Ohne Zukunft: Mit Kohle lässt sich keine Kohle machen

30. Juni 2017, 09:00
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Kohle ist auf dem Rückzug, besonders in China. Das zeigen die CO2-Emissionen, die weltweit seit drei Jahren stagnieren

Wien – Vorräte gibt es noch mehr als genug an Kohle, sogar in guter Qualität. Zukunft hat dieser Brennstoff dennoch nicht. Selbst in China, wo weltweit die meisten Kohlekraftwerke stehen, gilt Kohleverstromung als angezählte Technologie, weil sie buchstäblich krankmacht und den Menschen die Zukunft verbaut.

Indizien für die schwindende Bedeutung des einst wichtigsten Brennstoffs findet man in den Jahresberichten des Mineralölkonzerns BP schon seit längerem. So ausgeprägt wie im diesjährigen Report zur Weltenergiesituation war die Talfahrt der Kohle aber noch nie dargestellt.

Schwindende Bedeutung

Schätzungen der BP-Analysten zufolge dürfte Kohle 2035 in einer weltweiten Betrachtung mit einem Anteil von gut 20 Prozent nur mehr auf Platz drei unter den Primärenergieträgern liegen, hinter Öl, das anteilsmäßig auf etwa 30 Prozent zurückgeht, überholt von Gas, das dem Brennstoff Kohle um etwa zwei bis drei Prozentpunkte anteilsmäßig davoneilen dürfte.

Die schwindende Bedeutung der emissionsstarken Kohle zeigt sich in den Daten, die BP-Chefvolkswirt Paul Appleby am Donnerstag in Wien präsentiert hat. Das dritte Jahr in Folge sei der CO2-Ausstoß weltweit nicht mehr gestiegen. Ob das bereits eine Trendwende sei, wollte Appleby auf Nachfrage nicht sagen.

Konsum in Schwellenländern steigt

Leicht zugenommen hat im Vorjahr der Öl- und Gasverbrauch, wobei bei Rohöl im Gegensatz zu Erdgas die längerfristige Verbrauchskurve auch nach unten zeigt. Schon seit einiger Zeit verschiebe sich das Gros des Konsums weg von den entwickelten Industriestaaten hin zu Schwellenländern, sagte Appleby.

Die Mineralölindustrie sieht sich gezwungen, umzudenken. "Als ich in den 1980er-Jahren angefangen habe zu arbeiten, galt die Branche als sichere Bank", sagte BP-Österreich-Chefin Gerlinde Hofer. Eine Jobgarantie bis zum Ende des Arbeitslebens, gute Verdienstmöglichkeiten – das sei ein ungeschriebenes Gesetz gewesen. Hofer: "Das stimmt so nicht mehr."

Low-Carbon-Wirtschaft

Die Energielandschaft ändere sich rapid, es gehe Richtung Low-Carbon-Wirtschaft. "Das passiert, ob wir wollen oder nicht", sagte Hofer. BP wolle Treiber der Entwicklung sein, was auch heiße, neue Geschäftsmodelle abseits des Verkaufs von Mineralölprodukten zu testen.

BP-Chefvolkswirt Appleby geht davon aus, dass es gravierende Änderungen im Mobilitätsverhalten geben wird – weg von konventionellen hin zu hauptsächlich Stromantrieben. Effizientere Motoren und vor allem ein effizienterer, optimierter Einsatz insbesondere selbstfahrender Autos im Verkehr sollten den Energieverbrauch trotz weltweit steigender Mobilitätsbedürfnisse dämpfen.

Erneuerbare Energien sieht Appleby bis 2035 anteilsmäßig vor Großwasserkraft und auch vor Kernenergie. (Günther Strobl, 30.6.2017)

  • Ein Kohlearbeiter in der Provinz Anhui, einem der Zentren des chinesischen Kohleabbaus, bei einem gewagten Sprung nach unten: Ähnlich steil geht es auch mit dem weltweiten Kohleverbrauch nach unten.
    foto: reuters/jianan yu

    Ein Kohlearbeiter in der Provinz Anhui, einem der Zentren des chinesischen Kohleabbaus, bei einem gewagten Sprung nach unten: Ähnlich steil geht es auch mit dem weltweiten Kohleverbrauch nach unten.

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