstadt unter Wasser gesetzt. Rund 600-mal musste die Feuerwehr ausrücken, um vollgelaufene Keller und überschwemmte Straßen abzupumpen. Auch in Nord- und Süddeutschland machten Wassermassen den Einsatzkräften zu schaffen, der Deutsche Wetterdienst warnte zudem vor nächtlichen Unwettern.

Flüge in Tegel gestrichen

Am Berliner Flughafen Tegel wurden am Donnerstag Flüge gestrichen und Maschinen umgeleitet, die Stadtautobahn A100 – eine der meistbefahrenen in Deutschland – war wegen einer Überschwemmung nahe dem Funkturm vorübergehend gesperrt. U-Bahn-Höfe liefen voll Wasser. Und Besserung war zunächst nicht in Sicht: Feuerwehrchef Wilfried Gräfling sagte dem RBB, die Einsatzkräfte stellten sich darauf ein, die ganze Nacht durchzuarbeiten.

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Wasser in einem Berliner Bus.

Gräfling appellierte an die Berliner: "Bleibt zu Hause, liebe Bürger." Schon um 12.26 Uhr war der Ausnahmezustand ausgerufen worden. Teilweise fließe das abgepumpte Wasser wieder zurück, sagte der Feuerwehrchef. Auch Kanaldeckel würden hochgedrückt. Die Pumpen schafften die Mengen nicht, sagte ein Sprecher. Im Stadtteil Charlottenburg wurde ein Haus so stark unterspült, dass es evakuiert werden musste.

Air Berlin forderte Ausnahmegenehmigung

Die Fluggesellschaft Air Berlin appellierte an die Berliner Luftfahrtbehörde, eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen: Flugzeuge müssten auch nach 23 Uhr noch abheben können. Es solle vermieden werden, dass Passagiere wie in der Vorwoche festsitzen, als ein schweres Unwetter niedergegangen war.

Auf zahlreichen Straßen stand das Wasser knöchelhoch, die Berliner Innenstadt war teilweise lahmgelegt. In Durchsagen bei der U-Bahn hieß es, dass die Züge zum Teil in Bahnhöfen nicht halten, sondern wegen überfluteter Eingänge durchfahren. Am U-Bahn-Hof Spichernstraße lief das Regenwasser bis auf den Bahnsteig. Immerhin: Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.

Auch in Brandenburg sorgte der Dauerregen für Dauereinsätze der Feuerwehr. Allein im Süden des Landes wurden hunderte Einsätze gezählt, betroffen war vor allem die Region um Königs Wusterhausen südöstlich von Berlin. Auch in Potsdam gab es 20 Vorfälle mit durchnässten Kellern und Tiefgaragen.

In Hannover sprach die Feuerwehr von rund 160 regenbedingten Einsätzen. Selbst bei der Zentralen Polizeidirektion gab es dort einen Wassereinbruch. Zahlreiche besorgte Anrufer meldeten zudem bei Oldenburg und Cloppenburg überlaufende Kanaldeckel. "Nichts Dramatisches", meinte dazu die Polizei in Oldenburg.

Glimpflich verlief die Regenfront zunächst in Baden-Württemberg. Trotz heftigen Regens in der Nacht auf Donnerstag blieben größere Schäden laut Polizeiangaben aus. Am Freitag drohten allerdings auch dort gebietsweise noch unwetterartiger Regen und stürmische Böen bis zu 75 Kilometern pro Stunde. (APA, red, 30.6.2017)

  • Die Berliner Prachtstraße Unter den Linden unter Wasser.
    foto: wolfgang kumm/dpa via ap

    Die Berliner Prachtstraße Unter den Linden unter Wasser.

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