Europas Hengste stammen väterlicherseits vor allem aus dem Orient

2. Juli 2017, 11:43
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Forscher der Vetmeduni Wien entschlüsselten erstmals genetischen Stammbaum von Zuchthengsten

Wien – Wissenschaftern von der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni) ist es erstmals gelungen, den genetischen Stammbaum europäischer Zuchthengste zu entschlüsseln. Das im Fachjournal "Current Biology" präsentierte Ergebnis zeigt, dass beinahe alle Hengste der modernen europäischen Pferderassen väterlicherseits von orientalischen Tieren abstammen.

Bei Stuten kann die Abstammung anhand der nur von den Müttern vererbten mitochondrialen DNA schon seit Jahren bestimmt werden. Bei Hengsten war dies bisher nicht möglich, da sie ihr Y-Chromosom kaum verändert an ihre Söhne weitergeben und dieser Teil der Erbinformation daher nahezu ident ist. Stattdessen verließen sich Züchter auf Aufzeichnungen in Zuchtbüchern.

Nordeuropäische Ausnahmen

Mit hochauflösenden Sequenzanalysen gelang es einem Forscherteam des Instituts für Tierzucht und Genetik der Vetmeduni nun, große Bereiche des Y-Chromosoms von mehr als 50 Hengsten aus 21 Rassen zu analysieren. Die Resultate zeigten, dass bis auf ein paar Zuchten in Nordeuropa alle Hengste väterlicherseits von orientalischen Tieren abstammen, die grob in zwei Linien – die Araber und die Turkmenen – eingeteilt werden.

"Die orientalischen Pferde wurden in den letzten Jahrhunderten vermehrt in der Zucht eingesetzt und damit wurde der Grundstein für die heutigen Pferderassen gelegt. Die importierten orientalischen Tiere haben bestehende männliche Erbgutlinien offensichtlich komplett verdrängt", erklärte Studienleiterin Barbara Wallner die geringe genetische Vielfalt des Y-Chromosoms europäischer Pferderassen.

Darüberhinaus zeigten die Forscher, dass der Stammvater aller untersuchten Zuchthengste weit nach der Domestikation im 5. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung gelebt haben muss.

Die genetischen Daten stimmen den Forschern zufolge in den meisten Fällen mit den Aufzeichnungen in Zuchtbüchern überein, die teilweise bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Die Y-chromosomale Studien würden aber neben diesen Aufzeichnungen eine verlässliche Absicherungen der Herkunft des Tieres bieten, beispielsweise bei Pferdekäufen. (APA, red, 2.7.2017)

  • Auch die männlichen Vorfahren der Lipizzanerhengste der Spanischen Hofreitschule in Wien kamen ursprünglich aus dem Orient.
    foto: spanische hofreitschule wien

    Auch die männlichen Vorfahren der Lipizzanerhengste der Spanischen Hofreitschule in Wien kamen ursprünglich aus dem Orient.

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